Hinzu kam ein schwächerer US-Dollar: Der Dollar-Index fiel erstmals seit Mitte Juni unter die Marke von 99,5 . Ein schwächerer Dollar macht Silber für internationale Käufer günstiger und stützt die Preise.
Ein weiterer Treiber waren geopolitische Spannungen. Die anhaltenden Konflikte im Persischen Golf rund um die Straße von Hormus sorgten für einen „Safe-Haven“-Schub bei Edelmetallen . Gleichzeitig sorgten Hoffnungen auf eine Deeskalation (berichtete Gespräche zwischen den USA und dem Iran) für fallende Ölpreise, was Inflationsängste dämpfte und die Argumente für eine lockerere Fed-Politik untermauerte .
Technisch gesehen durchbrach Silber die wichtige 60-US-Dollar-Marke, überwand den gleitenden 50-Tage-Durchschnitt und stieg auf ein Sechswochenhoch über 62,50 US-Dollar – an einem Tag mit einem Plus von bis zu 4,9 Prozent .
Die 65 US-Dollar sind keine normale runde Zahl. Hier liegt eine massive technische Hürde: der 200-Tage-Exponential Moving Average (EMA) . Technische Analysten sehen einen nachhaltigen Schlusskurs über 65 US-Dollar als notwendig an, um den Weg in Richtung 69 US-Dollar (100-Tage-Durchschnitt) freizumachen .
Doch es ist nicht nur die Technik. Die Rallye von rund 55 US-Dollar war extrem steil. Natürlich haben viele Anleger ihre Gewinne an der psychologischen 65-US-Dollar-Marke mitgenommen .
Gleichzeitig steigen die US-Anleiherenditen wieder: Die 10-jährige Staatsanleihe kletterte in Richtung 4,71 Prozent. Das setzt zinslose Anlagen wie Silber unter Druck, denn höhere Renditen erhöhen die Opportunitätskosten des Haltens von Barren oder ETFs .
Das vielleicht entscheidende Signal kommt von den institutionellen Anlegern. Professionelle Investoren stoßen ihre Silber-ETFs so schnell ab wie seit Monaten nicht mehr. Der SLV-ETF verzeichnete auf Jahressicht Abflüsse von -381 Millionen US-Dollar, das verwaltete Vermögen (AUM) schrumpfte im letzten Monat um 18,4 Prozent . Während Privatanleger weiter kaufen, verkaufen die Großanleger – ein klares Zeichen dafür, dass nachhaltige Kursgewinne vorerst begrenzt bleiben .
Der Mittwoch wird zum Richtungstag. Die Veröffentlichung des US-Verbraucherpreisindex (CPI) ist der nächste große Kurstreiber. Der CPI entscheidet darüber, ob der Leitzinssenkungspfad der Fed glaubwürdig bleibt.
Fällt die Inflation niedriger aus als erwartet: Dann ist das Signal klar. Die Inflation kühlt sich ab, die Fed kann die Zinsen senken oder zumindest nicht anheben. Die Anleiherenditen und der Dollar fallen. Das wäre der nötige Treibstoff für Silber, um die 65 US-Dollar nachhaltig zu überwinden. Das nächste Kursziel wäre dann der 100-Tage-Durchschnitt nahe 69 US-Dollar .
Steigt die Inflation stärker als erwartet: Das wäre eine Wiederbelebung der Falkenpolitik. Höhere Zinserwartungen würden die Renditen und den Dollar nach oben treiben. Silber würde von der 65-US-Dollar-Marke zurückfallen. Analysten rechnen dann zunächst mit einem Rückgang auf rund 62 US-Dollar. Sollte die Erholung nicht kommen, drohen weitere Verluste auf 59 US-Dollar. Beschleunigt sich der Ausverkauf, könnte es sogar auf 55 US-Dollar abwärtsgehen .
Daher gilt: Ein Ausbruch über 65 US-Dollar öffnet den Weg in die Zipfel-Zone von 68 bis 70 US-Dollar. Eine Zurückweisung schickt Silber in die Unterstützungszone zwischen 58,50 und 61,50 US-Dollar. Darunter liegt die nächste wichtige Zone bei 55,50–58,50 US-Dollar .