An der Börse hat sich die Perspektive jedoch erweitert. Investoren suchen zunehmend nach Bereichen der KI‑Hardware, in denen Engpässe entstehen und damit höhere Margen möglich sind.
Die Kursentwicklung spiegelt diesen Wandel wider. 2026 legte die TSMC‑Aktie zwar deutlich zu – etwa 40 bis 46 % –, doch MediaTek und Samsung stiegen jeweils um rund 140 bis 150 %. Das ist die größte relative Underperformance von TSMC gegenüber MediaTek seit 2009.
Das bedeutet nicht, dass TSMC schwächelt. Vielmehr glauben Anleger, dass anderswo in der KI‑Lieferkette aktuell das größere zusätzliche Wachstumspotenzial liegt.
Ein wichtiger Treiber ist der steigende Bedarf an spezialisierten KI‑Beschleunigerchips.
MediaTek war lange vor allem für Smartphone‑Prozessoren bekannt. Doch mit dem Boom von maßgeschneiderten KI‑Chips und sogenannten ASICs (Application‑Specific Integrated Circuits) rücken Chipdesigner stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Große Cloud‑Konzerne wie Alphabet arbeiten zunehmend mit solchen Designfirmen zusammen, um speziell optimierte KI‑Prozessoren zu entwickeln.
Wenn Hyperscaler eigene Chips entwerfen, profitieren fabless‑Designer besonders stark. Sie sind näher am Produktzyklus und an konkreten Kundenaufträgen als eine Auftragsfertigung, deren Kapazitäten häufig bereits langfristig ausgebucht sind.
Kurz gesagt: Während TSMC die Chips produziert, entscheiden Unternehmen wie MediaTek zunehmend darüber, wie diese Chips aufgebaut sind und welche KI‑Workloads sie beschleunigen.
Der vielleicht wichtigste strukturelle Wandel im KI‑Hardwaremarkt betrifft den Speicher.
Moderne KI‑Systeme benötigen enorme Mengen an High‑Bandwidth Memory (HBM) und Server‑DRAM, um Daten mit sehr hoher Geschwindigkeit an GPUs und KI‑Beschleuniger zu liefern. Durch den rasanten Ausbau von KI‑Rechenzentren ist die Nachfrage nach diesen Komponenten deutlich schneller gestiegen als das Angebot.
Das hat die Preise massiv nach oben getrieben:
Gleichzeitig verlagern Speicherhersteller ihre Produktionskapazitäten zunehmend auf HBM‑Chips, die in KI‑Systemen höhere Margen erzielen. Dadurch wird das Angebot klassischer DRAM‑Produkte zusätzlich eingeschränkt.
Für Unternehmen wie Samsung und SK hynix bedeutet das eine ungewöhnlich starke Preissetzungsmacht, die Investoren in typischen Halbleiterzyklen besonders honorieren.
Samsung warnte sogar, dass KI‑bedingte Speicherknappheit mindestens bis 2027 anhalten könnte, weil große Kunden Produktionskapazitäten bereits Jahre im Voraus reservieren.
Der Markt erkennt zunehmend, dass KI‑Infrastruktur nicht nur von GPUs abhängt. Tatsächlich gibt es mehrere kritische Engstellen in der gesamten Hardware‑Kette.
Dazu zählen unter anderem:
Mit steigender Rechenleistung werden KI‑Server immer energieintensiver. Analysten schätzen, dass die globale Stromkapazität für KI‑Server um etwa 74 % gegenüber dem Vorjahr steigen könnte, was wiederum die Nachfrage nach Flüssigkeitskühlung und Energie‑Infrastruktur stark erhöht.
Investoren richten ihren Blick deshalb zunehmend auf Unternehmen, die an diesen Bottlenecks sitzen.
Die KI‑Rally in Asien teilt sich zunehmend in zwei regionale Stärken auf.
Taiwan profitiert vor allem von seiner umfassenden Halbleiter‑ und Server‑Lieferkette. Neben TSMC gewinnen auch Serverhersteller und Komponentenlieferanten an Bedeutung, die die physische Infrastruktur für Hyperscale‑Rechenzentren liefern.
Südkorea wiederum dominiert beim Speicher. Samsung und SK hynix kontrollieren einen Großteil der Produktion von High‑Bandwidth Memory, das für KI‑Training und Inferenz unverzichtbar ist.
Beide Ökosysteme profitieren von massiven Investitionen der großen Cloud‑Konzerne. Schätzungen zufolge könnten globale Hyperscaler bis 2026 rund 750 Milliarden US‑Dollar in Rechenzentren investieren, wobei ein Großteil der benötigten KI‑Hardware in Asien produziert wird.
Trotz der breiteren Marktstory bleibt TSMC eine der wichtigsten Säulen der KI‑Industrie.
Das Unternehmen erzielt weiterhin Rekordumsätze durch die Nachfrage nach KI‑Prozessoren, wobei der Bereich High‑Performance Computing – einschließlich KI‑Chips – inzwischen den Großteil des Geschäfts ausmacht.
Der Unterschied im Jahr 2026 liegt vor allem darin, dass Anleger nun mehr Chancen entlang des gesamten KI‑Stacks sehen.
Die Rally ist damit kein Ein‑Aktien‑Phänomen mehr. Sie umfasst Chipdesign, Speicher, Serverbau und die komplette Infrastruktur, die benötigt wird, um die schnell wachsenden KI‑Rechenzentren der Welt zu betreiben.
Mit anderen Worten: Der KI‑Boom in Asien dreht sich nicht mehr nur darum, wer die Chips herstellt – sondern um jedes Bauteil, das nötig ist, um sie zu betreiben.
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