Googles Datenschutzrichtlinie schloss personalisierte Werbung auf Basis von Inhalten aus Gmail, Drive und Google Fotos bislang ohne Einschränkung aus. Seit dem 16. Oktober 2026 gilt diese Zusage mit einem Zusatz: Sie greift nicht, wenn Nutzer Daten aus diesen Diensten anderen Google-Diensten zur Verfügung stellen, die personalisierte Anzeigen unterstützen.
13
15
16
Das heißt nicht, dass Google automatisch die Posteingänge oder Fotobibliotheken aller Nutzer für Werbung auswertet. Entscheidend ist, ob Daten mit einem anderen Google-Dienst geteilt werden – und welche Regeln und Einstellungen für diesen Dienst gelten.
Was sich in der Richtlinie geändert hat
In der am 1. Oktober gültigen Fassung stand, Google zeige keine personalisierten Anzeigen auf Grundlage von Inhalten aus Drive, Gmail oder Fotos.
15 Die Version vom 16. Oktober behielt diesen Satz bei, ergänzte aber die Ausnahme für Daten, die Nutzer anderen passenden Google-Diensten zugänglich machen.
13
16
Als Beispiele für Dienste, die auf Daten aus anderen Google-Angeboten zugreifen können, nennt die Richtlinie Search und Gemini Apps.
13
40 Wer Apps für eine stärker personalisierte Nutzung verbindet, kann damit also auch Informationen für einen weiteren Dienst verfügbar machen.
Können abgeleitete Informationen Anzeigen beeinflussen?
Laut den veröffentlichten Search-Hinweisen können Zusammenfassungen, Auszüge und Rückschlüsse aus verbundenen Gmail- und Fotos-Inhalten dabei helfen, Anzeigen auszuspielen. Google unterscheidet dabei zwischen solchen abgeleiteten Informationen und einer direkten Auswertung des Posteingangs oder der Fotobibliothek.
34
Diese Unterscheidung begrenzt, wie Informationen verwendet werden – sie bedeutet aber nicht, dass verbundene Daten keinen Einfluss auf die Personalisierung haben können. Eine Zusammenfassung oder ein Rückschluss kann weiterhin Informationen aus der ursprünglichen App widerspiegeln. Die neue Ausnahme in der Richtlinie und die Erläuterung für Search gehören deshalb zusammen betrachtet.
13
34
Die verfügbaren Quellen belegen die geänderte Richtlinie und die berichteten Search-Hinweise. Eine separate, überprüfbare Erklärung im Google Fotos Privacy Hub, die diesen Werbeeinsatz erläutert, liegt darin jedoch nicht vor. Es lässt sich daher nicht sicher sagen, ob eine Fotos-Seite dieselbe Formulierung verwendet.
Personal Intelligence: Gemini, Search und Werbung
Mit Personal Intelligence können Googles KI-Funktionen Informationen aus verbundenen Apps heranziehen, um Antworten stärker auf einzelne Nutzer zuzuschneiden. Google führte die Funktion im Januar 2026 für Gemini ein; zu den möglichen Verbindungen gehörten Gmail und Fotos. Später kam Personal Intelligence auch in den AI Mode von Search.
19
20 Laut Googles Search-Hinweisen erlaubt die Verbindung von Inhalts-Apps den Search-Diensten den Zugriff auf Workspace-Apps und Google Fotos.
42
Für Werbung ist die Quellenlage je nach Produkt unterschiedlich:
- AI Mode: Google testet Anzeigen, die anhand von Informationen aus über Personal Intelligence verbundenen Apps personalisiert werden können.
34
35
- Gemini: Im Gemini Apps Privacy Hub heißt es, dass Gemini-Chats nicht zur Anzeige von Werbung verwendet werden. Daraus geht für sich genommen nicht hervor, ob Gemini jemals gesponserte Inhalte anzeigt.
50
- AI Overviews: Die verfügbaren Quellen klären nicht, ob AI Overviews Anzeigen enthalten oder ob Daten aus Personal Intelligence dort zur Anzeigenpersonalisierung genutzt werden.
Googles Zusicherungen – und die offene Frage
Laut den berichteten Search-Hinweisen sollen Anzeigen nicht direkt auf dem Posteingang oder der Fotobibliothek beruhen. Werbetreibende erhalten demnach keinen Zugriff auf die verbundenen Apps oder deren Inhalte.
34 Google zufolge werden außerdem sensible Kategorien wie ethnische Herkunft, Religion, sexuelle Orientierung und Gesundheit von der Anzeigenpersonalisierung ausgeschlossen.
34
Offen bleibt dennoch, wie weit der Einfluss abgeleiteter Informationen reicht: Auch wenn ein Werbetreibender die ursprüngliche E-Mail oder das Foto nicht sehen kann, könnten Informationen daraus eine Anzeige beeinflussen. Ars Technica beschrieb die Änderung als Aufweichung der bisherigen Trennung rund um Gmail-, Drive- und Fotos-Daten; 9to5Google hob ebenfalls die neue Ausnahme vom früheren Versprechen hervor.
9
17
Android Authority hatte die Änderung zuerst entdeckt – darauf verweisen Ars Technica und 9to5Google.
9
17 Die Richtlinie macht die Ausnahme davon abhängig, dass Nutzer Daten anderen dafür geeigneten Diensten zugänglich machen. Auch Googles KI-Funktionen verfügen über Einstellungen zum Verbinden von Apps.
13
19
20
Verbundene Apps und Suchpersonalisierung überprüfen
In Search können Sie in den Einstellungen für Personal Intelligence oder verbundene Inhalts-Apps nachsehen, welche Workspace-Apps und Google Fotos verknüpft sind, und Verbindungen gegebenenfalls trennen. Für die Personalisierung von Search-Diensten gibt es die Einstellung Personalisierte Empfehlungen. Google führt die neuen Einstellungen schrittweise ein; je nach Konto können die Menüs abweichen. Bei manchen Konten werden Suchverlauf und Empfehlungen weiterhin über Web- & App-Aktivitäten verwaltet.
42
43
Eine App zu trennen ist nicht unbedingt dasselbe, wie bereits gespeicherte Informationen aus dem Suchverlauf zu löschen. Berichten zufolge können Daten in der Search Services History erhalten bleiben, nachdem eine App getrennt oder der ursprüngliche Inhalt gelöscht wurde.
38 Google beschreibt die Search Services History als Ort, an dem sich gespeicherte Aktivitäten in Search-Diensten verwalten lassen – darunter Suchanfragen und Antworten generativer KI.
39 Wer auch frühere Suchaktivitäten verwalten möchte, sollte diesen Verlauf deshalb separat prüfen.