Microsofts jüngste Erweiterung von Copilot Cowork ist weniger ein zusätzlicher Chatbot-Knopf als ein Schritt hin zu delegierter Arbeit: Cowork soll Aufgaben nicht nur besprechen, sondern über mehrere Schritte hinweg ausführen. Am 5. Mai 2026 stellte Microsoft dafür zwei wichtige Neuerungen heraus: Cowork kommt auf iOS und Android, und Unternehmen können eigene Plugins für ihre Arbeitsabläufe einbinden.[1][
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Für Beschäftigte bedeutet das vor allem: Eine Aufgabe muss nicht mehr warten, bis der Laptop wieder offen ist. Für Unternehmen wird wichtiger, welche internen Daten, Systeme und Routinen sie Cowork über Plugins tatsächlich zugänglich machen.
Was Copilot Cowork im Microsoft-365-Kontext ist
Copilot Cowork ist eine Funktion innerhalb von Microsoft 365 Copilot, die für mehrstufige Aufgaben gedacht ist. Der Unterschied zum klassischen Chat: Nutzer sollen nicht nur eine Antwort bekommen, sondern ein Ziel übergeben können, das Cowork in einen strukturierten Plan übersetzt und im Hintergrund abarbeitet.[8]
Microsoft beschreibt Cowork außerdem als eine Funktion, die in Microsoft 365 im Namen des Nutzers handeln kann – etwa E-Mails versenden, Besprechungen planen, Dokumente erstellen oder Beiträge in Teams posten.[3] Genau hier liegt der Kern der Erweiterung: Cowork soll näher an die alltäglichen Arbeitsketten in Microsoft 365 rücken, statt nur ein Textfenster für Fragen und Antworten zu sein.
1. Aufgaben lassen sich vom Smartphone aus anstoßen
Die sichtbarste Neuerung ist die mobile Unterstützung. Microsoft führt Cowork für iOS und Android ein und beschreibt typische Situationen wie den Arbeitsweg, die Zeit zwischen zwei Meetings oder Momente abseits des Schreibtischs, in denen Nutzer eine Aufgabe sofort delegieren können.[2]
Wichtig ist dabei der Cloud-Ansatz. Microsoft betont, dass Cowork bereits in der Cloud läuft; Nutzer müssten sich daher nicht darum kümmern, ob der Laptop geschlossen ist oder der PC gerade läuft.[2] Praktisch heißt das: Wer unterwegs an eine Aufgabe denkt, kann sie Cowork übergeben und später zu einem Ergebnis zurückkehren – statt sich selbst eine Erinnerung für den nächsten Desktop-Moment zu setzen.
2. Der Schwerpunkt verschiebt sich von Antwort zu Ausführung
Microsoft rahmt die Neuerung als Schritt von der Konversation zur Aktion über Skills, Integrationen und Geräte hinweg.[2] Das ist mehr als eine Formulierungsfrage. Cowork soll nicht nur erklären, wie eine Aufgabe erledigt werden könnte, sondern Teile der Arbeit tatsächlich übernehmen.
Im Arbeitsalltag betrifft das vor allem Aufgaben, die über mehrere Microsoft-365-Bereiche laufen: E-Mail, Kalender, Dokumente und Teams. Microsofts eigene Ressourcen nennen als Beispiele das Versenden von E-Mails, das Planen von Meetings, das Erstellen von Dokumenten und das Posten in Teams.[3] In Verbindung mit der Beschreibung von Cowork als Funktion für mehrstufige Aufgaben ergibt sich daraus ein klarer Anspruch: Nutzer sollen weniger zwischen einzelnen Apps hin- und herspringen müssen, wenn ein Ziel mehrere Arbeitsschritte umfasst.[
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3. Plugins machen Cowork unternehmensspezifischer
Die zweite große Neuerung ist ein Plugin-Ökosystem für Copilot Cowork. Microsoft erklärt, dass Organisationen eigene Plugins für ihre Anforderungen erstellen oder sie bei Bedarf breiter veröffentlichen können.[1]
Die genannten Beispiele sind auf typische Unternehmensabläufe zugeschnitten: Ein Plugin könnte verstreute Daten zu einem einzigen Geschäftsüberblick zusammenführen, neuen Mitarbeitenden am ersten Tag den richtigen Kontext liefern oder Cowork mit einer Preis-Engine verbinden, damit Angebote direkt erzeugt werden können.[1]
Damit wird Cowork weniger zu einem generischen Assistenten und stärker zu einer Oberfläche für definierte Arbeitsabläufe. Entscheidend ist jedoch, dass diese Möglichkeiten nicht automatisch entstehen: Unternehmen müssen festlegen, welche Prozesse, Datenquellen oder Systeme über Plugins verbunden werden und wie diese Plugins erstellt, hinzugefügt und verwaltet werden.[1]
4. Bestehende Claude-Cowork-Plugins können eine Rolle spielen
Microsoft nennt auch eine Brücke zu Claude Cowork: Wer bereits Claude-Cowork-Plugins nutzt, soll diese in wenigen Schritten in Copilot Cowork einbringen können.[1] Für Organisationen, die schon an solchen KI-Workflows gearbeitet haben, kann das relevant sein, weil vorhandene Plugin-Arbeit nicht zwingend komplett neu aufgebaut werden muss.
Das ändert aber nichts daran, dass die Einbindung in Microsoft 365 geplant werden muss. Ein Plugin ist kein Selbstläufer, sondern ein Baustein, der in die Arbeitsweise einer Organisation passen muss.
5. Aus Teamwissen werden wiederverwendbare Workflows
Microsoft beschreibt Plugins außerdem als Möglichkeit, die Fähigkeiten und das Wissen einer Organisation in einem einzigen Workflow zusammenzuführen. In einem begleitenden Video heißt es sinngemäß, Plugins könnten das Playbook eines Teams so abbilden, dass organisationales Know-how für jedes Team ausführbar wird.[16]
Für Unternehmen ist das der vielleicht interessanteste Teil: Nicht nur einzelne Datenquellen werden angeschlossen, sondern wiederholbare Abläufe können als Arbeitsbausteine gedacht werden. Die von Microsoft genannten Beispiele – Geschäftsdaten bündeln, Onboarding-Kontext bereitstellen, Preis-Engine für Angebote anbinden – passen genau in dieses Muster.[1][
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Was sich konkret ändert
| Nutzerkreis | Was möglich wird | Bedeutung |
|---|---|---|
| Einzelne Nutzer | Cowork auf iOS und Android verwenden | Aufgaben können unterwegs, zwischen Terminen oder außerhalb des Büros angestoßen werden.[ |
| Einzelne Nutzer | Arbeit auch ohne laufenden PC weitergeben | Microsoft betont, dass Cowork in der Cloud läuft und nicht vom geöffneten Laptop abhängt.[ |
| Teams | Aufgaben über Microsoft 365 hinweg delegieren | Cowork wird für Arbeitsschritte rund um E-Mail, Meetings, Dokumente und Teams beschrieben.[ |
| Unternehmen | Eigene Plugins erstellen | Interne Daten, Onboarding-Kontext oder Preis-Engines können in Cowork-Workflows eingebunden werden.[ |
| Unternehmen | Vorhandene Claude-Cowork-Plugins einbringen | Microsoft sagt, dass sich bereits genutzte Claude-Cowork-Plugins in Copilot Cowork übernehmen lassen.[ |
Was vor einer Einführung zu klären ist
Copilot Cowork ist nicht automatisch für jede Microsoft-365-Umgebung gleich verfügbar. Ein Bericht ordnet den Dienst aktuell dem Microsoft-Frontier-Programm zu, also einem Programm für Organisationen, die neue KI-Funktionen testen wollen.[5] Das spricht eher für einen frühen, organisationsbezogenen Rollout als für eine sofortige Standardfunktion für alle Nutzer.
Außerdem hängt der Nutzen stark von der Plugin-Strategie ab. Microsoft verweist ausdrücklich darauf, dass Plugins in Copilot Cowork hinzugefügt, erstellt und verwaltet werden können.[1] Unternehmen sollten deshalb vorab klären, welche Arbeitsabläufe wirklich geeignet sind, welche Systeme angebunden werden sollen und wer für Pflege und Freigabe solcher Erweiterungen verantwortlich ist.
Fazit
Die mobile Unterstützung macht Copilot Cowork flexibler: Aufgaben lassen sich künftig auch vom Smartphone aus delegieren, während Cowork laut Microsoft in der Cloud weiterarbeitet.[2] Die Plugins sind der strategisch größere Schritt: Sie sollen Cowork mit Unternehmenswissen, internen Daten und spezialisierten Systemen verbinden, sodass aus wiederkehrenden Abläufen ausführbare KI-Workflows werden.[
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Der entscheidende Vorbehalt bleibt: Was Copilot Cowork tatsächlich leisten kann, hängt von der Verfügbarkeit im jeweiligen Unternehmen, dem Zugang über Programme wie Frontier und den konkret eingerichteten Plugins ab.[1][
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