Xiaomis erster IFA-Auftritt ist weniger eine klassische Produktpremiere als die Demonstration eines Geschäftsmodells. In Berlin nutzt das Unternehmen seine bislang größte Ausstellungsfläche, um Verbraucherinnen und Verbrauchern, Handelsunternehmen sowie möglichen Automobilpartnern das Konzept Human × Car × Home greifbar zu machen: Ein Xiaomi-Smartphone, ein vernetztes Zuhause und ein künftiges Xiaomi-Fahrzeug sollen Teile eines gemeinsamen, KI-gestützten Erlebnisses werden.
6
9
Ein Showroom für das Zusammenspiel der Geräte
Auf mehr als 3.300 Quadratmetern zeigt Xiaomi über 380 Produkte, Technologien und Live-Demonstrationen. Der Stand gliedert sich in die Bereiche AI Tomorrow, AI Today und ein Human-×-Car-×-Home-Portfolio mit sieben Kategorien – von Kochen und Reinigung über Sicherheit bis hin zu persönlichen Geräten und smarter Mobilität.
6
11
Diese Anordnung ist Teil der Botschaft. Smartphones, Haushaltsgeräte und Fahrzeuge stehen nicht getrennt nebeneinander: Mit dem SU7 Max, persönlichen Endgeräten und Smart-Home-Umgebungen will Xiaomi vorführen, wie die Produktkategorien miteinander koordiniert werden können. Nach Darstellung des Unternehmens sollen KI und die eigene Plattform Geräte, Zuhause und Mobilität zu einer einheitlichen Nutzungserfahrung verbinden.
4
12
Damit wird in Europa das Ökosystem selbst zur zentralen Produktgeschichte. Die große Ausstellung soll Kundschaft und Vertriebspartnern zeigen, wie geräteübergreifende Integration im Alltag aussehen könnte, bevor sie sich für ein breiteres Xiaomi-Angebot entscheiden.
Mijia soll Xiaomis Zugang zum Haushalt schaffen
Der unmittelbare Hebel für die europäische Expansion heißt Mijia. Die Smart-Home-Marke von Xiaomi gibt auf der IFA ihr groß angelegtes Europa-Debüt. Xiaomi zufolge umfasst Mijia mehr als 2.000 SKUs – also einzelne Artikelvarianten – in über 130 Produktkategorien.
9
34
Damit kann Xiaomi zunächst im Haushalt präsent werden: mit Haushaltsgeräten, Reinigungsprodukten, Sicherheitslösungen und weiterer vernetzter Hardware. Strategisch geht es nicht allein um ein größeres Gerätesortiment. Je mehr Menschen bereits mit Xiaomis vernetzter Produktwelt vertraut sind, desto stärker ist die Ausgangsbasis, wenn der Konzern seine Autos in die Region bringt.
Das 18 Fold soll Xiaomi als Technologiekonzern positionieren
Zugleich nutzt Xiaomi die IFA, um seine technischen Ambitionen im Premiumsegment zu unterstreichen. Das Xiaomi 18 Fold ist das erste Flaggschiff-Smartphone des Unternehmens mit dem selbst entwickelten Prozessor XRing O3 und LPDDR6-Arbeitsspeicher.
10
16
Dass dieses Gerät neben KI-Demonstrationen, Smart-Home-Produkten und Fahrzeugen steht, soll eine übergeordnete Aussage transportieren: Xiaomis Premium-Hardware, Softwareplattform und Strategie für vernetzte Geräte sollen sich gegenseitig stärken. Das Foldable ist damit nicht nur ein neues Smartphone, sondern auch ein Beleg für den Anspruch, in mehreren Ebenen des Ökosystems eigene, unterscheidbare Technik zu entwickeln.
Autos liefern die Vision – Deutschland den Markteinstieg
Die ausgestellten Fahrzeuge geben dem IFA-Stand eine besonders ambitionierte Note, noch bevor Xiaomi den europäischen Verkauf beginnt. Gezeigt wurden das Konzept Vision Gran Turismo, der neue SU7 und der SU7 Ultra. Nach Angaben des Unternehmens fuhr der serienmäßige SU7 Ultra mit optionalem Track-Paket auf der Nürburgring-Nordschleife mit 7:04,957 Minuten die schnellste Runde eines elektrischen Fahrzeugs der oberen Mittelklasse.
33
Entscheidender ist jedoch der Marktfahrplan: Xiaomi Auto hat bestätigt, 2027 mit dem Verkauf von Elektroautos in Europa zu beginnen – auch in Deutschland. Auf der IFA unterzeichnete das Unternehmen Absichtserklärungen mit acht deutschen Händlergruppen.
21
Berlin ist damit mehr als nur ein passender Messestandort. Xiaomi kann sein Konzept vernetzter Mobilität in dem Land vorstellen, das zu den ersten europäischen Automärkten des Unternehmens zählen soll. Gleichzeitig baut der Konzern Bekanntheit bei Kundschaft auf und knüpft Beziehungen zum Handel, bevor der Verkauf startet.
Die Größenordnung stützt die Erzählung
Für seine Strategie kann Xiaomi auf eine umfangreiche operative Basis in China verweisen. Im Geschäftsbericht für 2025 meldete das Unternehmen 1,0792 Milliarden vernetzte IoT-Geräte auf seiner AIoT-Plattform; Smartphones, Tablets und Laptops sind dabei nicht eingerechnet. Im selben Jahr lieferte Xiaomi 411.082 Smart-EVs aus.
18
19 Ende März 2026 lag die Zahl der verbundenen IoT-Geräte bereits bei 1,1187 Milliarden.
17
Zudem erklärte Xiaomi, die gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 2026 bis 2030 würden 24 Milliarden Euro übersteigen. Das Geld soll unter anderem in KI, Elektrofahrzeuge und Chips fließen.
26
27
Diese Zahlen garantieren keinen Erfolg in Europa. Sie helfen Xiaomi aber dabei, die IFA-Präsentation als Erweiterung einer bereits bestehenden Plattform darzustellen – und nicht als Sammlung voneinander losgelöster Konzepte.
Der eigentliche Test beginnt nach der Messe
Xiaomis Wette lautet: Wer bereits ein Xiaomi-Smartphone und Mijia-Produkte nutzt, könnte ein Xiaomi-Auto künftig als naheliegendere Wahl ansehen. Umgekehrt könnte ein Fahrzeug die Attraktivität des übrigen Geräteangebots steigern.
Die IFA kann diese Vision veranschaulichen, doch die entscheidenden Umsetzungsfragen bleiben offen. Europas Käuferinnen, Käufer und Handelspartner werden das Angebot letztlich an verfügbaren Produkten, Preisen, Vertriebs- und Servicequalität, Datenschutzanforderungen sowie der Alltagstauglichkeit des vernetzten Erlebnisses messen. Der Berliner Auftritt ist Xiaomis Eröffnungsplädoyer; der geplante EV-Start 2027 wird der deutlich aussagekräftigere Test.
21
26