Der Ausverkauf bei Halbleiteraktien bescherte Leerverkäufern binnen sieben Tagen geschätzte 32 Milliarden US-Dollar an Brutto-Buchgewinnen. Das geht aus Bloomberg-Auswertungen von Daten des Finanzanalyseunternehmens S3 Partners hervor. Der Philadelphia Semiconductor Index fiel in diesem Zeitraum um mehr als 12 Prozent und verzeichnete acht Handelstage in Folge Verluste. Die 32 Milliarden Dollar sind allerdings ein rechnerischer Zwischenstand – kein Beleg dafür, dass sämtliche Gewinne realisiert oder nach Kosten tatsächlich vereinnahmt wurden.
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Wie Leerverkäufer an fallenden Kursen verdienen
Bei einem Leerverkauf leiht sich ein Anleger Aktien und verkauft sie in der Hoffnung, sie später günstiger zurückzukaufen. Sinkt der Kurs, kostet die Rückgabe der geliehenen Aktien weniger. Der Wert der Position steigt entsprechend auf dem Papier.
Die gemeldeten 32 Milliarden Dollar sind eine aggregierte Schätzung der Brutto-Buchgewinne. Sie bedeutet weder, dass alle Leerverkäufer profitiert haben, noch dass die Gewinne nach Rückkauf, Gebühren und weiteren Kosten bestehen bleiben.
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Die andere Seite der KI-Wetten
Während einige auf fallende Kurse gesetzt hatten, gerieten Hedgefonds mit Anlagen in KI-Aktien unter Druck. Global ausgerichtete Long-Short-Fonds – sie halten sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse ausgerichtete Positionen – verloren bis zum 15. Oktober 2,9 Prozent. Laut einer von Reuters zitierten Mitteilung des Prime-Brokerage-Bereichs von Goldman Sachs verbuchten diese Fonds an jedem Handelstag der Woche Verluste. Auf Asien fokussierte Aktienfonds lagen Anfang Oktober 6,8 Prozent im Minus. Die Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume und sind deshalb nicht direkt vergleichbar.
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Berichten zufolge verkauften Hedgefonds vom 8. bis zum 14. Oktober fünf Handelstage in Folge per saldo globale KI-Aktien. Damit sei der kumulierte Nettozukauf seit Beginn des Jahres 2025 umgekehrt worden. Das beschreibt die Veränderung der Käufe und Verkäufe insgesamt – nicht, dass Fonds sämtliche KI-Anlagen abgestoßen hätten.
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Warum Halbleiter- und KI-Aktien unter Druck gerieten
Anleger stellten zunehmend infrage, ob die enormen Investitionen in KI-Infrastruktur bald genug Rendite abwerfen. Zugleich schürten Inflationssorgen und hohe Finanzierungskosten die Nervosität. Höhere Kreditkosten lenken den Blick besonders auf Unternehmen, deren Ausbau stark von Fremdkapital abhängt.
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Der Druck war auch an den US-Märkten spürbar: Am Freitag, dem 16. Oktober, verlor der Nasdaq Composite 2,14 Prozent und lag für die Woche rund 4,5 Prozent im Minus. Sorgen über höhere Zinsen und wachsende Schulden im KI-Ausbau belasteten Technologiewerte.
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In Südkorea fiel der Kospi am Donnerstag, dem 15. Oktober, um 7,57 Prozent. Im Tagesverlauf betrug das Minus zeitweise mehr als 9 Prozent; daraufhin wurde der Handel vorübergehend ausgesetzt. Am Freitag erholte sich der Index um 2,05 Prozent, machte bis zum Handelsschluss aber weniger als ein Viertel des Verlusts vom Vortag wett.
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Was die 32 Milliarden Dollar aussagen – und was nicht
Die Schätzung zeigt, wie schnell sinkende Aktienkurse den Wert von Leerverkaufspositionen erhöhen können. Sie sagt aber nicht, ob der Ausverkauf seinen Tiefpunkt erreicht hat. Wenn pessimistische Anleger ihre Positionen schließen, indem sie Aktien zurückkaufen, kann das eine Gegenbewegung verstärken. Aus den vorliegenden Berichten lässt sich jedoch nicht ableiten, dass eine solche Erholung von Dauer wäre.
Auch die Verluste von Hedgefonds und die raschen Nettoverkäufe beweisen nicht, dass die Kurse zwangsläufig weiter fallen. Sie zeigen, wie stark sich die Marktpositionierung verändert hat und wie viel Druck auf manche Fonds ausgeübt wurde. Die Unsicherheit über KI-Ausgaben, Finanzierungskosten und den Zeitpunkt möglicher Erträge bleibt davon eine eigene Frage. Eine Erholung kann also mit einer anhaltenden Neubewertung des KI-Geschäfts einhergehen – und die Schätzung der Buchgewinne ist keine Prognose für den nächsten Börsenschritt.
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