Eine Serie gemeldeter Drohnenangriffe auf Handelsschiffe nahe Rumänien und Bulgarien hat Forderungen nach stärkerer Luftabwehr und engerer Zusammenarbeit am Schwarzen Meer ausgelöst. Bulgarien bat die NATO um Flugzeuge und Fähigkeiten zur Drohnenabwehr. Rumänien meldete, am 17. Oktober zwei Drohnen nahe Sulina abgeschossen zu haben, und schlug ein gemeinsames regionales Kommando vor. Wie viele Schiffe genau getroffen wurden und wie viele Seeleute vermisst werden, ist in den Berichten nicht einheitlich angegeben. Manche Reaktionen sind bislang Vorschläge oder Erwartungen, keine bereits umgesetzten Maßnahmen.
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Was bisher bekannt ist: der zeitliche Ablauf
- 5. und 6. Oktober: Ein Bericht zur maritimen Sicherheit schilderte Angriffe mit Luft- und Überwasserdrohnen auf drei Handelsschiffe in den ausschließlichen Wirtschaftszonen Rumäniens und Bulgariens. Zwei Schiffe seien gesunken.
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- 13. Oktober: Bulgarien meldete, das Frachtschiff HS Dignity sei rund 17 Seemeilen östlich von Krapets gesunken. Die Chelsea 3 wurde nahe Byala getroffen; ihre 15 Besatzungsmitglieder wurden laut Berichten gerettet.
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- 14. Oktober: Der Tanker Yara J geriet etwa neun bis zehn Seemeilen vor Sulina in Brand. Rumänische Behörden untersuchten einen möglichen Drohnenangriff.
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- 15. Oktober: Der Chemikalientanker Wine Trader geriet nach einem gemeldeten Drohnenangriff rund 13 Seemeilen südöstlich von Sulina in Brand. Fünf Besatzungsmitglieder wurden gerettet, sieben galten als vermisst.
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- 17. Oktober: Rumänien teilte mit, seine F-16-Kampfjets hätten über den eigenen Hoheitsgewässern nahe Sulina zwei Drohnen abgeschossen. Ein Vorfallsbericht ordnete sie der jetgetriebenen Geran-Drohnenfamilie zu.
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Die Gesamtzahlen sind nicht abschließend geklärt. Ein Bericht spricht von mindestens sieben angegriffenen Schiffen, zwei Toten und mindestens 25 Vermissten; ein anderer nennt 28 Vermisste. Eine weitere Quelle zählt mindestens acht angegriffene Schiffe im Laufe des vorangegangenen Monats. Die Angaben beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume und lassen sich nicht zu einer einzigen bestätigten Bilanz zusammenführen.
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Bulgarien: Bitte um NATO-Unterstützung und Pläne gegen Drohnen
Am 16. Oktober bat Bulgarien die NATO um zusätzliche Fähigkeiten für die Region. Die Anfrage umfasste Flugzeuge, Flugabwehr-Raketensysteme, Drohnenabwehr und Seeaufklärungsflüge. Damals wartete Sofia noch auf eine Entscheidung, welche Unterstützung die Verbündeten bereitstellen könnten.
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Zwei Tage später sagte Verteidigungsminister Dimitar Stojanow, dass Flugzeuge von NATO-Partnern in Bulgarien erwartet würden. Das war eine Ankündigung möglicher Unterstützung – kein Beleg dafür, dass die Maschinen bereits vor Ort waren.
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Bulgarien verfolgt außerdem zwei getrennte Vorhaben zur Drohnenabwehr:
- Das Land sagte über den EU-Finanzierungsmechanismus SAFE 80 Millionen Euro für die Beschaffung von 20 Systemen – zehn mobilen und zehn stationären – im Rahmen der NATO-Initiative Drone Edge zu.
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- Zusätzlich plante Bulgarien, bis zum 30. Oktober einem separaten NATO-Projekt gegen Bedrohungen aus niedriger Flughöhe beizutreten. Dieser geplante Schritt ist nicht mit der Zusage für Drone Edge gleichzusetzen.
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Nach dem Untergang der HS Dignity bestellte Bulgarien außerdem den russischen Botschafter ein. Dieser diplomatische Schritt ist für sich genommen kein Beweis dafür, wer die Angriffe ausgeführt hat.
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Rumänien: Abschuss von Drohnen und Vorschlag für ein Kommando
Der von Rumänien gemeldete Abschuss am 17. Oktober war eine direkte militärische Reaktion auf Drohnen, die in den rumänischen Luftraum eingedrungen waren: F-16 schossen zwei davon über rumänischen Hoheitsgewässern nahe Sulina ab.
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55 Ein gesonderter Bericht erwähnt bereits für August einen rumänischen Abschuss nahe der Gasförderplattform Neptun Deep. Das war ein anderer Vorfall und gehört nicht zur Chronologie der Schiffsangriffe im Oktober.
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Bukarest drängte zugleich auf eine breitere Abstimmung. Auf rumänische Initiative war für den 20. Oktober ein Treffen des Nordatlantikrats zur Sicherheit am Schwarzen Meer angesetzt. Ein angesetztes Treffen ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einem bereits gefassten Beschluss.
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Außerdem schlug Rumänien ein gemeinsames NATO-Kommando für das Schwarze Meer vor, an dem die verbündeten Küstenstaaten der Region beteiligt wären. Bukarest bot an, die Struktur ab 2028 zu beherbergen. In den zitierten Berichten war das noch ein Vorschlag – keine von der NATO genehmigte Kommandostruktur.
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NATO-Abstimmung, Verantwortungsfrage und offene Punkte
Bulgarien, Rumänien und die Türkei brachten die Angriffe bei der NATO zur Sprache und forderten mehr Aufmerksamkeit sowie gemeinsame Unterstützung für die Sicherheit am Schwarzen Meer. NATO-Generalsekretär Mark Rutte erklärte, das Bündnis werde weiter eng mit seinen Verbündeten in der Region zusammenarbeiten und seine Abschreckungs- und Verteidigungshaltung bei Bedarf anpassen.
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Die Berichte stellen die Frage nach der Urheberschaft unterschiedlich dar. Eine NATO-Militärquelle sagte gegenüber MarineLink, die Drohnen hinter den Tankerbränden seien russischen Ursprungs. Rumäniens Präsident Nicușor Dan wollte zu diesem Zeitpunkt hingegen nicht sagen, ob Russland verantwortlich sei. Rumänien untersuchte außerdem den möglichen Angriff auf die Yara J.
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12 Aus den Berichten ergibt sich keine abschließende öffentliche Feststellung, die sämtliche Angriffe auf Schiffe umfasst.
Das für den 20. Oktober angesetzte Treffen des Nordatlantikrats ist für sich genommen kein Beleg dafür, dass die NATO Artikel 4 oder Artikel 5 aktiviert hat. Ein Bericht zufolge hatte Rumänien keine Konsultationen nach Artikel 4 beantragt; Artikel 5 sei damals nicht im Gespräch gewesen. Die vorliegenden Quellen klären nicht abschließend, wie die Bestimmungen zur kollektiven Verteidigung auf einzelne Vorfälle anzuwenden wären – insbesondere auf Ereignisse in einer ausschließlichen Wirtschaftszone.
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Auch zu den wirtschaftlichen Folgen liefern die hier zitierten Berichte keine belastbaren Zahlen: Sie beziffern weder Veränderungen bei den Versicherungskosten für Schiffe noch das Ausmaß möglicher Lieferunterbrechungen an bulgarischen Häfen. Solche Auswirkungen sollten daher nicht als bestätigt dargestellt werden.