Ein günstigerer Laptop-Prozessor macht noch keinen günstigen Laptop. Wenn Arbeitsspeicher und Speicherplatz teurer werden, müssen Hersteller an anderer Stelle sparen oder den Verkaufspreis anheben. Genau diesen Druck beschreibt der oft „RAMageddon“ genannte Engpass: KI-Rechenzentren konkurrieren um Produktionskapazitäten, während Chiphersteller besonders lukrative Speicherprodukte bevorzugen.
2
62
Was das für günstige Laptops bedeutet
Qualcomm-Manager Kedar Kondap zufolge fällt es Geräteherstellern angesichts steigender Kosten für Arbeitsspeicher und Speicherplatz schwer, passende Laptop-Preise festzulegen. Kunden seines Unternehmens prüfen deshalb auch andere Bauteile: Ein LCD-Bildschirm statt eines OLED-Displays kann helfen, einen angestrebten Preis zu halten.
2
9
Gerade bei Einstiegsmodellen ist dieser Spielraum klein. Wer Angebote vergleicht, sollte deshalb nicht nur auf den Prozessor oder den beworbenen Ab-Preis schauen, sondern auch auf Arbeitsspeicher, Speicherkapazität und Display. Qualcomm will mit Snapdragon C niedrigere Laptop-Preisklassen erreichen. Ein berichtetes Ziel von 300 US-Dollar ist aber kein zugesicherter Endpreis für ein fertiges Gerät.
4
9
Der Kostendruck betrifft auch Smartphones: In Indien haben laut Berichten mehrere Marken die Preise einzelner Modelle erhöht, allerdings unterschiedlich stark.
12 In den USA starteten das iPhone 18 Pro und das Pro Max jeweils 100 US-Dollar über dem Einstiegspreis ihrer Vorgänger. Speicher ist ein wichtiger Kostenfaktor; der gesamte Aufschlag lässt sich aber nicht allein diesem Bauteil zuschreiben.
38
43
Warum KI-Nachfrage gewöhnlichen Speicher verknappt
Für KI-Systeme benötigter Hochleistungsspeicher, kurz HBM, und andere margenstarke Produkte beanspruchen Kapazitäten und Investitionen, die sonst auch dem Angebot an herkömmlichem Speicher zugutekommen könnten. Laut TrendForce bevorzugen große Anbieter unter anderem HBM und fortschrittlichen 3D-NAND. Das Marktforschungsunternehmen erwartet, dass die Nachfrage nach konventionellem DRAM 2027 stärker wächst als das Angebot. DRAM dient in Laptops und Smartphones als Arbeitsspeicher, NAND als Datenspeicher – der Kostendruck kann also mehrere Komponenten zugleich treffen.
62
56
33
Auch andere Speicherarten werden teurer. Hochkapazitives NOR-Flash verteuerte sich nach Berichten über TrendForce-Daten im ersten Halbjahr 2026 schätzungsweise um 100 bis 120 Prozent. Für das zweite Halbjahr prognostiziert TrendForce einen weiteren Anstieg von 90 bis 110 Prozent bei hochkapazitivem NOR-Flash. Das sind Preise für Chips, keine Prognosen für komplette Laptops oder Smartphones. Zudem entwickeln sich die Preise je nach NOR-Produkt unterschiedlich.
50
53
Wann sich die Lage entspannt, ist offen. TrendForce rechnet 2027 weiter mit knappem DRAM; ein Bericht unter Berufung auf einen Micron-Manager legt nahe, dass nennenswerte neue Produktionsmengen womöglich erst 2028 verfügbar werden. Der Acer-Chef widerspricht dagegen der Vorstellung, der Engpass müsse bis 2030 dauern. Keine dieser Einschätzungen liefert einen sicheren Endtermin.
56
64
1
Warum US-Zölle das Problem zunächst verschärfen könnten
Nach Angaben des Wall Street Journal bereitet die Trump-Regierung Zölle auf importierte Speicherchips vor, um Investitionen in den USA anzuregen. Weil dort bislang nur begrenzte Produktionskapazitäten bestehen, könnten Zölle jedoch zunächst die Kosten für Unternehmen erhöhen, die Chips aus asiatischen Fabriken beziehen. Die endgültigen Regeln und mögliche Folgen für Ladenpreise sind noch ungewiss.
49
Für Käufer bleibt damit die entscheidende Frage: Bietet ein neues Gerät für sein Geld noch die erwartete Menge an Arbeitsspeicher und Speicherplatz – und das gewünschte Display? Ein preiswerterer Prozessor allein gleicht höhere Speicherkosten nicht aus.
2
9