Die Partie glich eher einem zweigeteilten Drama. Felix Nmecha eröffnete bereits in der 6. Minute den Torreigen, als er eine Vorlage von Florian Wirtz verwertete und dem viermaligen Weltmeister eine frühe Führung bescherte . Der unerwartete Paukenschlag folgte in der 21. Minute: Livano Comenencia fand im überfüllten Strafraum eine Lücke und jagte den Ball mit links zum Ausgleich ins Netz. Es war Curaçaos erstes WM-Tor überhaupt – ein Erfolg, der auf der Karibikinsel mit rund 158.000 Einwohnern, deren Nationalelf hauptsächlich aus in den Niederlanden geborenen Spielern besteht, Jubelstürme auslöste .
Die kurzzeitige Verunsicherung der Deutschen währte jedoch nicht lange. Nico Schlotterbeck köpfte in der 38. Minute eine Flanke von Nathaniel Brown zur erneuten Führung ein. Tief in der Nachspielzeit der ersten Hälfte verwandelte Kai Havertz dann einen Foulelfmeter sicher, nachdem Riechedly Bazoer Nmecha im Strafraum zu Fall gebracht hatte. Mit dem Pausenpfiff stand es bereits 3-1 .
Was folgte, war eine Demonstration deutscher Feuerkraft und Effizienz. Jamal Musiala, von Joshua Kimmich mustergültig in Szene gesetzt, erhöhte in der 47. Minute auf 4:1 und machte den Deckel endgültig drauf . Nathaniel Brown netzte in der 68. Minute nach Zuspiel von Deniz Undav seinen ersten WM-Treffer ein. Undav selbst trug sich in der 78. Minute – erneut vorbereitet von Kimmich – in die Torschützenliste ein. Den Schlusspunkt setzte wiederum Havertz mit seinem zweiten Treffer in der 88. Minute per Undav-Assist zum 7:1-Endstand .
Das Ergebnis weckt unweigerlich Erinnerungen an das legendäre 7:1 der DFB-Elf im WM-Halbfinale 2014 gegen Brasilien. Für Curaçao hingegen war Comenencias historischer Treffer das bleibende Vermächtnis eines Abends, der der "Blauen Welle" einen festen Platz in der WM-Geschichte sichert .
Australien startete seine Kampagne in Gruppe D mit einem echten Ausrufezeichen – einem 2:0-Erfolg über die Türkei im BC Place von Vancouver. Ausgerechnet bei der ersten türkischen WM-Teilnahme seit 24 Jahren verdarben die Socceroos den Gästen die Party . Das Team von Trainer Tony Popovic zelebrierte einen klassischen Smash-and-Grab-Stil gegen spielbestimmende Türken.
Das entscheidende Momentum auf dem Platz kippte früh. Watfords Flügelstürmer Nestory Irankunda brachte die Australier in der 27. Minute in Führung. Der 20-Jährige sprintete einem Konter hinterher, durchbrach die türkische Abwehr und schob den Ball flach an Keeper Uğurcan Çakır vorbei ins Netz . Eine fein ausgespielte Szene, die perfekt die australische Herangehensweise an diesem Abend symbolisierte: abwarten, zuschlagen. Connor Metcalfe sorgte dann in der 75. Minute für die Entscheidung: Aus der zweiten Reihe packte er einen satten und platzierten Distanzschuss aus rund 23 Metern aus .
Das blanke Ergebnis täuscht leicht über den restlichen Spielverlauf hinweg. Australien beendete die Partie mit mageren 28 Prozent Ballbesitz, doch Torhüter Patrick Beach vereitelte mit acht starken Paraden sämtliche türkischen Ausgleichsbemühungen und sicherte so den fünften WM-Sieg der australischen Geschichte .
Das Resultat katapultiert die Socceroos in der Tabelle der Gruppe D auf den zweiten Platz. Punktgleich mit Co-Gastgeber USA, aber mit schlechterer Tordifferenz, haben sie alle Karten in der eigenen Hand. Türkei und Paraguay, das am Freitag mit 1:4 gegen die USA verlor, stehen mit null Zählern am Tabellenende und geraten bereits früh im Turnier unter Zugzwang .
Aktuelle Tabelle Gruppe D (nach dem 1. Spieltag):
| Position | Team | Spiele | Tordifferenz | Punkte |
|---|---|---|---|---|
| 1 | USA | 1 | +3 | 3 |
| 2 | Australien | 1 | +2 | 3 |
| 3 | Türkei | 1 | -2 | 0 |
| 4 | Paraguay | 1 | -3 | 0 |
Damit steht bereits jetzt das richtungsweisende Duell der Gruppe bevor: Am 19. Juni kommt es in Seattle zum Gipfeltreffen zwischen Australien und den USA, welches den Gruppensieger maßgeblich vorbestimmen dürfte .
Die packendste Begegnung des Tages fand im AT&T-Stadion in Arlington, Texas, statt. Die Niederlande und Japan trennten sich in einem atemlosen 2:2-Unentschieden, das von vielen Beobachtern als das unterhaltsamste Spiel des Turniers bis dato beschrieben wurde . Ausgerechnet Daichi Kamada sicherte den Japanern mit einem Treffer in der 88. Minute einen verdienten Punkt – eine emotionale Schlusspointe einer hochklassigen Partie in Gruppe F .
Schottland erarbeitete sich derweil im Gillette-Stadion von Foxborough, Massachusetts, den ersten WM-Sieg seit 36 Jahren. Ein abgefälschter Schuss von Kapitän John McGinn in der 28. Minute war entscheidend beim knappen 1:0 gegen Haiti. Mit diesen drei Punkten setzten sich die Bravehearts an die Spitze der Gruppe C .
| Begegnung | Gruppe | Anstoß (ET) | Stadion | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Deutschland – Curaçao | Gruppe E | 13:00 Uhr | NRG-Stadion, Houston | 7-1 |
| Niederlande – Japan | Gruppe F | 16:00 Uhr | AT&T-Stadion, Arlington | 2-2 |
| Elfenbeinküste – Ecuador | Gruppe E | 19:00 Uhr | Lincoln Financial Field, Philadelphia | (Zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch im Gange) |
| Schweden – Tunesien | Gruppe F | 22:00 Uhr | Estadio BBVA, Monterrey | (Zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch nicht gestartet) |
Anmerkung: Das Zeitfenster des Tages umfasste auch die Partien Schottland gegen Haiti und Australien gegen die Türkei, die am späten Samstagabend Ortszeit ausgetragen wurden, aber für internationale Zuschauer im Berichtszeitraum des Sonntags lagen .
Obwohl nicht Teil des Sonntagsprogramms, lieferte die späte Partie vom Samstag in Santa Clara, Kalifornien, noch einen echten Meilenstein. Katar sicherte sich mit einem dramatischen 1:1 gegen die Schweiz seinen allerersten WM-Punkt überhaupt. Breel Embolo brachte die Eidgenossen in der 17. Minute per Elfmeter in Front, doch tief in der Nachspielzeit der zweiten Hälfte sorgte der Schweizer Verteidiger Miro Muheim mit einem unglücklichen Eigentor für den vielumjubelten Ausgleichstreffer der Katarer in der 95. Minute .
Tag 4 hat eindrucksvoll gezeigt, wofür das erweiterte Format der WM 2026 steht: Bühne frei für historische Augenblicke von Außenseitern und für klare Ansagen der Titelkandidaten. Curaçao und Katar verewigten sich in den WM-Annalen, während Deutschland und Australien unmissverständlich signalisierten, dass mit ihnen auf dem Weg in die K.o.-Runde zu rechnen ist.