Wer KI-Software für unterschiedliche Prozessoren entwickeln will, stößt schnell auf eine praktische Frage: Wie viel Arbeit kostet der Wechsel der Hardware? Genau dort setzt Qualcomm mit der Übernahme von Modular an. Der Konzern will Nvidias CUDA-Ökosystem nicht durch einen einzelnen Konkurrenzchip verdrängen, sondern die Abhängigkeit von dessen Software verringern. Reuters bewertete die Transaktion bei ihrer Ankündigung im Juni 2026 mit rund 3,92 Milliarden US-Dollar; im Juli meldete Qualcomm den Abschluss.
1
8
Ein Softwarepaket für verschiedene Chips
Modular-Mitgründer Chris Lattner leitet nun Qualcomms Bereich für fortgeschrittene KI-Software und Plattformen. Die drei Produkte von Modular sollen ihre Namen behalten: Mojo ist eine an Python angelehnte Programmiersprache, MAX dient zum Ausführen und Optimieren von KI-Modellen, Modular Cloud bietet KI-Inferenz als Dienst an – also das Ausführen bereits trainierter Modelle. Zusammen sollen sie den Weg vom Programmcode bis zum Einsatz eines Modells abdecken, ohne den gesamten Ablauf an einen Chiphersteller zu binden.
8
9
32
33
Ein Teil dieses Offenheitsversprechens ist überprüfbar: Mojo 1.0 und der zugehörige Compiler wurden unter der Open-Source-Lizenz Apache 2.0 veröffentlicht. Das gilt nicht automatisch für alle Bestandteile des Pakets; die Lizenz von MAX wurde gesondert geändert.
33
34
Warum Qualcomm auch Konkurrenzchips unterstützt
CUDA stellt Entwicklern Werkzeuge für Nvidia-Grafikprozessoren bereit. Qualcomms Gegenentwurf soll es erleichtern, KI-Anwendungen auf anderer Hardware zu nutzen. Beim Snapdragon Summit erklärte Lattner, die Modular-Plattform unterstütze sechs Architekturen von sechs Unternehmen. Das ist eine Angabe des Unternehmens – kein Nachweis dafür, dass jedes Modell auf jeder Architektur gleich gut läuft.
4
6
Modular nennt unter anderem GPUs von Nvidia und AMD, CPUs, Google TPUs, AWS Trainium sowie Qualcomm-Beschleuniger. In der Plattformankündigung ist ausdrücklich von Qualcomms Dragonfly-Beschleunigern für Rechenzentren die Rede, nicht von „Dragonwing“-Beschleunigern. Die Unterstützung fremder Chips ist für den Plan entscheidend: Ein ausschließlich auf Qualcomm zugeschnittenes Werkzeug würde die angestrebte Unabhängigkeit kaum schaffen.
33
40
Snapdragon und Windows: Reichweite mit Vorbehalt
Qualcomm sieht Einsatzmöglichkeiten vom Rechenzentrum über Infrastruktur nahe am Einsatzort bis zu persönlichen Geräten. Damit reicht die Ambition auch in Richtung Snapdragon-PCs und Smartphones. Eine flächendeckende Einführung des gesamten Modular-Pakets auf diesen Geräten ist damit aber nicht belegt.
4
35
Für PC-Entwickler könnte eine weitere Ankündigung wichtig werden: Modular arbeitet nach eigenen Angaben mit dem Windows-Team von Microsoft an nativer Windows-Unterstützung für Mojo. Sie ist angekündigt, nicht als breit eingeführte und genutzte Funktion nachgewiesen.
33
Ob daraus eine ernsthafte CUDA-Alternative wird, entscheidet sich im Alltag der Entwickler: KI-Modelle müssten zuverlässig zwischen Chipplattformen wechselbar sein, Geschwindigkeit und Kosten müssten überzeugen, und der Umstieg aus bestehenden Arbeitsabläufen müsste praktikabel bleiben. Qualcomm muss zudem glaubhaft an der Unterstützung konkurrierender Hardware festhalten. Die Übernahme und die gemeldete Chipunterstützung zeigen die Strategie – noch nicht ihren Erfolg.
1
4
8
33