Die Marktreaktion auf den Wahlsieg der Demokraten am 3. November war weder einheitliche Rally noch flächendeckender Ausverkauf. Ein schwächerer Dollar und zunächst sinkende Ölpreise stützten einige Anlagen aus Schwellenländern. Gleichzeitig belasteten Sorgen, strengere Aufsicht könne den Bau von Rechenzentren bremsen, KI-nahe Aktien. Am 5. November gerieten die chipintensiven Börsen Asiens erneut deutlich unter Druck; auch Unternehmenszahlen und Risiken für die Ölversorgung beeinflussten den Handel.
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Was sich am 4. und 5. November an den Märkten tat
| Markt oder Anlage |
4. November |
5. November |
| Schwellenländeraktien |
Der breite Schwellenländerindex von MSCI stieg um 0,4 Prozent und machte damit frühe Verluste wett. Der Dollar gab um 0,3 Prozent nach, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank um 5 Basispunkte. 22 |
Derselbe breite MSCI-Index verlor 0,7 Prozent. Anleger bewerteten Wahlausgang, schwächeren Dollar und Entscheidungen mehrerer Zentralbanken. 30 |
| China |
In einem Marktbericht legten der Shanghai Composite und der Shenzhen Component um 2,16 beziehungsweise 4,22 Prozent zu. 42 |
Der Shanghai Composite stieg leicht um 0,1 Prozent. 33 |
| Südkorea und Taiwan |
Der Kospi schloss nach starken Schwankungen im Tagesverlauf 0,62 Prozent im Plus. Taiwans Taiex verlor 0,83 Prozent. 37 39 |
Der Kospi fiel um 5,3 Prozent, der Taiex um 3,2 Prozent. Besonders stark wurden KI-nahe Aktien verkauft. 33 |
| Mexikanischer Peso |
Schwellenländerwährungen legten zu; ein Marktbericht hob dabei auch den Peso hervor. 24 26 |
In den vorliegenden Berichten findet sich für diesen Tag keine vergleichbare, verifizierte Prozentangabe zum Peso. |
| Öl |
Brent gab deutlich nach, während die Märkte die Aussichten im Iran-Konflikt und für die Ölversorgung einschätzten. 17 28 |
Im nächtlichen Handel brach Brent zunächst um fast 9 Prozent ein. Nach Angriffen auf Tanker kehrte die Bewegung um: Zum Handelsschluss lag der Preis 3,67 US-Dollar oder 3,88 Prozent höher bei 98,29 US-Dollar je Barrel. 18 19 |
Das sind Momentaufnahmen aus unterschiedlichen Handelssitzungen und Berichtszeitpunkten, kein synchronisiertes Gesamtbild der Anlegerstimmung. Die Erholung bei Schwellenländeraktien am 4. November hielt bis zum Folgetag nicht an. Und die späte Kehrtwende beim Ölpreis zeigt, wie schnell geopolitische Entwicklungen die Marktbewegung verändern konnten.
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Warum Schwellenländer zunächst Rückenwind bekamen
Die Berichte vom 4. November brachten den schwächeren Dollar mit der Nachfrage nach Anlagen aus Entwicklungs- und Schwellenländern in Verbindung. Eine schwächere US-Währung kann Importe, die in Dollar abgerechnet werden, und auf Dollar lautende Schulden in lokaler Währung günstiger machen.
22 Der steigende Peso und die Kursgewinne bei Schwellenländeraktien passten zu dieser anfänglichen Risikofreude. Sie belegen aber nicht, dass alle Schwellenländer gleichermaßen profitierten.
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Niedrigere Ölpreise können außerdem Ländern helfen, die viel Energie importieren: Treibstoff- und Transportkosten können sinken. Wenn dadurch der Inflationsdruck nachlässt, haben Zentralbanken möglicherweise mehr Spielraum für Zinssenkungen. Das sind mögliche Wirkungskanäle, keine sicheren Folgen. Ölexportländer können bei fallenden Rohölpreisen Einnahmen verlieren, und die tatsächliche Wirkung hängt von den Bedingungen im jeweiligen Land ab. Die vorliegenden Marktberichte dokumentieren Öl- und Währungsbewegungen, beziffern deren Folgen für einzelne Länder jedoch nicht.
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Warum asiatische Chipaktien unter Druck gerieten
Anleger befürchteten, die Wahlerfolge der Demokraten in Bundesstaaten wie Texas und Georgia könnten zu schärferer Kontrolle oder Einschränkungen bei Rechenzentrumsprojekten führen – und damit Teile des Ausbaus der KI-Infrastruktur verzögern. Nach der Wahl fielen Aktien von Rechenzentrumsunternehmen, während Titel aus dem Bereich erneuerbare Energien zulegten. Analysten beschrieben die Sorge als mögliches langsameres Tempo beim Ausbau der Infrastruktur.
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An den asiatischen Börsen wurde sichtbar, wie stark sich diese Bedenken auf bestimmte Märkte konzentrieren konnten. Südkoreas Kospi wechselte von einem Plus von 0,62 Prozent am 4. November zu einem Minus von 5,3 Prozent am Folgetag. Taiwans Taiex verlor zunächst 0,83 und danach 3,2 Prozent.
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39 Der Ausverkauf war allerdings nicht allein auf Wahl- und Regulierungssorgen zurückzuführen: Ein Bericht vom 5. November nannte neben Bedenken zu KI-Investitionen auch schwache Geschäftszahlen von Qualcomm.
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Für Chipanleger ging es um Tempo und Zeitpunkt neuer Projekte – nicht um einen Beleg dafür, dass die langfristige Nachfrage nach KI verschwunden wäre. Morgan Stanley zufolge könnten Beschränkungen auf Bundesstaatenebene Projekte verzögern, während der übergeordnete KI-Investitionszyklus intakt bleiben dürfte. Das ist eine Einschätzung, keine Gewissheit.
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Warum sich die US-Politik nicht sofort neu ausrichtet
Die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses verschafft den Demokraten mehr Möglichkeiten für Untersuchungen und Kontrolle der Regierung sowie Einfluss auf Haushaltsentscheidungen. Sie gibt dem Kongress aber nicht automatisch die volle Kontrolle über Entscheidungen der Exekutive und garantiert auch nicht, dass politische Vorhaben Gesetz werden.
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- Ein Veto des Präsidenten ist eine hohe Hürde. Um es zu überstimmen, wäre in beiden Kammern eine Zweidrittelmehrheit nötig. Laut den vorliegenden Berichten verfügten die Demokraten nicht über diese Mehrheit.
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- Auch im Senat kann ein Gesetzgebungsverfahren ins Stocken geraten. Für wichtige Gesetzesvorhaben kann es nötig sein, die 60-Stimmen-Hürde zu überwinden, die mit einem Filibuster verbunden ist. Das schränkt ein, was eine einfache Mehrheit allein beschließen kann.
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- Zölle verschwinden nicht automatisch. Die Demokraten könnten ein Gesetz zur Einschränkung von Zöllen einbringen, auch solcher, die Kanada betreffen. Trump behielte jedoch die Möglichkeit, dagegen sein Veto einzulegen.
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- Kontrolle und Einfluss auf den Haushalt bedeuten nicht die direkte Kontrolle der Außenpolitik. Der Kongress kann über Anhörungen und Haushaltsverhandlungen Druck ausüben. Die Exekutivgewalt bleibt jedoch beim Präsidenten, einschließlich der Befugnis, militärische Einsätze anzuordnen.
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Für die Märkte ist dieser Unterschied wichtig: Erwartungen an eine weniger aggressive Handels- oder Außenpolitik können Kurse bewegen, bevor sich Gesetze ändern. Die Erholung des Brent-Preises nach den Tankerangriffen am 5. November zeigte jedoch, dass unmittelbare Risiken für Versorgung und Sicherheit solche Erwartungen überlagern können.
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Worauf Anleger als Nächstes achten dürften
Die Bewegungen über zwei Tage deuten eher auf unterschiedliche Risiken als auf einen einheitlichen „Wahl-Trade“ hin. Für Schwellenländer sind neben politischen Erwartungen der Dollar, der Ölpreis, die heimische Inflation und die Entscheidungen der Zentralbanken wichtig. Bei asiatischen Chipunternehmen zählt das Tempo des Rechenzentrumsbaus – aber auch die Geschäftsentwicklung: In der Berichterstattung zum 5. November wurden sowohl politische Sorgen als auch Qualcomms schwache Ergebnisse angeführt.
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Die hier verfügbaren Berichte ergeben kein konsistentes Bild der Netto-Kapitalzuflüsse aus dem Ausland für den 4. und 5. November. Auch für nicht alle Währungen und Indizes liegen vergleichbare Tageswerte vor. Die belastbarste Schlussfolgerung ist enger gefasst: Schwellenländeraktien profitierten zunächst vom schwächeren Dollar, während KI-nahe Aktien in Asien stärker unter Druck gerieten, als Anleger die Risiken für Infrastrukturinvestitionen neu bewerteten. Beides verlief nicht geradlinig.
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