Gerade für die Luftfahrt ist dieser Ansatz relevant: Viele Emissionen lassen sich nicht vollständig durch Effizienzmaßnahmen oder alternative Treibstoffe eliminieren. Dauerhafte CO₂‑Entnahme gilt deshalb als möglicher Baustein, um verbleibende Emissionen langfristig auszugleichen.
Der Vertrag wird durch Senken, einen Portfolio‑Manager für CO₂‑Entnahmeprojekte, strukturiert.
Senken bündelt Projekte aus verschiedenen Technologien und Regionen, sodass Unternehmen nicht nur auf eine einzelne Methode setzen. Für Lufthansa umfasst das Portfolio drei Ansätze auf drei Kontinenten:
Die Projekte werden mit Senkens „Sustainability Integrity Index“ bewertet, der mehr als 600 Datenpunkte analysiert – darunter Dauerhaftigkeit der Speicherung, Verifizierbarkeit, Skalierbarkeit und ökologische Zusatznutzen.
Durch diese Diversifizierung soll sichergestellt werden, dass ein Teil der Investitionen auf besonders langlebige Methoden wie Direct Air Capture entfällt.
Die Credits stammen aus Deep Sky Alpha, einer Carbon‑Removal‑Anlage in Innisfail in der Provinz Alberta.
Direct‑Air‑Capture‑Systeme arbeiten mit großen Ventilatoren und chemischen Filtern, die CO₂ direkt aus der Umgebungsluft herausziehen. Anschließend wird das Gas von anderen Luftbestandteilen getrennt, gereinigt und komprimiert.
Der Prozess läuft in mehreren Schritten ab:
Die Anlage nutzt Solarenergie, um den Energiebedarf der CO₂‑Entnahme möglichst emissionsarm zu decken.
Ein Besonderheit von Deep Sky Alpha: Der Standort dient als Plattform für mehrere unterschiedliche DAC‑Technologien, die gemeinsam Infrastruktur für Energieversorgung und Speicherung nutzen.
Direct Air Capture befindet sich noch in einer frühen kommerziellen Phase. Entsprechend sind die aktuellen Mengen relativ klein.
Deep Sky Alpha ist zugleich als Test‑ und Kommerzialisierungszentrum konzipiert. Mit zusätzlichen Technologien und Modulen könnte die Kapazität künftig deutlich steigen.
Für die Luftfahrt ist der Weg zu Netto‑Null besonders komplex.
Mehrere strukturelle Faktoren erschweren eine vollständige Dekarbonisierung:
Technologien wie Direct Air Capture können diese verbleibenden Emissionen ausgleichen, indem sie CO₂ physisch aus der Atmosphäre entfernen und dauerhaft speichern. Das unterscheidet sie von vielen klassischen Offsets, die häufig nur Emissionen an anderer Stelle vermeiden.
Trotz wachsender Aufmerksamkeit steht Direct Air Capture noch vor erheblichen Herausforderungen.
Hohe Kosten sind das größte Problem. Analysen schätzen, dass frühe DAC‑Projekte häufig zwischen etwa 400 und 500 US‑Dollar pro Tonne CO₂ kosten. Andere Marktanalysen nennen durchschnittliche Preise von rund 490 US‑Dollar pro Tonne für zukünftige Lieferverträge.
Hinzu kommt ein zweites Problem: Finanzierungssicherheit.
Der Bau solcher Anlagen erfordert große Anfangsinvestitionen. Entwickler brauchen daher langfristige Käufer, bevor sie Projekte finanzieren können. Deshalb spielen mehrjährige Abnahmeverträge („Offtake Agreements“) mit Unternehmen eine zentrale Rolle beim Aufbau der Branche.
Der Deal zwischen Lufthansa und Deep Sky erfüllt genau diese Funktion: Er hilft einer Airline, verbleibende Emissionen zu adressieren – und unterstützt gleichzeitig den Aufbau neuer CO₂‑Entnahme‑Infrastruktur.
Die Partnerschaft zwischen Lufthansa, Senken und Deep Sky zeigt, wie sich die Klimastrategien von Airlines verändern.
Effizienzsteigerungen, Flottenerneuerung und nachhaltige Flugkraftstoffe bleiben zentrale Instrumente. Doch mit Blick auf langfristige Klimaziele wird dauerhafte CO₂‑Entnahme zunehmend als ergänzendes Werkzeug betrachtet, um Emissionen zu adressieren, die sich technologisch noch nicht vermeiden lassen.
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