2. Kunden brauchen Hilfe bei der eigenen KI‑Transformation
Unternehmen suchen zunehmend Unterstützung bei der Integration von KI in Finanzsysteme, Risiko‑Management, Betriebsprozesse oder Unternehmenssoftware. Dadurch konkurrieren die Big Four immer stärker mit Technologie‑Beratungen und IT‑Dienstleistern – und benötigen entsprechend mehr KI‑Ingenieure und Produktspezialisten.
3. KI ist Teil der täglichen Arbeit geworden
Seit 2025 nutzen Mitarbeitende in Audit, Steuerberatung und Consulting routinemäßig generative KI‑Assistenten und autonome Agentensysteme, um Analysen zu beschleunigen oder Aufgaben zu automatisieren.
Kurz gesagt: Das am schnellsten wachsende Geschäft der Branche ist nicht mehr reine Compliance‑Arbeit, sondern KI‑Transformation und Technologieberatung.
Der Personalwandel geht mit massiven Investitionen einher.
Ziel dieser Programme ist nicht nur Effizienzsteigerung im eigenen Haus. Die Firmen entwickeln auch neue KI‑basierte Produkte und Dienstleistungen, die sie Kunden anbieten können.
Eine besonders wichtige Entwicklung ist der Einsatz sogenannter agentischer KI – autonomer Systeme, die komplexe Aufgaben in mehreren Schritten ausführen können.
Beispiele aus der Branche:
Diese Systeme automatisieren etwa Dokumentenanalysen, Stichprobenprüfungen von Transaktionen, Anomalie‑Erkennung oder Compliance‑Checks – Tätigkeiten, die früher oft von Nachwuchsmitarbeitern erledigt wurden.
KI bedeutet nicht, dass Einsteigerjobs komplett verschwinden – aber ihre Inhalte verändern sich stark.
Traditionell erledigten Junior‑Mitarbeitende viele repetitive Aufgaben, zum Beispiel:
Viele dieser Tätigkeiten können KI‑Systeme heute schneller ausführen.
Deshalb haben einige Big‑Four‑Firmen ihre Graduate‑Programme verkleinert oder die Einstellung von Berufseinsteigern reduziert.
Die verbleibenden Einstiegsrollen entwickeln sich stärker in Richtung:
Der Fokus verschiebt sich also von „Arbeit selbst erledigen“ zu „Ergebnisse analysieren und beurteilen“.
Das Geschäftsmodell der großen Beratungs‑ und Prüfungsfirmen basierte jahrzehntelang auf einer Personalpyramide: Viele Junior‑Analysten erledigen abrechenbare Arbeit, während eine kleinere Zahl von Managern und Partnern sie steuert.
KI schwächt dieses Modell. Wenn Maschinen einen großen Teil der strukturierten Arbeit erledigen, werden Teams tendenziell kleiner und erfahrungsstärker.
Statt menschlicher Hebelwirkung entsteht zunehmend digitale Hebelwirkung – KI‑Tools und Agenten erhöhen die Produktivität erfahrener Experten.
Das könnte auch die Preisgestaltung verändern. Statt hauptsächlich nach Arbeitsstunden abzurechnen, könnten Beratungsfirmen künftig stärker anbieten:
Ironischerweise schafft KI gleichzeitig neue Geschäftsfelder für die Branche.
Unternehmen, die KI einsetzen, benötigen häufig unabhängige Prüfungen zu Themen wie:
Diese Bereiche passen gut zu den traditionellen Stärken der Big Four in Audit, Risikomanagement und Governance. Viele Branchenbeobachter erwarten deshalb, dass AI‑Assurance und KI‑Governance zu einem wichtigen Wachstumsmarkt werden.
Ein Problem bleibt jedoch bestehen. Die Big Four haben ihre zukünftigen Führungskräfte traditionell über große Einstellungsprogramme für Absolventen aufgebaut.
Wenn Automatisierung die Zahl der Einstiegsstellen stark reduziert, könnte das langfristig die Ausbildung künftiger Manager, Partner und Fachspezialisten erschweren.
Die erfolgreichsten Firmen werden vermutlich diejenigen sein, die einen Mittelweg finden: KI nutzen, um Routinearbeit zu eliminieren – und gleichzeitig jungen Mitarbeitenden genügend echte Projekterfahrung geben, um professionelle Urteilsfähigkeit zu entwickeln.
Fest steht bereits jetzt: Die Big Four sind nicht mehr nur Wirtschaftsprüfungs‑ und Beratungsfirmen. Sie entwickeln sich zunehmend zu KI‑getriebenen Technologie‑ und Assurance‑Unternehmen.
Comments
0 comments