Das medizinische Team infundierte Billionen von adeno-assoziierten Viren (AAV) mit Base-Editoren direkt in ihre Spinalflüssigkeit. Sieben Tage später starb das Mädchen an einer thrombotischen Mikroangiopathie – einer schweren Immun- und Gefäßreaktion, ausgelöst durch den viralen Vektor .
Der Tod wurde von den Forschern nie öffentlich gemacht. Eine gemeinsame investigation von Science und Retraction Watch, veröffentlicht im Juli 2026, deckte den Fall mehr als ein Jahr nach dem Ereignis auf . Die Medizinische Fakultät der Shanghai Jiao Tong University leitete daraufhin eine umfassende Untersuchung ein
.
In einer separaten Studie in China starb ein Kind mit Duchenne-Muskeldystrophie nach einer Gen-Editing-Behandlung des in Shanghai ansässigen Unternehmens HuidaGene Therapeutics . Das Unternehmen führte den Tod im August 2025 auf ein akutes Atemnotsyndrom im Rahmen einer schweren Immunreaktion auf die Therapie zurück
.
Beide Todesfälle haben denselben Mechanismus: Das AAV-Vektorsystem provozierte katastrophale systemische Immunreaktionen, die Tierversuche nicht ausreichend vorhersagen konnten.
Karoly Nikolich, Adjunct Professor an der Stanford University School of Medicine und eine führende Figur in der Kommerzialisierung der Hirnforschung, hat erklärt, dass humane Tests für ZNS-Gen-Editing-Therapien noch drei bis fünf Jahre dauern könnten, bevor sie sicher durchgeführt werden können .
„Die Techniken sind für Tierversuche recht gut etabliert, aber für Humanstudien sind sie noch nicht ausgereift“, sagte Nikolich in einem detaillierten Interview .
Nikolichs Fünf-Jahres-Schätzung deckt sich mit breiteren Analysen. Ein Übersichtsartikel von 2025 in Frontiers in Genome Editing prognostizierte klinische CRISPR-Anwendungen für das ZNS in 5–10 Jahren . Branchenverfolgungsdaten in Nature Medicine zeigten, dass die Gesamtzahl aktiver Gentherapie-Entwicklungsprogramme im Jahr 2025 zurückging – eine Trendwende nach Jahren des Wachstums
. Mehrere Studien wurden 2025 vorübergehend ausgesetzt
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Die Todesfälle in China belegen, dass aktuelle Gen-Editing-Ansätze für das Nervensystem lebensbedrohliche Risiken bergen – insbesondere durch Vektor-induzierte Immunreaktionen, die Tiermodelle nicht aufgedeckt hatten. Das Feld benötigt ein tieferes biologisches Verständnis systemischer Off-Target-Effekte und sicherere Verabreichungstechnologien, bevor verantwortungsvoll mit Humanstudien begonnen werden kann. Seriöse Expertenschätzungen deuten auf mindestens mehrere weitere Jahre präklinischer Arbeit hin.
Bis dahin bleibt Gen-Editing für das Gehirn ein Versprechen – keine Behandlung.