Auch die Lieferzeiten für fortschrittliche Speicherbausteine verlängerten sich auf 40 bis 58 Wochen . Nach Schätzungen könnten KI-Rechenzentren 2026 rund 70 Prozent des hochwertigen DRAM abnehmen. Damit hat sich das frühere Verhältnis umgekehrt: Nicht mehr Verbrauchergeräte erhalten den größten Teil der verfügbaren Kapazität, sondern KI-Infrastruktur .
Der Engpass ist längst nicht mehr nur in Preislisten zu sehen. Er erreicht die technischen Daten fertiger Geräte.
Ein besonders anschauliches Beispiel ist der Mini-PC AOOSTAR NEX395. Das System war ursprünglich mit 128 GB LPDDR5X-Arbeitsspeicher und einer 2-TB-SSD angekündigt worden. Bei der Neuauflage im August 2026 sind es nur noch 64 GB RAM und 1 TB SSD-Speicher .
Der Prozessor – AMDs Ryzen AI Max+ 395 – und die übrige Plattform bleiben unverändert . Die abgespeckte Konfiguration kostet laut den vorliegenden Angaben etwa 1.922 bis 2.000 US-Dollar . Mehrere Fachmedien ordnen die Halbierung der Ausstattung als Folge des angespannten Speichermarkts ein . Eine ausdrückliche Begründung von AOOSTAR für die Änderung wurde allerdings nicht veröffentlicht.
Für Käufer ist das besonders relevant, weil der Arbeitsspeicher des NEX395 fest verbaut ist. Die ursprünglich beworbene Kapazität ließ sich daher nicht einfach später durch ein größeres RAM-Kit nachrüsten. Marktbeobachter rechnen damit, dass sich die Auswirkungen auf Notebook- und Gaming-Hardwarepreise bis weit in das Jahr 2027 hineinziehen .
Der bislang größte Gewinner der Knappheit ist ChangXin Memory Technologies (CXMT), Chinas größter DRAM-Hersteller.
Nach Angaben von Counterpoint Research kam CXMT im zweiten Quartal 2026 auf rund 7 Prozent des weltweiten DRAM-Umsatzes. Ein Jahr zuvor waren es etwa 4 Prozent . Nach ausgelieferten Datenmengen lag der Anteil bereits 2025 je nach Berechnung bei 9 bis 11 Prozent; Nomura hält bis Ende 2028 rund 18 Prozent für möglich .
Damit ist CXMT inzwischen der weltweit viertgrößte DRAM-Anbieter – hinter Samsung mit rund 39 Prozent, SK hynix mit etwa 26 Prozent und Micron mit ungefähr 25 Prozent .
Das Umsatzwachstum ist noch auffälliger: Im zweiten Quartal 2026 legte CXMT gegenüber dem Vorjahr um 716 Prozent zu . Der Umsatz im ersten Halbjahr soll 110 bis 120 Milliarden Yuan betragen haben, also ungefähr 15 bis 17 Milliarden US-Dollar – beinahe doppelt so viel wie der Gesamtjahresumsatz 2025 .
Die Knappheit verändert auch die Lieferketten westlicher PC-Marken. HP, Asus und Acer verwenden laut Berichten seit Mitte 2026 begrenzte Mengen von CXMT-Speicher in ausgewählten Einstiegs-Notebooks, die außerhalb der USA verkauft werden. Die Bauteile waren zuvor qualifiziert worden .
Apple soll CXMT-Speicher außerdem für Geräte getestet haben, die in China verkauft werden . Das bedeutet nicht, dass CXMT die etablierten Anbieter bereits ersetzt. Es zeigt aber, dass der Hersteller in einer angespannten Marktsituation Zugang zu Kunden gewinnt, die bislang vor allem auf Samsung, SK hynix und Micron angewiesen waren.
Der Börsengang von CXMT am Shanghaier STAR Market im Juli 2026 bewertete das Unternehmen mit rund 85 Milliarden US-Dollar .
CXMT will sich nicht auf konventionellen DRAM beschränken. Das Unternehmen strebt nach eigenen Angaben bis 2030 einen globalen DRAM-Marktanteil von 30 Prozent an. Die monatliche Fertigungskapazität soll bis dahin auf 600.000 Wafer steigen .
Beim Einstieg in HBM ist das Bild weniger eindeutig:
Selbst bei einem erfolgreichen Start läge CXMT damit technologisch zunächst hinter den führenden Anbietern zurück. Für die aktuelle Versorgungslage ist zudem entscheidend, dass zusätzliche Kapazitäten nicht automatisch zu mehr HBM führen – und umgekehrt mehr konventioneller DRAM die Preise für Verbrauchergeräte nicht sofort entspannen lässt.
| Hersteller | DRAM-Umsatzanteil im 2. Quartal 2026 | Anteil ein Jahr zuvor |
|---|---|---|
| Samsung | ca. 39 % | 33 % |
| SK hynix | ca. 26 % | 39 % |
| Micron | ca. 25 % | 22 % |
| CXMT | ca. 7 % | 4 % |
Quellen: Counterpoint Research, zitiert in
Besonders auffällig ist der Rückgang von SK hynix: Der Anteil fiel im Jahresvergleich von etwa 39 auf 26 Prozent. Ein wesentlicher Faktor ist die Verlagerung von Kapazitäten auf HBM für KI-Server. Dadurch mussten einige Großkunden auf andere Lieferanten ausweichen – darunter auch CXMT .
Samsung, SK hynix und Micron kommen zusammen weiterhin auf mehr als 90 Prozent des Marktes. CXMT füllt jedoch zunehmend die Lücke, die die drei etablierten Anbieter in der aktuellen Hochphase nicht schließen können .
Für PC-Käufer ist der kurzfristige Ausblick ernüchternd. Mehrere Quellen, darunter TweakTown, Fortune und BIS Infrastructure, zitieren Analysten, die vor 2028 keine vollständige Normalisierung des Marktes erwarten .
Dafür gibt es mehrere strukturelle Gründe:
Die RAMpocalypse 2026 ist keine gewöhnliche kurzfristige Preisschwankung. Sie ist das Ergebnis einer strukturellen Neuverteilung der globalen Fertigungskapazitäten zugunsten von KI-Systemen.
Für Verbraucher bedeutet das voraussichtlich weiterhin teurere Speicher-Upgrades, weniger großzügig ausgestattete Notebooks und eine kleinere Auswahl an Geräten mit viel RAM. Wer einen PC kaufen oder den Arbeitsspeicher aufrüsten möchte, sollte daher in den kommenden 12 bis 18 Monaten nicht mit dauerhaft niedrigen Preisen rechnen.
Der wichtigste strategische Wandel spielt sich jedoch in der Industrie ab: Während die drei großen Anbieter mehr Kapazität für KI-Speicher reservieren, steigt CXMT vom chinesischen Herausforderer zu einer ernstzunehmenden vierten Kraft im weltweiten DRAM-Markt auf. Ob das langfristig für mehr Wettbewerb sorgt, hängt davon ab, ob CXMT seine Fertigung tatsächlich hochskalieren und beim anspruchsvollen HBM technologisch aufholen kann.