OpenAI hatte bereits Anfang 2026 rund 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzer erreicht. Der Umsatz auf Jahresbasis lag zu diesem Zeitpunkt bei ungefähr 25 Milliarden US-Dollar . Das Wachstum speist sich aus mehreren Kanälen: der massenhaften Nutzung von ChatGPT, der Verbreitung von Codex und dem Ausbau kostenpflichtiger Angebote für Unternehmen.
Die zwei Millionen Geschäftskunden sind dabei besonders wichtig. Sie zeigen, dass KI nicht mehr nur als Chatbot für Einzelpersonen eingesetzt wird, sondern zunehmend in Arbeitsabläufe, Softwareentwicklung und Unternehmensplattformen einzieht. Nach verfügbaren Branchenschätzungen nutzen zudem 92 Prozent der Fortune-500-Unternehmen ChatGPT .
Die Preissenkungen sind vor allem eine Reaktion auf den wachsenden Konkurrenzdruck. Für Entwickler, die Millionen oder Milliarden Token verarbeiten, entscheidet nicht nur die Qualität eines Modells – sondern auch jeder Bruchteil eines Cents pro Anfrage.
Anthropics Claude Sonnet 4.6, im Februar 2026 veröffentlicht, wird mit starker Leistung bei Programmier- und agentischen Aufgaben beworben. Der reguläre API-Preis liegt bei 3 US-Dollar für eine Million Eingabetoken und 15 US-Dollar für eine Million Ausgabetoken. Bis zum 31. August 2026 gilt ein Einführungspreis von 2 beziehungsweise 10 US-Dollar .
In einem der angeführten Leistungstests erreicht das Modell 79,6 Prozent im SWE-bench-Verified-Benchmark und führt Vergleichstests für Büroproduktivität an .
Noch härter ist der Preisdruck durch DeepSeek V4 Flash. Das im April 2026 veröffentlichte Modell kostet laut den genannten Preisvergleichen lediglich 0,14 US-Dollar pro Million Eingabetoken und 0,28 US-Dollar pro Million Ausgabetoken . DeepSeek stellte die API am 31. Juli zudem in eine öffentliche Betaphase .
Eine Analyse errechnet für V4 Flash effektiv rund 0,06 US-Dollar pro Million Token, verglichen mit 2,31 US-Dollar bei Claude Sonnet 4.6 . Die Vergleichswerte hängen zwar vom jeweiligen Testaufbau und der Nutzung ab, die Richtung ist eindeutig: Für preisbewusste Entwickler ist DeepSeek erheblich günstiger.
Vor diesem Hintergrund wirkten die ursprünglichen Luna-Preise von 1 US-Dollar für Eingaben und 6 US-Dollar für Ausgaben bei hohen Volumina kaum noch konkurrenzfähig. Durch die Senkung rückt OpenAI näher an Anthropics zeitlich begrenzte Einführungspreise heran. DeepSeek bleibt jedoch deutlich billiger.
Die geprüften Finanzunterlagen für 2025 wurden im Juni 2026 vom unabhängigen Journalisten Ed Zitron veröffentlicht und laut den vorliegenden Berichten von der Financial Times unabhängig bestätigt . Sie zeigen, wie teuer der Wettlauf um Nutzer, Rechenleistung und bessere Modelle ist:
| Kennzahl | 2024 | 2025 |
|---|---|---|
| Umsatz | 3,7 Mrd. US-Dollar | 13,07 Mrd. US-Dollar |
| Gesamtkosten und Ausgaben | etwa 9 Mrd. US-Dollar | 34 Mrd. US-Dollar |
| Operativer Verlust | etwa 5 Mrd. US-Dollar | 20,92 Mrd. US-Dollar |
| OpenAI zurechenbarer Nettoverlust | 5,09 Mrd. US-Dollar | 38,53 Mrd. US-Dollar |
Der Umsatz hat sich damit binnen eines Jahres mehr als verdreifacht und das interne Ziel von 10 Milliarden US-Dollar übertroffen. Anfang 2026 lag der annualisierte Umsatz bereits bei ungefähr 25 Milliarden US-Dollar .
Gleichzeitig verschlingen Forschung und Entwicklung enorme Summen: Allein dafür gab OpenAI 2025 rund 19,18 Milliarden US-Dollar aus – mehr als den gesamten Jahresumsatz. Ein besonders großer Kostenblock entfiel nach den vorliegenden Angaben auf Rechenkapazität über Microsoft Azure, die auf mehr als 17 Milliarden US-Dollar geschätzt wird .
Der ausgewiesene Nettoverlust von 38,53 Milliarden US-Dollar muss allerdings eingeordnet werden. Darin steckt ein einmaliger, nicht zahlungswirksamer Aufwand von 41,55 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit der Umwandlung in eine Public-Benefit-Corporation im Oktober 2025 und der Neubewertung von Eigenkapitalverbindlichkeiten . Der operative Mittelverbrauch lag deshalb deutlich niedriger – bei ungefähr 21 Milliarden US-Dollar. Die Financial Times bezifferte den bereinigten Verlust sogar auf rund 8 Milliarden US-Dollar .
Deutsche Bank prognostiziert unterdessen bis 2029 einen kumulierten negativen freien Cashflow von 143 Milliarden US-Dollar, falls sich die bisherige Entwicklung fortsetzt .
Die 80-Prozent-Senkung bei Luna, kurz nach dem Modellstart, ist ein deutliches Signal: OpenAI akzeptiert kurzfristig geringere Margen, um Entwickler und Unternehmen im eigenen Ökosystem zu halten. Marktanteile werden in dieser Phase nicht nur durch bessere Produkte gewonnen, sondern auch durch subventionierte Nutzung.
Unternehmen zahlen häufig mehr als einzelne Entwickler, wenn sie dafür Zuverlässigkeit, Sicherheitsfunktionen, Compliance und eine etablierte Produktlandschaft erhalten. Angebote wie Codex, ChatGPT Work und Enterprise-Verträge können deshalb einen Aufpreis rechtfertigen .
Im API-Geschäft sieht die Lage anders aus. Dort vergleichen Entwickler die Kosten unmittelbar. Bei automatisierten Agenten, Codegenerierung oder großen Datenmengen können Preisunterschiede von 50- bis 100-fach den Ausschlag geben.
OpenAIs Ausgaben von 34 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 – davon 19,18 Milliarden US-Dollar für Forschung und Entwicklung – stehen beispielhaft für eine Branche, die massiv in Rechenzentren, Chips und Modelltraining investiert. Die Geschäftsmodelle sind vielerorts noch nicht auf nachhaltig positive Stückkosten ausgelegt.
OpenAI schloss im März 2026 eine Finanzierungsrunde über 122 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von 852 Milliarden US-Dollar ab und reichte im Juni vertraulich einen S-1-Börsenprospekt ein, der eine Bewertung von bis zu einer Billion US-Dollar anstrebt . Das Unternehmen hat Investoren mitgeteilt, bis 2030 profitabel werden zu wollen .
Wenn ein Modell starke Reasoning- und Agentenleistungen zu wenigen Cent pro Million Token anbietet, schrumpft der Aufpreis für die leistungsfähigsten Modelle. OpenAIs Antwort folgt einem bekannten Muster: Preise senken, Nutzung in Abonnements und Arbeitsplattformen bündeln und das Volumen erhöhen.
Das deutet auf einen Markt im Übergang hin – weg von knapper, teurer Spitzenleistung und hin zu einem Wettbewerb, in dem Skalierung, Effizienz und Verfügbarkeit immer wichtiger werden.
Die Meldung über eine Milliarde Nutzer und die Preissenkungen erzählen dieselbe Geschichte: OpenAI setzt auf maximale Reichweite und eine möglichst starke Bindung an das eigene Ökosystem, auch wenn das kurzfristig Milliarden kostet. Bei rund 25 Milliarden US-Dollar an verfügbaren Barmitteln und mit einem möglichen Börsengang kann das Unternehmen diese Strategie zunächst finanzieren .
Die entscheidende Frage lautet jedoch, ob steigende Nutzerzahlen und effizientere Modelle die Lücke zwischen Umsatz und Kosten bis 2030 schließen können. Genau daran wird sich zeigen, ob der aktuelle KI-Preiskrieg ein Sprungbrett zu nachhaltigen Geschäftsmodellen ist – oder ein Wettlauf, bei dem selbst eine Milliarde Nutzer noch nicht ausreicht.