Nokias Rolle: Das Unternehmen liefert die optische Netzwerktechnik, das IP-Routing und die 5G-RAN-Infrastruktur, die das KI-Fabric verbindet . Parallel dazu unterzeichneten Nokia und Indosat einen landesweiten kommerziellen Vertrag zur Einführung einer KI-RAN-Architektur, mit Feldversuchen bis Ende 2026 und einem breiten Ausbau ab 2027 . Nokia rollt Low- und Mid-Band-5G über das gesamte Indosat-Netz aus und ermöglicht so KI-Inferenz am Netzwerkrand – in Zusammenarbeit mit NVIDIA .
Im Juli 2026 unterzeichnete Nokia einen 5G-Erweiterungsvertrag mit Taiwan Mobile – das größte und technisch anspruchsvollste Upgrade der Partnerschaft seit 2020 . Der Deal bettet KI-Inferenz direkt in das Funkzugangsnetz (RAN) ein, und zwar über Nokias AirScale-Portfolio und vier verschiedene KI-Anwendungen: Netzwerkintelligenz, Energiemanagement, Automatisierung und Resilienz .
Was im März 2025 als Absichtserklärung begann, ist nun ein kommerzieller Ausbau im gesamten Netz . Statt nur Hardware-Kapazität zu erweitern, setzt Nokia KI-gesteuerte Software ein, die das Netzwerk automatisch justiert, heilt und mit Energie versorgt . Taiwan wird so zum Testgelände für KI-native Mobilfunkinfrastruktur .
Die wichtigsten Kennzahlen sind beeindruckend. Nokias KI- und Cloud-Aufträge stiegen von 1 Milliarde Euro im ersten Quartal 2026 auf 2,8 Milliarden Euro im zweiten Quartal 2026, wobei sich die Umsätze im Segment KI & Cloud im Jahresvergleich mehr als verdoppelten . Das Wall Street Journal berichtete, Nokia habe sich vom Handyhersteller zum Anbieter von „entscheidender Infrastruktur in Rechenzentren gewandelt, die den KI-Boom unterstützt“ .
Insider kauften Aktien. CEO Justin Hotard, Chief Development Officer Konstanty Owczarek und Führungskräfte wie Victoria Hanrahan und Kristen Pressner tätigten in diesem Jahr alle Käufe an der Börse . Allein am 24. Juli kauften drei Insider zusammen 165.293 Wertpapiere . Die Bank of America hob das Kursziel für Nokia auf 18,50 US-Dollar und behielt ein Buy-Rating bei, während JPMorgan ein Overweight-Rating und ein Kursziel von 18,00 Euro bekräftigte . SEB Equities stufte Nokia auf Buy mit einem Ziel von 12 Euro hoch .
Trotz dieser Signale halten mehrere konkrete Bedenken viele Anleger zurück.
Der freie Cashflow bleibt negativ. Im zweiten Quartal 2026 erreichten die KI- und Cloud-Aufträge das 6,3-fache des Quartalsumsatzes von Nokia, doch der freie Cashflow war immer noch negativ. Das wirft Fragen auf, wie der Auftragsbestand finanziert und wie profitabel er letztlich sein wird .
Das traditionelle Telekomgeschäft schwächelt. Die Anleger wägen Nokias KI-Ambitionen gegen ein nachlassendes Kerngeschäft, operative Risiken und eine ausbleibende kurzfristige Gewinnbeschleunigung ab . Die Aktie fiel nach dem KI-RAN-Start und den Q2-Zahlen um rund 7 Prozent, da der Markt den kurzfristigen Margendruck stärker gewichtete als das Auftragsvolumen .
Die Aktie ist bereits um 440 Prozent in einem Jahr gestiegen. Nach einem so dramatischen Lauf – die Aktie erreichte ein 16-Jahres-Hoch – sind viele institutionelle Anleger skeptisch, ob die KI-Geschichte schnell genug konstante Gewinnsteigerungen liefern kann, um die Bewertung zu rechtfertigen . Analysten von BofA und JPMorgan stellten explizit klar, dass ihre Kaufempfehlungen auf dem KI-Auftragsbuch beruhen – „trotz nur bescheidener kurzfristiger Prognosen“ .
Die Insiderkäufe sind im Verhältnis zur Marktkapitalisierung gering. Die Käufe von Führungskräften sind zwar richtungstechnisch bullish, doch die absoluten Beträge – Zehntausende von Aktien, nicht Millionen – sind für ein Unternehmen mit einer Milliarden-Marktkapitalisierung bescheiden .
Nokia gewinnt in Asien große KI-Infrastruktur-Aufträge, die das Unternehmen mittelfristig gut positionieren. Die Zankore-Plattform und der Taiwan-Mobile-Deal sind reale, mehrjährige Verpflichtungen großer Partner. Die Auftragspipeline wächst rasant. Aber der Markt will sehen, dass sich diese Aufträge in einen positiven freien Cashflow und ein spürbares Gewinnwachstum pro Aktie verwandeln, bevor er die Transformation vollständig einpreist.
Nokia bleibt vorerst eine Geschichte von zwei Hälften: Ein Unternehmen, das vor Ort eine glaubwürdige KI-Wende vollzieht, aber immer noch auf Versprechen statt auf Gewinne handelt.