Das vielleicht wichtigste neue Werkzeug ist das Musik-Inpainting. Statt ein ganzes Lied neu zu generieren, nur weil einem die zehnsekündige Bridge nicht gefällt, können Anwender künftig exakt diesen Abschnitt markieren und per Text-Prompt neu erschaffen lassen .
Laut ElevenLabs’ Dokumentation funktioniert das so: Ein Track wird generiert und gespeichert, danach verweist man in neuen „Kompositionsplänen“ auf dessen Bestandteile. So lassen sich schwache Strophen nachbessern, neue Intros oder Outros anhängen oder sogar Teile aus verschiedenen gespeicherten Songs kombinieren .
Es gibt allerdings einen Haken: Musik-Inpainting ist derzeit Enterprise-Kunden vorbehalten. Der Zugang setzt eine direkte Kontaktaufnahme mit dem Vertrieb voraus . Für Einzelkreative und kleinere Teams bleibt das Editier-Erlebnis eingeschränkt – doch die allgemeinen Qualitäts- und Steuerungsverbesserungen des Music v2-Modells gelten für alle Tarifstufen.
Zeitgleich mit dem Launch von Music v2 hat ElevenLabs die Preise für Music v1 und v2 um bis zu 50 Prozent (API-Kunden) bzw. bis zu 40 Prozent (ElevenCreative-Nutzer) gesenkt .
Während die technischen Spielereien für Aufsehen sorgen, liegt der strategisch entscheidende Unterschied im juristischen Fundament. ElevenLabs betrat die KI-Musikbühne im August 2025 mit einem grundlegend anderen Ansatz bei den Trainingsdaten .
Statt erst ein Produkt zu bauen und sich dann mit Klagen auseinanderzusetzen, schloss das Unternehmen im Vorfeld Lizenzverträge mit Merlin Network (einer Rechteorganisation, die Tausende unabhängige Labels vertritt) und der Kobalt Music Group (einem großen Musikverlag) . Parallel baute man über SourceAudio eine Daten-Pipeline aus 14 Millionen vorab lizenzierten Songs auf
. Das Besondere: Bei diesen Deals müssen Künstler aktiv zustimmen (Opt-in), bevor ihre Musik für das KI-Training verwendet werden darf
. Das bedeutet: Wer mit ElevenLabs arbeitet, kann die generierten Tracks von Tag eins an mit einer klaren kommerziellen Rechtekette nutzen.
Der Kontrast zu Suno und Udio könnte größer kaum sein. Gegen beide Startups reichte die Recording Industry Association of America (RIAA) – der amerikanische Dachverband der Musikindustrie, vergleichbar mit dem deutschen Bundesverband Musikindustrie – im Juni 2024 Klage ein. Im Namen von Universal Music, Sony Music und Warner Music wird ihnen vorgeworfen, ihre Modelle mit urheberrechtlich geschützten Aufnahmen ohne Erlaubnis trainiert zu haben . Die juristischen Auseinandersetzungen haben die Wettbewerbslandschaft bereits verändert
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Suno und Udio haben in Gerichtsdokumenten praktisch eingeräumt, mit unlizenzierten, urheberrechtlich geschützten Aufnahmen trainiert zu haben . Beide arbeiten nun daran, sich durch Vergleiche und nachträgliche Lizenzverträge aus der juristischen Schusslinie zu manövrieren – ein noch laufender Prozess.
Der vorausschauende Ansatz von ElevenLabs bietet einen klaren Wettbewerbsvorteil für kommerzielle Nutzer – Marken, Werbetreibende und Entwickler –, die eine lückenlose rechtliche Absicherung brauchen. CEO Mati Staniszewski spricht von einer „rechtlichen Deckung für die breite kommerzielle Nutzung“ . Diese Rechtssicherheit für Unternehmen, kombiniert mit den neuen kreativen Möglichkeiten, ist die zentrale Wette des Unternehmens darauf, wohin die Reise im KI-Musikmarkt geht.
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