Das 1:0 war Balsam für die österreichischen Nerven vor 68.527 Zuschauern im kalifornischen Santa Clara. Jordanien, das von Beginn an keinerlei Respekt zeigte, drängte noch vor der Pause auf den Ausgleich. Torhüter Alexander Schlager musste gegen Odeh Fakhoury klären, zudem trafen die Asiaten das Aluminium. Mit einer knappen Führung ging es in die Kabinen .
Nur fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff erlebte das Stadion einen magischen Moment, der in die jordanischen Geschichtsbücher eingehen wird. Ein Ballgewinn in der eigenen Hälfte leitete den Angriff ein. Noor Al-Rawabdeh schickte Ali Olwan auf der linken Seite steil. Der Stürmer zog in den Sechzehner und zimmerte den Ball mit einem herrlichen Rechtsschuss an Alexander Schlager vorbei an den langen Pfosten – das allererste Tor Jordaniens bei einer Fußball-Weltmeisterschaft .
Olwan, Jordaniens bester Torschütze in der Qualifikation, hatte zuvor bereits mit einem Kopfball für Gefahr gesorgt. Sein Treffer war der verdiente Lohn für eine mutige und spielfreudige Vorstellung des Außenseiters. Nach dem 1:1 kippte die Partie, und Jordanien schnupperte an der Sensation. Rangnick reagierte mit einem Dreifachwechsel und brachte unter anderem Routinier Marko Arnautovic, um neue Impulse zu setzen .
Die Partie steuerte auf ein Unentschieden zu – oder Schlimmeres für den Favoriten aus Europa. Dann kam die 76. Minute. Marcel Sabitzer, der in der zweiten Halbzeit immer wieder für Gefahr sorgte, trat einen Eckball von der linken Seite. Die Hereingabe segelte in den Fünfmeterraum, wo der jordanische Verteidiger Yazan Al-Arab das Spielgerät unglücklich mit dem Kopf ins eigene Tor verlängerte. Es war ein harter Schlag für eine jordanische Mannschaft, die bis zu diesem Zeitpunkt auf Augenhöhe agiert und bei Torschüssen sowie Schüssen aufs Tor mitgehalten hatte .
Doch mit dem 2:1 im Rücken war der Bann gebrochen. Österreich bekam Sicherheit, während die Kräfte des Neulings langsam schwanden. Jordanien musste nun öffnen, was Räume für Konter bot.
Kurios: Bereits in der 69. Minute hatte Österreich vermeintlich auf 2:1 gestellt, als Arnautovic nach einer Ecke aus kurzer Distanz abstaubte. Der Videobeweis (VAR) griff jedoch ein und erkannte den Treffer wegen eines Handspiels von Stefan Posch im Vorfeld zu Recht ab .
Als sich die Partie bereits tief in der Nachspielzeit befand, schlug das VAR-Schicksal dann zugunsten der ÖFB-Elf zu. In der zehnten Minute der Nachspielzeit entschied der Unparteiische nach Ansicht der Bilder auf Strafstoß: Saleem Obaid hatte den Ball unglücklich mit der Hand gespielt. Eine harte, aber vertretbare Entscheidung .
Der eingewechselte Marko Arnautovic schnappte sich in der zwölften Minute der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit (90.+12) die Kugel und verwandelte eiskalt flach ins linke untere Eck zum 3:1-Endstand. Der 37-jährige Routinier, dessen Tor zuvor noch annulliert worden war, machte den Deckel auf ein intensives, kampfbetontes Spiel .
Durch den Sieg setzte sich Österreich gemeinsam mit Argentinien an die Tabellenspitze der Gruppe J. Für Jordanien war die Niederlage bitter, denn die Leistung der Mannschaft von Trainer Jamal Sellami hätte zumindest einen Punkt verdient gehabt. Der WM-Debütant agierte über weite Strecken auf Augenhöhe, letztlich waren es aber zwei kostspielige individuelle Fehler in der Defensive, die alle Hoffnungen zunichtemachten .
Österreich dagegen beendete das 36-jährige Warten auf einen vollen Erfolg und darf nun fest mit dem Einzug in die K.-o.-Runde planen .
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