Kraken ist die bekannteste Marke von Payward, aber die Muttergesellschaft will mehr sein als eine Kryptobörse. Mit der Strategie „One Ledger“ sollen Handel, Bankdienste, Vermögensverwaltung und Angebote für andere Unternehmen auf gemeinsamer Infrastruktur zusammenlaufen. Übernahmen sollen neue Fähigkeiten erschließen, Partnerschaften Payward mit etablierten Marktteilnehmern verbinden und Payward Services Teile der Infrastruktur für Geschäftskunden zugänglich machen.
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Das ist zunächst ein strategisches Ziel – kein Beleg dafür, dass alle Produkte und übernommenen Unternehmen bereits reibungslos zusammenspielen. Die bisherigen Geschäfte und Partnerschaften zeigen den Ausbau. Ob daraus eine geschlossene und rentable Plattform entsteht, ist noch offen.
Was hinter „One Ledger“ steckt
Payward will nach eigener Darstellung nicht bloß verschiedene Unternehmen unter einem Dach versammeln. Co-CEO Arjun Sethi beschreibt das Modell als eine Plattform mit gemeinsamer Bilanz und einem einheitlichen regulatorischen Rahmen. Im Zentrum stehe ein einziges Ledger – also ein gemeinsames Hauptbuch, das die verschiedenen Dienste verbinden soll.
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Praktisch geht es darum, Angebote miteinander zu verknüpfen, die sonst in getrennten Unternehmen oder technischen Systemen laufen könnten. Für Nutzer und Geschäftskunden wäre entscheidend, ob diese Verbindung im Alltag tatsächlich funktioniert – nicht nur, ob die einzelnen Bausteine zum Konzern gehören.
Übernahmen bringen Futures und Derivate ins Haus
Für 1,5 Milliarden US-Dollar kaufte Payward NinjaTrader und baute damit ein US-Geschäft für den Futureshandel auf. Die Übernahme von Bitnomial für 550 Millionen US-Dollar brachte Infrastruktur für den Derivatehandel, das Clearing und die Vermittlung von Termingeschäften hinzu. Zusammen erweitern die Käufe Paywards Angebot über den klassischen Kryptohandel hinaus. Die Fähigkeiten sollen auch für Produkte von Kraken, NinjaTrader und Payward Services nutzbar sein.
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Bankpläne und Börsenpartnerschaften
Payward bereitet die Übernahme einer europäischen Bank vor. Welches Institut gemeint ist, wurde bislang nicht bekanntgegeben. Solange der Kauf nicht abgeschlossen ist, bleibt der Schritt ein Vorhaben und keine bereits gesicherte Erweiterung der Bankkapazitäten.
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Auch bei Aktienmärkten knüpft Payward Kontakte: Nasdaq hat eine Investition von 100 Millionen US-Dollar vereinbart; beide Seiten treiben ihre Arbeit an tokenisierten Aktien voran. Die London Stock Exchange Group wiederum plant tokenisierte britische Aktien und will mit Payward neue Möglichkeiten für den Aktienhandel ausloten. Das sind getrennte Initiativen, keine gemeinsame Produkteinführung.
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Payward Services: Infrastruktur für andere Unternehmen
Mit Payward Services bietet das Unternehmen Geschäftskunden über Programmierschnittstellen (APIs) Zugang zu Funktionen wie Handel, Verwahrung, Abwicklung und Zahlungsinfrastruktur. Damit soll Payward nicht nur eigene Produkte für Kraken-Kunden betreiben, sondern auch Finanzinfrastruktur für andere Unternehmen bereitstellen.
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Der Unterschied ist wichtig: Eine Börse bedient Händler direkt; ein Infrastrukturanbieter kann Teile seiner Technik und Dienstleistungen anderen Firmen zur Verfügung stellen. Payward versucht, beide Rollen einzunehmen. Die vorliegenden Zahlen zeigen allerdings nicht, welcher Anteil des Geschäfts bereits von externen Infrastrukturkunden stammt.
Was die Zahlen aus dem zweiten Quartal 2026 zeigen
Für das zweite Quartal 2026 meldete Payward 6,6 Millionen finanzierte Konten, 40 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten auf der Plattform und 508 Millionen US-Dollar bereinigten Umsatz. Der bereinigte Umsatz lag 17 Prozent über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig sank das gesamte Transaktionsvolumen der Plattform um 13 Prozent auf 310 Milliarden US-Dollar. Einnahmen aus Vermögenswerten und sonstigen Quellen machten 60 Prozent des Gesamtumsatzes aus.
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Das spricht dafür, dass Payward auch jenseits einzelner Handelsgeschäfte Umsätze erzielt – selbst bei rückläufigem Handelsvolumen. Wichtig ist die genaue Bezeichnung: Die 40 Milliarden US-Dollar sind Vermögenswerte auf der Plattform, nicht verwahrte Vermögenswerte. Diese Kennzahlen sind nicht austauschbar.
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IPO frühestens 2027 – und was der Vergleich mit Coinbase hergibt
Medienberichten zufolge wurde Paywards geplanter Börsengang auf das zweite Quartal 2027 oder später verschoben. Das ist ein berichteter Zeitplan, keine Zusage, dass der Börsengang dann tatsächlich stattfindet. Im Zusammenhang mit Nasdaqs Investition wurde eine Bewertung von 21 Milliarden US-Dollar genannt. Eine Bewertung am privaten Markt legt das Ergebnis eines künftigen Börsengangs jedoch nicht fest.
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Der Vergleich mit Coinbase lässt sich anhand der verfügbaren Informationen nur begrenzt ziehen. Paywards hier beschriebene Schritte konzentrieren sich darauf, Fähigkeiten für Futures und Derivate zuzukaufen und Dienste unter dem „One Ledger“-Ansatz zusammenzuführen. Als Beispiel für Coinbase wird eine Partnerschaft mit Moov genannt, die Stablecoin-Zahlungen, Verwahrung, Abwicklung und Echtzeit-Finanzierung umfasst. Das zeigt unterschiedliche Initiativen, reicht aber nicht aus, um den beiden Unternehmen jeweils eine vollständig eigenständige oder umfassende Strategie zuzuschreiben.
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Paywards Größe und wachsendes Dienstleistungsangebot gehen über eine bloße Neupositionierung von Kraken hinaus. Entscheidend wird nun die Umsetzung: Können Übernahmen, Bankpläne, Börsenpartnerschaften und Services für Geschäftskunden zu einer dauerhaft tragfähigen Plattform zusammenwachsen?