Das Amsterdamer Payroll-Startup Remote hat mit einem strategischen Coup die Tech-Branche aufhorchen lassen: Das Unternehmen hat eigenen Angaben zufolge die Marke von 300 Millionen Dollar an jährlich wiederkehrenden Umsätzen (ARR) überschritten und ist Cashflow-positiv geworden – und das, während die Anzahl der Mitarbeitenden seit der Einführung von KI nahezu unverändert blieb . Der Clou: Der Umsatz pro Kopf kletterte um 50 Prozent nach oben.
CEO Job van der Voort erklärte, dieser Effizienzsprung sei das Ergebnis einer KI-Adoption, die weit über das CEO-Büro oder die Entwicklungsabteilung hinausgeht. Stattdessen wurde künstliche Intelligenz in jeden Unternehmensbereich integriert. Vier konkrete Mechanismen waren dafür ausschlaggebend – ein Blaupause, die inzwischen auch andere Firmen aufmerksam studieren.
Das Unternehmen hat eine interne Plattform namens Remote Labs auf Basis seiner eigenen Technologie geschaffen. Hier können Mitarbeitende aus allen Abteilungen KI-gestützte Apps für ihre eigenen Arbeitsabläufe entwickeln und mit Kollegen teilen. So entstanden Tools für HR-, Payroll- und operative Prozesse, die nicht aus der IT-Abteilung stammen mussten. Dieser Ansatz verhinderte, dass das Thema KI nur in der Techniksparte oder der Führungsetage verankert blieb.
Van der Voort selbst beschrieb, dass er häufig mit mehreren Instanzen der KI-Software Claude parallel programmiert. Er sieht darin einen Beleg, dass das Unternehmen mehr Umsatz erwirtschaften könne, ohne dafür die Belegschaft ausbauen zu müssen. Auch wenn sich die ursprüngliche These, KI generiere über 85 Prozent des Remote-Codes, nicht mit den Quellen bestätigen lässt, deutet die Aussage des CEOs auf eine tief in der Arbeitskultur verankerte Praxis hin: KI ist ein selbstverständliches Werkzeug für die Softwareentwicklung geworden.
Remote hat ein Team von kundenorientierten Entwicklungsingenieuren aufgebaut, die direkt bei den Kunden vor Ort an individuellen KI-Workflows arbeiten. Das Ziel ist es, Kunden in die Lage zu versetzen, die Produktivitätsgewinne von Remote durch eigene KI-Automatisierung in ihren Personalprozessen zu reproduzieren.
Eine der ambitioniertesten Neuerungen ist das Protokoll Remote MCP (Model Context Protocol). Es ermöglicht beliebigen KI-Agenten eine direkte und sichere Echtzeit-Verbindung zu den Payroll-, Vertrags-, Compliance- und Organisationsdaten. Anders als bei klassischen API-Schnittstellen sind dafür keine API-Schlüssel, keine Datenexporte und keine benutzerdefinierten Konnektoren nötig. Damit wird die Infrastruktur von Remote nicht mehr nur über eine Benutzeroberfläche, sondern auch als Basis für autonome Software-Agenten nutzbar.
Viele Startups würden einen Meilenstein von 300 Millionen Dollar ARR und einen positiven Cashflow als Bestätigung ihres bisherigen Kurses sehen. Nicht so Job van der Voort. Als diese Etappenziele erreicht waren, kündigte er seiner gesamten Belegschaft an, dass sich viele Rollen grundlegend verändern würden. Einige Produkte wurden in den Wartungsmodus versetzt, andere komplett eingestellt, um alle Ressourcen auf KI-gestützte Lösungen zu konzentrieren. Die Einstellung neuer Mitarbeiter wurde drastisch verlangsamt, weil KI das Umsatzwachstum bei gleichbleibender Personalstärke ermöglichte.
Doch es geht hier um mehr als operative Effizienz. Remote strebt an, zu einer globalen Infrastruktur für die Personalarbeit zu werden und dabei die Gehaltsabrechnungs- und Beschäftigungsinfrastruktur für Partner, Kunden, Entwickler und KI-Agenten gleichermaßen zu öffnen. Van der Voort warnte zudem, die Kosten, die durch Arbeit an Dingen entstehen, die "keine Zukunft haben", seien immens. Er hat die gesamte Produkt-Roadmap des Unternehmens auf den Prüfstand gestellt und auf KI ausgerichtet, die er als "Betriebssystem für die Führung einer globalen Belegschaft" bezeichnet.
So beeindruckend die Zahlen auch sind – es ist wichtig, ihre Herkunft im Auge zu behalten. Der 300-Millionen-Dollar-ARR-Meilenstein, der Zuwachs von 50 Prozent beim Umsatz pro Mitarbeiter und das berichtete 300-prozentige Wachstum des Kerngeschäfts im Bereich Payroll stammen aus Unternehmensmitteilungen und Interviews mit der Führungsetage. Es liegen keine externen, von Wirtschaftsprüfern testierten Finanzdaten vor. Die Behauptung über die prozentuale Nutzung von KI beim Programmieren konnte anhand der Quellen nicht bestätigt werden.
Dennoch zeichnet die Breite der KI-Implementierung – vom internen Marktplatz, der von Mitarbeitenden ohne technischen Hintergrund genutzt wird, über ein kundenorientiertes Engineering-Programm bis hin zu einem Protokoll, das externen KI-Agenten direkten Zugriff auf die Infrastruktur gibt – ein detailliertes Bild davon, wie ein Unternehmen die Produktivitätsversprechen der KI in konkrete, messbare Effizienzgewinne ummünzen will. Führungskräfte weltweit beobachten genau, ob das Experiment Schule macht.
Studio Global AI
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Remote hat 300 Millionen USD an jährlich wiederkehrendem Umsatz (ARR) überschritten und ist Cashflow positiv, während die Mitarbeiterzahl stabil blieb.
Remote hat 300 Millionen USD an jährlich wiederkehrendem Umsatz (ARR) überschritten und ist Cashflow positiv, während die Mitarbeiterzahl stabil blieb. CEO Job van der Voort sieht die Effizienzgewinne als Beweis, dass KI Adoption weit über die Entwicklungsabteilung hinausgehen muss.
Die Zahlen – darunter ein 300 prozentiges Wachstum des Kerngeschäfts mit der Lohnabrechnung – basieren auf Unternehmensangaben und sind nicht unabhängig von Dritten geprüft.