Die Auswirkungen gehen weit über Rohöl hinaus. Die Aussetzung katarischer LNG-Lieferungen hat Europa eine zweite große Energiekrise innerhalb weniger Jahre beschert. Die Europäische Zentralbank verschob daraufhin geplante Zinssenkungen, und das Vereinigte Königreich verzeichnete die stärkste Wachstumsrückstufung aller G7-Staaten . Die Analysten von S&P Global merken an, dass ein kurzer Schock beherrschbar wäre – eine Eskalation aber, die kritische Energieinfrastruktur am Golf beschädigt, das globale Energiesystem fundamental verändern könnte
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Der Automobilsektor ist gegenüber Störungen in dieser Region einzigartig verwundbar. Jenseits der Energie ist die Golfregion eine zentrale Quelle für Aluminium und petrochemische Komponenten. Bereits Ende März warnten europäische und japanische Hersteller vor drohenden Unterbrechungen der Aluminium-Lieferketten. In der Branche wuchs die Sorge, vorhandene Lagerbestände könnten rasch aufgebraucht sein. Panikkäufe ließen den Aluminiumpreis um 30 bis 40 % über das Vorkriegsniveau steigen .
Die konkreten Produktionsfolgen sind messbar. Das Research-Institut CRU Group senkte seine globale Prognose für die Produktion leichter Fahrzeuge um mehr als 600.000 Einheiten – mit dem größten Abschlag für den Nahen Osten, aber wellenförmigen Effekten rund um den Globus . Im Iran selbst wurde die Produktionsprognose um rund 390.000 Fahrzeuge gekürzt, ein Einbruch um 30 % im Vergleich zum Vorjahr, nachdem heimische Großhersteller wie Iran Khodro und SAIPA den Betrieb eingestellt haben
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Der Kostendruck bewegt sich unerbittlich stromabwärts. Als wichtiger Lieferant von Lacken, Kunststoffen und chemischen Zwischenprodukten begann BASF bereits im März damit, Preise um bis zu 30 % anzuheben. Offiziell begründet wird dies mit den „erheblichen Steigerungen bei Rohstoff-, Energie- und Logistikkosten“ infolge des Nahost-Konflikts . Betroffen ist alles – von Autolacken bis zu Industriereinigern. Die Automobilhersteller selbst, wie etwa BMW, reichen diesen Kostenschub an die Endverbraucher weiter.
Für multinationale Konzerne ist der Konflikt eine Krise der Kosten und Komplexität. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Vereinigten Königreich ist es eine existenzielle Bedrohung. Eine im Juni 2026 veröffentlichte Umfrage des Finanzdienstleisters Bibby Financial Services ergab, dass 70 % der international tätigen britischen KMU befürchten, bei anhaltender Krise in die Insolvenz getrieben zu werden. Die Befragten meldeten seit Krisenbeginn durchschnittliche Verluste von 38.207 Pfund pro Betrieb . Knapp die Hälfte aller KMU sieht in globalen Konflikten mittlerweile die größte wirtschaftliche Herausforderung – ein sprunghafter Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren
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Die Notlage schlägt sich längst in harten Zahlen nieder. Bereits im Februar, bevor der Konflikt voll durchschlug, stieg die Zahl der Unternehmensverwaltungen in Großbritannien im Jahresvergleich um 30 % . Im März legten die Gesamtinsolvenzen im Monatsvergleich um weitere 7 % auf 2.022 Fälle zu, wobei die Eröffnungsverfahren um 52 % sprunghaft anstiegen
. Restrukturierungsexperten der Beratungsfirma Azets bezeichnen den Krieg als „den letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“ für viele Firmen, die sich bislang gerade so über Wasser gehalten haben. Steigende Kosten haben die Margen zerstört und den Zugang zu bezahlbarer Finanzierung erschwert
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Die Belastung ist kein Randphänomen. Der Barclays Business Prosperity Index zeigt, dass 80 % aller britischen Firmen negative Auswirkungen des Nahost-Konflikts spüren. 64 % nennen Energie- und Kraftstoffkosten, ein Drittel hat direkt mit Lieferkettenstörungen zu kämpfen . Jeder fünfte Betrieb legte Investitionspläne komplett auf Eis
. Eine Analyse der Wirtschaftsauskunftei Begbies Traynor Group zeichnet ein noch düstereres Bild: Die Zahl der britischen Unternehmen in „kritischer finanzieller Schieflage“ schnellte im ersten Quartal 2026 um mehr als ein Drittel in die Höhe
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Im Interview mit dem Magazin Focus sprach Kamieth Klartext: „Wir gehen davon aus, dass die Krise, die sich seit Ende Februar im Mittleren Osten abzeichnet und durch den USA-Iran-Krieg verschärft wurde, noch eine ganze Weile andauern wird. Das wird das gesamte Jahr 2026 prägen“ . Er warnte zudem davor, dass die Ölreserven nun zur Neige gehen. Ohne eine baldige Wiedereröffnung der Straße von Hormus drohe in der zweiten Jahreshälfte ein neuer Preisschock sowohl bei Rohöl als auch bei raffinierten Produkten
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Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts wirken wie ein Brandbeschleuniger. Auf den ersten Energieschock folgte die Rohstoffverknappung, die nun in Produktionsstopps, Preissprüngen und einer Pleitewelle mündet. Der angesehene EY Item Club warnt, das Vereinigte Königreich könne an den Rand einer Rezession geraten, die Arbeitslosigkeit werde auf 5,8 % steigen . Die Zahl der Gewinnwarnungen börsennotierter britischer Unternehmen, die mit geopolitischen Risiken begründet wurden, stieg im ersten Quartal im Jahresvergleich um 15 %
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Der Krieg im Nahen Osten ist für die Weltwirtschaft kein fernes, geopolitisches Problem mehr. Er ist die zentrale ökonomische Tatsache des Jahres 2026. Die Kosten tragen Fabrikarbeiter am Band, kleine Bauunternehmer in Manchester und Verbraucher, die ihren Tank füllen oder ein neues Auto bestellen. Die Frage ist längst nicht mehr, ob dieser Konflikt die Lieferketten umgestalten wird – sondern wie lange die Weltbevölkerung den Schock noch verkraften kann.