Weniger Regen und zusätzliche Hitzebelastung können sowohl Grundnahrungsmittel als auch wichtige Exportprodukte treffen. Besonders empfindlich gelten unter anderem:
Diese Kulturen werden überwiegend in tropischen Regionen angebaut – genau dort, wo El‑Niño‑bedingte Wetterverschiebungen häufig auftreten. Da die weltweiten Lagerbestände einiger dieser Rohstoffe bereits relativ knapp sind, können selbst kleinere Produktionsausfälle schnell deutliche Preisbewegungen auslösen.
Marktanalysten warnen deshalb, dass insbesondere sogenannte „Soft Commodities“ – etwa Zucker, Kakao und Kaffee – stark auf mögliche El‑Niño‑bedingte Produktionsstörungen reagieren könnten.
Zu den Klimarisiken kommt ein weiterer Belastungsfaktor: steigende Kosten für landwirtschaftliche Inputs.
Spannungen im Nahen Osten und die zeitweise Blockade der Straße von Hormus – einer der wichtigsten Handelsrouten für Energie – haben Lieferungen von Treibstoff und Düngemitteln beeinträchtigt. Dadurch wurden weltweit Preise und Verfügbarkeit dieser Güter unter Druck gesetzt.
Laut Weltbank stiegen die Düngemittelpreise Anfang 2026 deutlich an. Der Preis für Harnstoff (Urea) erhöhte sich zwischen Februar und März um etwa 46 %. Diese Kostensteigerung wirkt sich mit Verzögerung auf kommende Pflanz‑ und Erntezyklen aus.
Teurere Energie und Dünger beeinflussen die Landwirtschaft auf mehrere Arten:
Treffen solche Kostensteigerungen gleichzeitig mit klimabedingten Produktionsproblemen zusammen, verstärken sich die Effekte häufig gegenseitig.
Lebensmittelinflation entsteht meist nicht über Nacht. Typischerweise verläuft der Prozess in mehreren Schritten:
Die Weltbank weist darauf hin, dass die Preise für wichtige Grundnahrungsmittel Anfang 2026 zwar noch relativ stabil waren, frühzeitige Marktindikatoren jedoch bereits auf zunehmenden Inflationsdruck hindeuten, da Energie‑ und Düngerstörungen sich durch die Lieferketten bewegen.
Wie stark steigende Lebensmittelpreise Haushalte treffen, hängt stark von der jeweiligen wirtschaftlichen Lage ab. Regionen, in denen ein großer Teil des Einkommens für Nahrung ausgegeben wird, reagieren besonders empfindlich.
Ein Beispiel ist Lateinamerika und die Karibik. Laut einem UN‑Bericht ist der Anteil unterernährter Menschen dort in den letzten Jahren zwar gesunken und lag 2024 bei etwa 5,1 % der Bevölkerung.
Trotz dieser Fortschritte bleibt die Bezahlbarkeit von Lebensmitteln ein großes Problem. Das Welternährungsprogramm schätzt, dass rund 183 Millionen Menschen in der Region sich keine gesunde Ernährung leisten können.
Selbst moderate Preissteigerungen bei wichtigen Rohstoffen können daher erhebliche soziale Auswirkungen haben.
Obwohl El Niño derzeit als wahrscheinlich gilt, bleibt die tatsächliche Stärke des Ereignisses noch unklar. In den aktuellen NOAA‑Prognosen dominiert bislang keine Intensitätskategorie eindeutig.
Für die Auswirkungen auf Lebensmittelpreise sind vor allem drei Faktoren entscheidend:
Bleiben Wetterstörungen moderat und normalisieren sich Düngermärkte, könnte der Effekt begrenzt sein. Treffen jedoch ein starkes El‑Niño‑Ereignis und anhaltende Input‑Engpässe zusammen, könnte sich die Lebensmittelinflation bis 2027 deutlich verstärken.
Das erwartete El‑Niño‑Ereignis 2026–27 fällt in eine ohnehin angespannte Phase für die globale Landwirtschaft. Klimarisiken, steigende Energiepreise und knappe Rohstoffmärkte treten gleichzeitig auf.
Jeder dieser Faktoren kann für sich genommen Agrarpreise bewegen. Gemeinsam erhöhen sie die Wahrscheinlichkeit, dass Verbraucher weltweit bald wieder höhere Preise für alltägliche Lebensmittel sehen könnten – von Kaffee und Schokolade bis hin zu Zuckerprodukten und Speiseölen.
Ob daraus eine größere globale Inflationswelle entsteht, hängt vor allem davon ab, wie stark das Klimaphänomen tatsächlich ausfällt und wie robust die globalen Lieferketten reagieren.
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