Xiaomis XRing-Programm ist mehr als der Versuch, einen selbst entwickelten Prozessor in einem einzelnen Spitzen-Smartphone einzusetzen. Das Unternehmen verteilt drei Chips auf drei unterschiedliche Aufgaben: XRing O3 für hochwertige Smartphones und Tablets, O100 für lokale KI-Inferenz mit hohem Speicherbedarf und D100 für Systeme des intelligenten Fahrens. Damit stützt Xiaomi seine Strategie „Human × Car × Home“ – ein Zusammenspiel aus persönlichen Geräten, vernetztem Zuhause und Elektroauto.
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O3 startet im Xiaomi 18 Fold
Der XRing O3 ist nach dem XRing O1 Xiaomis zweiter eigener Flaggschiff-Prozessor für Mobilgeräte. Er soll bei TSMC im 3-nm-Verfahren gefertigt werden und zunächst im Xiaomi 18 Fold erscheinen; auch das Pad 9 Pro Max wird als O3-Gerät genannt.
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Zu den berichteten Eckdaten gehören:
- eine 10-Kern-CPU der Arm-C1-Serie mit zwei C1-Ultra-Kernen bis 4,35 GHz, vier C1-Premium-Kernen mit 3,68 GHz und vier C1-Pro-Kernen mit 3,15 GHz;
- eine 16-Kern-GPU G2-Ultra NX;
- eine NPU mit 200 TOPS; sowie
- Unterstützung für LPDDR6-Arbeitsspeicher.
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Auffällig ist vor allem die CPU-Auslegung: Xiaomi setzt auf leistungsorientierte Kerne statt auf eine klassische separate Effizienzklasse. Das klingt ambitioniert, sagt allein aber noch wenig über die Alltagserfahrung aus. Bisherige Benchmarkwerte und Vergleiche mit Qualcomms Flaggschiff-Snapdragon beruhen auf Herstellerangaben oder frühen Berichten. Sie belegen noch nicht, wie sich Seriengeräte bei Dauerlast, Wärmeentwicklung, Akkulaufzeit, Mobilfunk oder Spielen tatsächlich schlagen.
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O100 soll den Speicherengpass bei lokaler KI lösen
Der XRing O100 ist kein Ersatz für einen Smartphone-SoC. Er ist ein spezialisierter KI-Beschleuniger für die Inferenz großer Modelle direkt auf dem Gerät. Bei solchen Anwendungen ist oft nicht allein die Rechenleistung entscheidend, sondern wie schnell Modelldaten zwischen Speicher und Recheneinheit bewegt werden können.
Nach den Berichten kombiniert Xiaomi einen 6-nm-Logikchip vertikal mit zwei auf KI zugeschnittenen DRAM-Schichten. Zum Einsatz kommen Wafer-on-Wafer-Stacking und Hybrid Bonding. Xiaomi gibt dafür 1,22 TB/s Nahspeicher-Bandbreite sowie bis zu 330 Tokens pro Sekunde mit dem eigenen Modell MiMo 3B an.
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Diese Zahlen müssen eng ausgelegt werden: Die 1,22 TB/s beziehen sich laut Beschreibung auf die Bandbreite des Near-Memory Computing, nicht auf herkömmliche System-RAM-Bandbreite. Und die 330 Tokens pro Sekunde gelten für ein konkret genanntes Modell und einen bestimmten Testfall – nicht als universeller KI-Leistungswert für alle Modelle, Quantisierungen oder Endgeräte.
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Strategisch ist der Ansatz dennoch klar: Xiaomi investiert in eine Speicherarchitektur, die reaktionsschnelle generative KI lokal ermöglichen soll, ohne jede Anfrage in die Cloud schicken zu müssen.
D100 bringt die Chip-Offensive ins Auto
Mit dem XRing D100 weitet Xiaomi das Programm auf die Fahrzeugtechnik aus. Der Chip wird als 3-nm-Prozessor für intelligentes Fahren beschrieben, mit 20 CPU-Kernen, 16 NPU-Kernen und Unterstützung für bis zu 160 GB gemeinsamen Speicher. Berichten zufolge kann er Modelle mit bis zu 200 Milliarden Parametern im Speicher vorhalten.
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Das heißt nicht, dass ein Auto jede Fahraufgabe über ein einziges riesiges Modell abwickelt. Der D100 zeigt vielmehr, dass Xiaomi leistungsfähige lokale Rechenkapazität für Wahrnehmung, Planung und KI-Funktionen im Fahrzeug bereitstellen will. Für einen Hersteller, der inzwischen Elektroautos neben Smartphones und Smart-Home-Produkten anbietet, sind niedrige Latenzen, enge Integration und langfristige Softwarepflege besonders relevant.
Wann kommen O100 und D100?
Xiaomi zufolge sind die Entwicklung von O100 und D100 abgeschlossen; die kommerzielle Einführung ist für 2027 geplant.
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Das ist allerdings noch kein vollständiger Fahrplan. Zu konkreten Geräten, Fahrzeugmodellen, Stückzahlen, Märkten oder Startterminen liegen öffentlich bislang keine belastbaren Angaben vor. 2027 bleibt der klarste berichtete Orientierungspunkt.
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Eigenentwickelt heißt nicht: unabhängig von TSMC
Die Chips werden von Xiaomi entworfen, doch das Unternehmen betreibt keine eigene Fertigung für modernste Halbleiter. Der O3 soll bei TSMC im 3-nm-Verfahren produziert werden – in Fortsetzung der Fertigungspartnerschaft beim früheren XRing O1.
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Das verschafft Xiaomi Zugang zu einer führenden Fertigungstechnologie, lässt das Unternehmen aber von einem externen Auftragsfertiger, dessen Kapazitäten und Produktionsumsetzung abhängig. XRing erhöht also Xiaomis Kontrolle über Chipdesign und Produktintegration, macht den Konzern jedoch nicht unabhängig von der globalen Halbleiterlieferkette.
Qualcomm und MediaTek bleiben Teil des Plans
Der O3 bedeutet nicht, dass Xiaomi seine Produktpalette kurzfristig vollständig auf eigene Chips umstellt. Qualcomm blieb auch nach dem Start des O1 Xiaomis wichtigster Chipzulieferer; laut Qualcomm-Chef Cristiano Amon wird das Unternehmen Xiaomi weiterhin beliefern.
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Auch Omdia erwartet langfristige Beziehungen zu Drittanbietern. Der Marktforscher beziffert für Xiaomis Smartphone-Beschaffung 2024 den Anteil von MediaTek-Prozessoren auf 63 Prozent und den von Qualcomm auf 35 Prozent. Das verdeutlicht die Größe der bestehenden Zulieferbasis.
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XRing ist deshalb eher als gezielter Weg zur Differenzierung in strategisch wichtigen Produkten zu verstehen – nicht als sofortiger Komplettwechsel weg von Qualcomm und MediaTek. Chips von Drittanbietern bleiben für verschiedene Preisklassen und hohe Stückzahlen relevant, während Xiaomi Erfahrungen mit eng integrierter Flaggschiff-Hardware aufbaut.
Die Investition hinter dem Ökosystem
Xiaomi meldete für 2025 Forschungs- und Entwicklungsausgaben von 33,1 Milliarden Renminbi, ein Plus von 37,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ende 2025 arbeiteten 25.457 Menschen in Forschung und Entwicklung. Für 2026 bis 2030 erwartet das Unternehmen kumulierte F&E-Ausgaben von mehr als 200 Milliarden Renminbi.
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Diese Budgets fließen nicht nur in Chips, sondern auch in Betriebssysteme, KI-Modelle, vernetzte Geräte und Fahrzeugtechnik. Gerade deshalb ist die Halbleiterstrategie zentral: Xiaomis „Human × Car × Home“-Ansatz baut darauf, dass Smartphones, HyperOS- und KI-Ebene, Smart-Home-Produkte und Elektroautos als abgestimmtes System funktionieren.
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Der O3 liefert Rechenleistung für hochwertige persönliche Geräte, der O100 zielt auf schnellere lokale KI und der D100 auf mehr Rechenkapazität im Auto. Der eigentliche Wettbewerbsvorteil wäre damit nicht ein einzelner Benchmarkrekord, sondern die Fähigkeit, diese Komponenten in verlässliche, zusammenhängende Nutzererlebnisse zu übersetzen.