Der Erfolg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen am 4. November löste an den asiatischen Börsen zunächst einen kräftigen Ausverkauf bei KI- und Halbleiteraktien aus. Anleger sorgten sich, dass eine demokratische Mehrheit in beiden Kammern des US-Kongresses die Kontrolle über KI-Unternehmen verschärfen und den Bau von Rechenzentren bremsen könnte. Bis zum Handelsschluss hellte sich das Bild jedoch auf: Der Nikkei erholte sich deutlich von seinem Tagestief, und der Kospi schloss sogar im Plus.
2
23
26
Vom Tagestief bis zum Schlusskurs
Die frühen Verluste und die späteren Schlussstände erzählen unterschiedliche Teile des Handelstags. Die folgenden Angaben stammen aus Berichten zu verschiedenen Zeitpunkten und sind daher nicht alle als Schlusskurse zu verstehen.
| Markt oder Aktie |
Im Tagesverlauf gemeldete Bewegung |
Später gemeldeter Stand oder Schlusskurs |
| Nikkei 225 |
Ein Bericht meldete zwischenzeitlich ein Minus von 3,6 Prozent. 11 |
Schluss bei 62.188,63 Punkten, minus 1,42 Prozent. 26 |
| Kospi |
Fiel im Tagesverlauf auf 5.421,72 Punkte. 23 |
Schluss bei 5.683,80 Punkten, plus 0,62 Prozent. 23 |
| SoftBank |
In einem Bericht zeitweise rund 7 Prozent im Minus. 6 |
Ein späterer AP-Bericht bezifferte den Rückgang auf 3,2 Prozent. 3 |
| Kioxia |
Lag laut einem Bericht zur Mittagspause in Tokio 11,55 Prozent im Minus. 27 |
Ein AP-Bericht meldete nach einer Verringerung der Verluste ein Minus von 5,4 Prozent. 3 |
| Advantest und Tokyo Electron |
In einem frühen Bericht fast 8 beziehungsweise fast 6 Prozent im Minus. 9 |
Ein anderer Bericht beschrieb beide Aktien mit Rückgängen von etwa 3 Prozent, ohne präzise Schlusskurse zu nennen. 19 |
| Samsung Electronics und SK Hynix |
Beide erholten sich von stärkeren zwischenzeitlichen Verlusten. 23 |
Schluss mit minus 0,68 beziehungsweise minus 0,14 Prozent. 23 |
Die Prozentwerte lassen sich wegen der unterschiedlichen Erhebungszeitpunkte nicht ohne Weiteres miteinander vergleichen. Für TSMC liegen in den verfügbaren Berichten keine verlässlichen Angaben zu Tagestief und Schlusskurs am 4. November vor.
Warum KI- und Chipaktien unter Druck gerieten
Anleger befürchteten, ein demokratisch geführter Kongress könnte KI- und Kryptowährungsunternehmen stärker ins Visier nehmen. Zugleich könnten Widerstand vor Ort und neue Vorgaben einzelner Bundesstaaten den Bau von Rechenzentren verlangsamen. Das war für Chiphersteller und Ausrüster relevant, weil der Ausbau der KI-Infrastruktur eine wichtige erwartete Nachfragequelle ist.
2
4
Besondere Aufmerksamkeit galt den Gouverneurswahlen in den US-Bundesstaaten. Die designierte Gouverneurin von Texas, Gina Hinojosa, hatte im Wahlkampf ein Moratorium für neue Rechenzentren gefordert. Das schürte Sorgen über künftige Bauvorhaben in einem wichtigen Technologiestandort.
13 Es handelte sich dabei um ein mögliches politisches Vorhaben – nicht um einen bereits geltenden landesweiten Baustopp.
Nicht alle Kursverluste gingen allein auf die Wahlreaktion zurück. Kioxias Prognose für den Zeitraum von Oktober bis Dezember blieb hinter den Markterwartungen zurück und lieferte damit einen zusätzlichen, unternehmensspezifischen Belastungsfaktor.
3
Die Erholung relativiert den Ausverkauf
Bis zum Börsenschluss machte der Nikkei einen großen Teil seiner Verluste wett. Der Kospi erholte sich von seinem Tagestief und drehte ins Plus. Auch Samsung Electronics und SK Hynix beendeten den Handel nach einer kräftigen zwischenzeitlichen Erholung nur leicht im Minus.
23
26 Der Handelstag zeigte damit eine abrupte Neubewertung politischer Risiken – aber keinen gleichmäßigen Einbruch bei allen Indizes und Chipaktien.
Die Berichte belegen die Erholung der Indizes, nicht aber, welchen Anteil daran Gewinne bei koreanischen Batterie- oder Pharmaaktien, klarere Wahlergebnisse oder steigende Nasdaq-Futures hatten. Ohne belastbarere Belege wäre es daher spekulativ, einzelne Faktoren als Ursache der Erholung herauszustellen.
Was das Börsensignal aussagt – und was nicht
Der Ausverkauf spiegelte Erwartungen zu Regulierung und Rechenzentren wider, nicht bereits beschlossene Änderungen an den KI-Regeln. Reuters zufolge rechneten Anleger außerdem mit politischem Stillstand zwischen dem Kongress und Präsident Donald Trump – ein Umstand, der den Weg von Wahlergebnissen zu konkreter Bundespolitik erschweren könnte.
2
Die verfügbaren Berichte belegen keine genaueren Aussagen zur Mehrheit im Senat, zu Trumps Vetomöglichkeiten, zu den Zuständigkeiten der Bundesstaaten für Genehmigungen und Netzanschlüsse oder zum Anteil von Texas und Georgia an den geplanten KI-Rechenzentrumsausgaben. Ebenso wenig lässt sich daraus ableiten, dass solche Faktoren die kurzfristigen Verlustrisiken an den Märkten begrenzen würden.
Die belastbare Schlussfolgerung ist enger: Die Wahl schürte Unsicherheit über die künftige Politik und setzte KI-nahe Aktien unter Druck. Kioxia litt zusätzlich unter seinem schwächer als erwartet ausgefallenen Ausblick; zugleich erholten sich wichtige Börsenindizes bis zum Handelsende deutlich.
2
3
23
26