JPMorgan sieht den globalen Ölmarkt nach Monaten der Störungen wieder im Überschuss: Im September habe das Angebot die Nachfrage um 1,1 Millionen Barrel pro Tag übertroffen, im Oktober um 1,4 Millionen. Damit lag der Oktoberwert fast auf Höhe des durchschnittlichen Überschusses von 1,3 Millionen Barrel pro Tag im vergangenen Jahr.
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Das bedeutet jedoch nicht, dass die Versorgungslage wieder entspannt ist. Ein Überschuss beschreibt die Bilanz von Angebot und Nachfrage in einem bestimmten Zeitraum. Er sagt nicht automatisch aus, dass die zuvor geleerten Lager schon wieder aufgefüllt sind – oder dass Lieferwege zuverlässig funktionieren.
Wie der Ölmarkt wieder ins Plus kam
Laut den neben JPMorgans Einschätzung berichteten Zahlen waren die Exporte aus dem Nahen Osten von einem Tiefstand im März mit 9,8 Millionen Barrel pro Tag auf rund 20,7 Millionen gestiegen. Gleichzeitig sei die weltweite Ölnachfrage seit Beginn des Konflikts um 3,3 Millionen Barrel pro Tag gesunken.
13 Auch eine höhere Förderung in Lateinamerika trug dazu bei, mehr Öl auf den Markt zu bringen.
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Ein weiterer Hinweis auf veränderte Lieferströme: Die globalen Rohölimporte erreichten Reuters zufolge im Oktober 44,9 Millionen Barrel pro Tag – 1,3 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Importzahlen zeigen, wie viel Öl in den Markt gelangt. Für sich genommen verraten sie aber nicht, ob es anschließend verbraucht oder eingelagert wurde.
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Überschuss heißt nicht: Lager wieder voll
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) lagen die weltweit erfassten Ölbestände Ende September 509 Millionen Barrel unter dem Stand von Ende Februar. Die Lagerbestände an Land waren so niedrig wie seit mindestens 2016 nicht mehr.
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Ein laufender Überschuss kann zwar dazu beitragen, diese Bestände allmählich wieder aufzubauen. Das braucht jedoch Zeit. Zudem unterscheiden sich die Einschätzungen: JPMorgans Erwartung eines Überschusses weicht laut Berichten von der IEA-Prognose ab, die bis zum Jahresende mit anhaltenden Defiziten rechnete.
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Warum die Preise trotzdem heftig ausschlagen
Für den Ölpreis zählt nicht nur die aktuelle Angebots-Nachfrage-Bilanz. Entscheidend ist auch, was Händler für die kommenden Wochen erwarten – etwa, ob Öl weiter sicher transportiert werden kann. Ein Angriff auf einen Tanker in der Straße von Hormus machte das Risiko neuer Lieferunterbrechungen deutlich. Reuters berichtete, dass Brent am 30. Oktober angesichts der Eskalationssorgen um 2,4 Prozent zulegte.
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Auch politische Nachrichten bewegten die Erwartungen. Am 4. November beschrieben Reuters-Berichte einen volatilen Handel, während Anleger auf den nächsten Schritt Washingtons im Iran-Konflikt warteten. Nach dem Wahlerfolg der Demokraten und ihrer Übernahme der Kontrolle über den Kongress setzte der Markt sowohl auf mögliche Entspannung als auch auf anhaltende Unsicherheit. In einem Bericht fiel Brent an diesem Tag um 8,9 Prozent, als Händler die Aussicht auf ein Ende des Konflikts abwogen.
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Die Prognose von Goldman Sachs widerspricht der aktuellen Überschuss-Schätzung nicht zwingend: Sie richtet den Blick auf mögliche künftige Engpässe. Die Bank hob ihre Brent-Prognose für Dezember von 90 auf 105 US-Dollar je Barrel an und setzte den erwarteten Durchschnitt für 2027 auf 88 Dollar. Als Grund nannte sie erhöhte Risiken für das Angebot.
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Entscheidend sind auch Lager und Lieferwege
JPMorgans Einschätzung deutet darauf hin, dass sich die unmittelbare Angebots-Nachfrage-Bilanz verbessert hat. Sie belegt aber weder, dass die Lagerbestände wiederhergestellt sind, noch dass die Exporte dauerhaft sicher bleiben. ADNOC-Chef Sultan Al Jaber verwies auf genau diese Lücke: Mehr Lagerkapazität und eine stärkere Produktion von Kraftstoffen in Verbrauchernähe könnten helfen, Störungen besser abzufedern.
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Der Überschuss ist also ein Zeichen für eine kurzfristige Entlastung – aber keine Garantie für dauerhaft niedrigere Ölpreise. Solange Bestände knapp sind und wichtige Transportwege gefährdet bleiben, können neue Nachrichten den Markt schnell in die eine oder andere Richtung bewegen.