Analysten von Goldman Sachs warnen, dass anhaltende Störungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus die Versorgung mit diesen Chemikalien einschränken könnten. Gleichzeitig verschärfen politische Maßnahmen wie chinesische Exportbeschränkungen für Schwefelsäure die Situation zusätzlich.
Die Folge: Ein geopolitischer Konflikt, der zunächst den Ölhandel betrifft, kann indirekt auch die Produktion eines Industriemetalls wie Kupfer dämpfen.
Langfristig wird der Kupfermarkt jedoch nicht nur von geopolitischen Risiken bestimmt.
Kupfer ist ein Schlüsselmaterial für elektrische Infrastruktur: Stromnetze, Elektromotoren, Batterien, Ladeinfrastruktur und erneuerbare Energien benötigen große Mengen an Leitungen und Komponenten aus dem Metall.
Hinzu kommt ein neuer Faktor: der globale Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz. Diese Anlagen verbrauchen enorme Mengen Strom und erfordern umfangreiche elektrische Infrastruktur – von Transformatoren über Kabel bis hin zu Stromverteilnetzen. All das erhöht den Bedarf an Kupfer.
Analysten sehen deshalb eine breitere Rohstoffrally, die nicht nur mit geopolitischen Krisen zusammenhängt, sondern mit Investitionen in Technologie‑ und Energieinfrastruktur.
Kupfer‑Futures lagen zuletzt weiterhin deutlich über sechs US‑Dollar pro Pfund, nachdem sie Mitte Mai ein Rekordhoch von rund 6,65 Dollar erreicht hatten. Trotz kleiner Rücksetzer bleibt das Preisniveau historisch hoch.
Ein Grund dafür ist, dass Energiepreise und geopolitische Risiken weiterhin Produktionskosten und Markterwartungen beeinflussen.
Große Investmentbanken sind sich einig, dass kurzfristige Schwankungen wahrscheinlich bleiben – unterscheiden sich aber beim längerfristigen Ausblick.
Goldman Sachs erwartet, dass der globale Kupfermarkt 2026 vorübergehend in einen Überschuss rutschen könnte. Die Bank prognostiziert einen durchschnittlichen Preis von etwa 12.650 US‑Dollar pro Tonne. Ursache wären moderates Nachfragewachstum und mögliche Angebotssteigerungen.
Gleichzeitig betonen die Analysten, dass Risiken in den Lieferketten – etwa bei Schwefelsäure oder im Seeverkehr – jederzeit kurzfristige Engpässe verursachen könnten.
UBS ist deutlich optimistischer. Die Schweizer Großbank erwartet steigende Preise und hält rund 15.000 US‑Dollar pro Tonne bis Anfang 2027 für möglich. Als Hauptgründe nennt sie strukturelle Angebotsengpässe und die wachsende Nachfrage durch Elektrifizierung und Infrastrukturinvestitionen.
Ein dauerhaftes Abkommen zwischen den USA und Iran könnte mehrere kurzfristige Belastungen für den Markt reduzieren:
Doch selbst wenn diese Faktoren nachlassen, bleiben die langfristigen Treiber bestehen. Investitionen in Stromnetze, erneuerbare Energien und digitale Infrastruktur sorgen dafür, dass die Kupfernachfrage voraussichtlich noch viele Jahre steigt.
Der aktuelle Kupferboom hat keine einzelne Ursache.
Kurzfristig sorgen geopolitische Risiken – insbesondere rund um die Straße von Hormus – für Angebotsängste und Preissprünge. Gleichzeitig wächst die strukturelle Nachfrage durch Elektrifizierung, erneuerbare Energien und KI‑Infrastruktur.
Selbst wenn diplomatische Fortschritte im Nahen Osten die Lage entspannen, dürfte Kupfer deshalb eines der strategisch wichtigsten und volatilsten Industriemetalle dieses Jahrzehnts bleiben.
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