Auch die Profitabilität stabilisierte sich. Der operative Gewinn stieg 2025 auf etwa 4,7 Milliarden Dollar, was darauf hindeutet, dass Chanel seine Margen trotz hoher Investitionen in Boutiquen und Markenaktivitäten halten konnte.
Ein zentraler Faktor für die Trendwende war die Arbeit des neuen Kreativdirektors Matthieu Blazy. Statt die Marke radikal umzubauen, konzentrierte er sich darauf, ikonische Chanel‑Produkte neu zu interpretieren.
Zu den neu interpretierten Klassikern gehören unter anderem:
Diese aktualisierten Klassiker trafen offenbar genau den Nerv der Kundschaft. Berichten zufolge überstieg die Nachfrage nach einigen neuen Modellen sogar das Angebot, was die starke Resonanz auf Blazys kreative Richtung unterstreicht.
Ein weiterer wichtiger Faktor war die steigende Zahl von Erstkäufern. Chanel gelang es, viele Konsumenten anzusprechen, die zuvor noch nie bei der Marke eingekauft hatten.
Das ist strategisch entscheidend: In der Luxusbranche hängt langfristiges Wachstum zunehmend davon ab, neue Käufer in die Marke einzuführen, nicht nur bestehende Kundschaft zu höheren Ausgaben zu bewegen. Durch die Gewinnung neuer Konsumenten erweitert Chanel seine zukünftige Nachfragebasis.
Chanel setzt traditionell auf eine Kombination aus hoher Preispositionierung und streng kontrollierter Distribution, um Exklusivität zu bewahren.
Ein wichtiges Merkmal: Das Unternehmen verkauft seine Mode‑ und Lederwarenkollektionen nicht online, sondern ausschließlich über eigene Boutiquen. Kunden müssen daher in Geschäfte kommen, um begehrte Produkte zu erwerben.
Neue Artikel – etwa hochwertige Leder‑Flap‑Bags oder luxuriöse Ballerinas – motivierten wohlhabende Käufer, gezielt in Boutiquen zu gehen. Diese Strategie stärkt die Markeninszenierung und trägt dazu bei, hohe Margen zu sichern.
Parallel zur Produktstrategie investiert Chanel weiterhin massiv in den stationären Handel. Das Unternehmen eröffnet neue Boutiquen und modernisiert bestehende Geschäfte, um das Einkaufserlebnis zu verbessern.
Für viele Luxusmarken sind Stores heute mehr als reine Verkaufsstellen – sie funktionieren als Erlebnisräume für die Marke und spielen eine zentrale Rolle in der langfristigen Markenstrategie.
Chanel kehrte zum Wachstum zurück, während der Luxusmarkt insgesamt eine schwierigere Phase durchlief. Ein Blick auf große Wettbewerber zeigt die unterschiedlichen Dynamiken.
Der Branchenriese LVMH meldete für 2025 80,8 Milliarden Euro Umsatz, allerdings mit einem Rückgang von 5 % auf berichteter Basis und etwa 1 % organisch. Der Gewinn aus wiederkehrenden Geschäften lag bei 17,8 Milliarden Euro, während der Nettogewinn im Jahresvergleich um rund 13 % sank.
Diese Entwicklung spiegelte eine schwächere Nachfrage in mehreren Kategorien wider, insbesondere bei Mode und Lederwaren.
Hermès blieb dagegen einer der klaren Gewinner im Luxussegment. Das Unternehmen erzielte 2025 16 Milliarden Euro Umsatz, ein Plus von 9 % bei konstanten Wechselkursen.
Der operative Gewinn aus dem laufenden Geschäft erreichte 6,6 Milliarden Euro, was einer operativen Marge von etwa 41 % entspricht – eine der höchsten im gesamten Luxusgütersektor.
Im Branchenvergleich liegt Chanel derzeit zwischen diesen beiden Extremen:
Das Ergebnis von 2025 deutet daher eher auf Stabilisierung als auf eine neue Boomphase hin.
Die Entwicklung von Chanel im Jahr 2025 verdeutlicht mehrere Trends im globalen Luxusgeschäft:
In einem Umfeld, in dem viele Luxusmarken mit nachlassender Nachfrage und Preisermüdung kämpfen, zeigt Chanels vorsichtige Erholung vor allem eines: Selbst in einem schwierigen Markt können starke Markenidentität und klug erneuerte Klassiker wieder Dynamik erzeugen.
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