Der Engpass beginnt in den Rechenzentren. Cloud-Anbieter und KI-Labore kaufen Millionen von Beschleunigerkarten von NVIDIA und benötigen dafür große Mengen an High-Bandwidth Memory (HBM) – besonders schnellen Speicher, der direkt mit den KI-Chips zusammenarbeitet.
SK Hynix erklärte, die gesamte DRAM-, NAND- und HBM-Produktion für 2026 sei im Wesentlichen ausverkauft . Auch ein Vizepräsident von Micron sagte: „we are completely sold out for 2026“ .
Das Problem: Wafer, die für HBM verwendet werden, stehen nicht gleichzeitig für konventionellen DRAM zur Verfügung. Dadurch wird die Produktion von DDR5 für PCs sowie GDDR6 und GDDR7 für Grafikkarten eingeschränkt. TrendForce erwartet, dass HBM Ende 2026 rund 22 Prozent der gesamten DRAM-Waferzufuhr ausmachen wird. Ende 2027 könnten es bereits 30 Prozent sein . Die Deutsche Bank rechnet für 2026 mit einem Kapazitätsdefizit von ungefähr 10 Prozent gegenüber der DRAM-Nachfrage .
Auch HBM3E selbst ist nicht günstiger geworden: Die Preise für Lieferungen im Jahr 2026 stiegen um etwa 20 Prozent . Die Hersteller konzentrieren sich damit auf den lukrativeren KI-Markt – und verschärfen den Kostendruck bei Produkten für Endkunden.
Am deutlichsten zeigt sich die Krise bei den GeForce-Grafikkarten der RTX-50-Serie. NVIDIA soll die Versorgung seiner Fertigungspartner um bis zu 20 Prozent gekürzt haben; bei einzelnen Modellen wurden für das erste Halbjahr 2026 sogar Rückgänge von 30 bis 40 Prozent genannt . Seit Ende 2025 sind die Preise der RTX-50-Serie weltweit um etwa 15 bis 20 Prozent gestiegen .
Das Spitzenmodell GeForce RTX 5090 hatte ursprünglich eine unverbindliche Preisempfehlung von 1.999 bis 2.199 US-Dollar. Auf dem Sekundärmarkt wurde die Karte im April 2026 jedoch für 5.000 bis 6.000 US-Dollar angeboten – mehr als 150 Prozent über dem Listenpreis . Zur Jahresmitte lagen die beobachteten Straßenpreise je nach Händler und Vertriebskanal bei etwa 3.500 bis 6.000 US-Dollar. Das entspricht einem Aufschlag von ungefähr 75 bis 200 Prozent .
Selbst die inzwischen eingestellte RTX 4090 kostete gebraucht weiterhin mehr als 2.500 US-Dollar . Ende Juli berichtete zudem ein Branchenmedium, NVIDIA bereite nach einer DRAM-Preiserhöhung von Samsung weitere Preissteigerungen von bis zu 30 Prozent vor .
Auch professionelle KI-Hardware bleibt extrem teuer:
Auch AMD reicht die höheren VRAM-Kosten an den Markt weiter. Die Preise der Radeon-RX-9000-Serie stiegen Anfang 2026 je nach Modell um 10 bis 17 Prozent. Die Radeon RX 9070 XT verzeichnete mit 17 Prozent den größten Anstieg . Ein Grund dafür: AMDs Fertigungspartner sollen pro 8 GB VRAM 10 US-Dollar mehr bezahlen .
Im Juli folgte eine weitere Preisrunde von ungefähr 10 Prozent auf sogenannte „GPU plus Speicher“-Pakete. Diese betrifft die gesamte RX-9000-Reihe; Modelle mit besonders viel VRAM sind stärker unter Druck .
David McAfee, AMDs Vizepräsident und General Manager für Ryzen und Radeon, bestätigte öffentlich die Auswirkungen des DRAM-Engpasses. AMD wolle die Erhöhungen „in vertretbaren Grenzen“ halten . Die Marktpreise zeigen dennoch eine deutliche Abweichung vom Listenpreis: Die Radeon RX 9070 XT mit einer ursprünglichen Preisempfehlung von 599 US-Dollar wurde im Juli für etwa 599 bis 989 US-Dollar angeboten .
Eine konkrete, separat angekündigte Preiserhöhung von GIGABYTE ist in den vorliegenden Quellen nicht dokumentiert. Als großer Add-in-Board-Partner (AIB) von NVIDIA und AMD ist das Unternehmen jedoch direkt von den höheren Chip- und Speicherpreisen betroffen.
NVIDIAs Lieferkürzung von bis zu 20 Prozent bedeutet für Partner weniger verfügbare RTX-50-Chips . Gleichzeitig verteuern sich GDDR6 und GDDR7. Die von NVIDIA und AMD angehobenen Preise für GPU-Speicher-Bundles erhöhen daher den Einkaufspreis der Board-Partner und können sich in höheren Endkundenpreisen niederschlagen .
Der Druck beschränkt sich nicht auf einzelne Marken. PC-Hersteller berichten laut Bloomberg von steigenden Kosten, die vor allem durch teureren DRAM- und NAND-Speicher verursacht werden. Die Preisvolatilität könnte demnach bis ins Geschäftsjahr 2027 anhalten .
Besonders aufschlussreich ist, dass nun auch Apple die höheren Kosten nicht mehr vollständig abfedern kann. Der Konzern erhöhte mit Wirkung zum 25. Juni 2026 die Preise mehrerer MacBook- und iPad-Modelle . Der Einstiegspreis des MacBook Neo stieg von 599 auf 699 US-Dollar .
Apple-Chef Tim Cook bezeichnete Preiserhöhungen in einem Interview mit dem Wall Street Journal als „unavoidable“ – also unvermeidbar. Er verwies auf den RAM-Engpass und erklärte, die Situation sei „unsustainable“, nicht länger tragbar . Apple sprach von einem außergewöhnlich schnellen Anstieg der Komponentenpreise .
Anfang 2026 hatte Apple dank langfristiger Lieferverträge noch besser vor den Folgen geschützt gewirkt als viele Wettbewerber . Doch auslaufende Verträge und weiter steigende DRAM-Preise schwächten diesen Vorteil . Medien prägten dafür Begriffe wie „RAM-ageddon“ und eine „KI-Steuer“ für Verbraucher . Weitere Preiserhöhungen schließt Apple nicht aus .
Die bisher gemeldeten Apple-Erhöhungen betreffen nicht das iPhone als wichtigstes Umsatzprodukt des Konzerns . Das ändert jedoch nichts am Signal für den Gesamtmarkt: Wenn selbst Apple seine Einkaufsvorteile nicht mehr vollständig nutzen kann, dürfte der Spielraum vieler anderer Hersteller noch kleiner sein.
Die Speicherknappheit trifft auch Notebooks, Komplett-PCs, Smartphones, SSDs und weitere Elektronik. IDC erwartet für 2026 ein Minus von 10,4 Prozent bei den weltweiten PC-Auslieferungen und von 8,4 Prozent bei den Smartphone-Auslieferungen .
Bei Smartphones könnte der durchschnittliche Verkaufspreis in einem moderaten Szenario um 3 bis 5 Prozent steigen. In einem pessimistischen Szenario rechnet IDC mit 6 bis 8 Prozent . Die Preisexpertin Aparna Mathur von der NYU Stern beschreibt den Vorgang als klassischen Übersprungseffekt: Die Nachfrage steigt zunächst in einem Markt – bei KI-Beschleunigern –, und die Kostenwelle schwappt anschließend auf andere Produktgruppen über .
Für Käufer bedeutet das nicht zwingend, dass jedes Gerät sofort im gleichen Umfang teurer wird. Hersteller können Preissteigerungen zeitweise durch Lagerbestände, Verträge, geringere Margen oder veränderte Ausstattung auffangen. Auf Dauer lassen sich die höheren Speicherpreise jedoch schwer aus der gesamten Lieferkette herausrechnen.
Eine schnelle Rückkehr zu normalen Preisen zeichnet sich nicht ab. TrendForce erwartet, dass HBM bis 2027 weitere DRAM-Waferkapazitäten bindet . Samsung warnt, dass erhebliche Engpässe mindestens bis 2027 andauern könnten .
Microns neu angekündigte Fabrik wird voraussichtlich erst ungefähr im dritten Quartal 2028 nennenswerte Mengen liefern . Bloomberg kommt deshalb zu dem Schluss: „There’s no relief until 2028“ – vor 2028 sei keine Entspannung zu erwarten . Kearney setzt eine vollständige Erholung des Marktes sogar erst für einen Zeitraum bis 2030 an .
Für Verbraucher ist die Konsequenz klar: Wer 2026 eine leistungsstarke Grafikkarte, einen neuen PC oder ein MacBook kaufen möchte, sollte nicht automatisch mit sinkenden Preisen in wenigen Monaten rechnen. Bei GPUs lohnt sich ein Vergleich zwischen Listenpreis, tatsächlichem Straßenpreis und Gebrauchtmarkt besonders. Wer nicht dringend aufrüsten muss, muss sich zugleich auf einen langen Atem einstellen: Die aktuellen Aufschläge könnten noch zwei bis vier Jahre Teil des Marktes bleiben.