Rund 10 % der visuellen Sequenzen wurden mit generativer KI erstellt, entwickelt mit Videotools von Meta.
Soderbergh erklärte, dass diese Bilder vor allem dann eingesetzt wurden, wenn Lennon und Ono im Interview über abstrakte oder philosophische Themen sprechen – Momente, für die es naturgemäß kein Archivmaterial gibt. Die KI‑Sequenzen funktionieren daher eher wie visuelle Metaphern oder surreal wirkende Illustrationen, nicht als Rekonstruktion realer Ereignisse.
Der Regisseur nannte auch praktische Gründe. Während der Produktion habe das Team lange nach einer visuellen Lösung für bestimmte Passagen gesucht. Als Zeit und Budget knapp wurden, griff man schließlich auf Metas KI‑Tools zurück, um die fehlenden Bilder zu erzeugen.
Der Oscar‑preisträger betonte mehrfach, dass die KI nicht eingesetzt wurde, um Zuschauer zu täuschen.
Seiner Ansicht nach handelt es sich schlicht um ein weiteres filmisches Werkzeug, vergleichbar mit visuellen Effekten oder CGI – also Technologien, die ebenfalls keine realen Aufnahmen darstellen, sondern Ideen visuell interpretieren.
Soderbergh argumentierte außerdem, dass John Lennon selbst ein experimentierfreudiger Künstler gewesen sei und vermutlich Interesse an neuen Technologien gehabt hätte. Berichten zufolge gab auch Sean Ono Lennon, der Sohn von Lennon und Ono, seine Zustimmung zur Nutzung der KI‑Bilder.
Trotz dieser Erklärungen blieb die Reaktion gemischt bis kritisch.
In der Filmbranche wächst seit einigen Jahren die Sorge, dass generative KI langfristig grundlegende Veränderungen auslösen könnte – etwa durch:
Einige frühe Zuschauer berichteten zudem, dass die KI‑Sequenzen sie eher aus der Dokumentation herausgerissen hätten, statt die Wirkung des Interviews zu verstärken.
Dass die Diskussion ausgerechnet in Cannes so intensiv ausfiel, hat auch mit dem Festival selbst zu tun.
Das Festival hat kürzlich eine mehrjährige Partnerschaft mit Meta geschlossen, bei der das Unternehmen unter anderem seine KI‑Videotechnologien präsentieren will.
Gleichzeitig betont die Festivalleitung öffentlich ihre Unterstützung für Filmschaffende, die sich Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen. Festivaldirektor Thierry Frémaux erklärte etwa, Cannes stehe „an der Seite der Künstler“ und der vielen Berufsgruppen der Branche.
Diese widersprüchliche Situation – technologische Kooperation einerseits, Solidarität mit Kreativen andererseits – machte Soderberghs Film praktisch zum perfekten Testfall.
Die Diskussion um John Lennon: The Last Interview zeigt letztlich ein größeres Spannungsfeld:
Ist generative KI einfach nur ein weiteres Werkzeug im Arsenal von Filmemachern – ähnlich wie digitale Schnittsysteme oder CGI? Oder verändert sie grundlegend, wie Filme entstehen und wer sie erschafft?
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