Die Anordnungen können auch weitere Stationen der Verbreitungskette erreichen. Je nach Fall können sich Vorgaben etwa an Internetzugangsanbieter oder App-Vertriebsdienste richten. Für Betroffene entsteht damit eine Möglichkeit, die über das übliche Meldeverfahren einer Plattform hinausgeht. Andere rechtliche Schritte bleiben daneben möglich.
OSRA soll außerdem die Verantwortlichkeit von Tätern stärken. Die zugrunde liegenden Gesetzgebungsmaterialien sehen Verfahren vor, über die Betroffene unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen Informationen zur Identifizierung eines mutmaßlichen Täters erhalten können.
Der Online Criminal Harms Act (OCHA) verfolgt ein anderes Ziel. Er ist nicht in erster Linie ein von Betroffenen angestoßenes Mittel gegen jeden schädlichen Beitrag. Stattdessen ermöglicht er bestimmten Amtsträgern ein Eingreifen, wenn eine Online-Aktivität mit einer im Gesetz aufgeführten Straftat verbunden ist oder deren Vorbereitung dient.
Anordnungen können an Online-Dienste, andere Einrichtungen oder Einzelpersonen ergehen, wenn ein begründeter Verdacht besteht, dass eine Online-Aktivität der Begehung einer im Gesetz genannten Straftat dient. Erfasst sind unter anderem Delikte, die die nationale Sicherheit, das gesellschaftliche Zusammenleben oder die Sicherheit Einzelner betreffen.
Für Betrug und schädliche Cyberaktivitäten gilt eine niedrigere Eingriffsschwelle, weil sich diese Gefahren schnell und in großem Umfang entwickeln können. OCHA-Anordnungen können die Sichtbarkeit krimineller Aktivitäten für Nutzer begrenzen, die Herausgabe von Informationen verlangen, Konten einschränken oder den Zugang zu Online-Material sperren. Das Gesetz sieht zudem Möglichkeiten zur Zugangssperre und zur Entfernung von Apps vor.
OCHA eignet sich damit vor allem, um einen laufenden digitalen Vorgang zu unterbrechen – etwa ein Betrugsnetzwerk, eine kriminelle Website oder Inhalte, die eine Straftat erleichtern. Es ist weniger darauf ausgelegt, einen privaten Konflikt zwischen zwei Personen zu lösen.
Änderungen des Broadcasting Act geben der IMDA eine eigenständige Rolle bei der Entfernung und Sperrung von Inhalten. Die Behörde kann soziale Netzwerke anweisen, den Zugang von Nutzern in Singapur zu „egregious content“ zu deaktivieren – also zu besonders schwerwiegenden Inhalten. Dazu zählen unter anderem Material, das Selbstmord oder Selbstverletzung, körperliche oder sexuelle Gewalt oder Terrorismus befürwortet oder dazu anleitet, sowie Darstellungen sexueller Ausbeutung von Kindern. Ebenfalls erfasst sind Inhalte, die Risiken für die öffentliche Gesundheit darstellen oder voraussichtlich rassische oder religiöse Spannungen schüren.
Kommt ein Dienst einer solchen Anordnung nicht nach, kann die IMDA Internetzugangsanbieter anweisen, den Zugriff aus Singapur zu blockieren. In einem Fall im Zusammenhang mit Material zur sexuellen Ausbeutung von Kindern forderte die Behörde einen Dienst auf, eine Facebook-Seite und -Gruppe zu prüfen und zu entfernen. Zugleich sollten Internetanbieter eine damit verbundene Website sperren.
Ein Verstoß gegen eine Sperranordnung kann nach der zitierten gesetzlichen Bestimmung mit einer Geldstrafe von bis zu 20.000 Singapur-Dollar pro Tag oder angebrochenem Tag geahndet werden; insgesamt ist die Strafe auf 500.000 Singapur-Dollar begrenzt.
Der Unterschied zu OSRA ist entscheidend: Die OSC reagiert auf gemeldete, opferbezogene Online-Schäden. Die Befugnisse der IMDA nach dem Broadcasting Act zielen dagegen auf Inhalte, die aus Sicht der Aufsicht so gravierend sind, dass ein regulatorisches Eingreifen zum Schutz der Öffentlichkeit gerechtfertigt ist.
Der Code of Practice for Online Safety – Social Media Services gilt seit 2023 für bestimmte, von der IMDA benannte Dienste. Er konzentriert sich nicht nur auf einzelne Löschungen. Die betroffenen Plattformen müssen vielmehr technische und organisatorische Maßnahmen auf Systemebene einführen, um die Berührung der Nutzer mit schädlichen Inhalten zu verringern. Außerdem müssen sie wirksame und leicht nutzbare Meldewege anbieten sowie transparenter und rechenschaftspflichtiger werden.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Schutz von Kindern. Bestimmte soziale Netzwerke müssen Inhalte zur sexuellen Ausbeutung von Kindern und terroristische Inhalte proaktiv erkennen und schnell entfernen, bevor Nutzer mit ihnen in Kontakt kommen.
Zudem müssen die erfassten Dienste jährlich Berichte zur Online-Sicherheit einreichen, die veröffentlicht werden. Dadurch erhalten die IMDA und die Öffentlichkeit Einblick in Moderation, Meldeverfahren und Sicherheitsvorkehrungen der Plattformen. Der Schutz wird damit sichtbarer als durch einzelne Löschentscheidungen allein.
Der Code of Practice for Online Safety – App Distribution Services ist am 31. März 2025 in Kraft getreten. Damit reicht Singapurs vorbeugender Ansatz über soziale Netzwerke hinaus und erfasst auch bestimmte App-Stores.
Die betroffenen App-Vertriebsdienste müssen auf Systemebene das Risiko verringern, dass Nutzer über Apps schädlichen Inhalten ausgesetzt werden. Besonderes Augenmerk gilt Kindern. Der Kodex umfasst unter anderem Altersfreigaben, Kinderschutz, elterliche Kontrollmöglichkeiten, Meldeverfahren und Maßnahmen zur Altersprüfung.
Dadurch entsteht ein zweistufiges Schutzmodell für Kinder:
Das ist relevant, weil ein unsicheres digitales Erlebnis bereits vor der Kontoerstellung oder vor dem Aufruf eines einzelnen Beitrags beginnen kann.
Am einfachsten lässt sich der passende Weg anhand des Schadens und des gewünschten Ergebnisses bestimmen:
Diese Instrumente können parallel eingesetzt werden. Ein Betroffener von Missbrauch intimer Bilder kann beispielsweise bei der OSC eine Anordnung gegen die weitere Verbreitung beantragen, ein möglicherweise strafbares Verhalten den Behörden melden und gleichzeitig das Meldesystem der Plattform nutzen. Wenn das Material unter die Kategorien besonders schwerwiegender Inhalte fällt oder ein benannter Dienst seine allgemeinen Sicherheitsanforderungen nicht erfüllt, können zusätzlich die Befugnisse der IMDA relevant werden.
Die zentrale Verschiebung besteht darin, dass die Verantwortung nicht mehr allein bei den Betroffenen liegt, die schädliche Beiträge nachträglich melden müssen. Singapur verbindet inzwischen schnelleren individuellen Schutz mit staatlichen Befugnissen zur Unterbindung krimineller Aktivitäten und mit vorbeugenden Pflichten für Plattformen, die vorhersehbare Schäden möglichst verhindern sollen.