UBS lotet offenbar vorsorglich mehrere Szenarien aus, falls die Schweiz die Kapitalvorschriften für die Großbank besonders streng ausgestaltet. Dazu zählen ein Umzug des Hauptsitzes, eine Fusion mit einer anderen Bank, der Kauf kleinerer US-Banken oder sogar eine Übernahme von UBS. Laut den Berichten wird derzeit jedoch über keinen konkreten Deal verhandelt.
5
19
Im Zentrum des Streits steht die Frage, wie viel Kapital UBS für ihre ausländischen Tochtergesellschaften vorhalten muss. Der Ständerat, die kleine Kammer des Schweizer Parlaments, sprach sich für eine Unterlegung von 90 Prozent aus. Die Politik muss nun abwägen, wie sie das Bankensystem stärken kann, ohne UBS als Schweizer Standort zu verlieren – oder mit einer zu milden Lösung ein Referendum und damit längere Unsicherheit zu riskieren.
18
1
Welche Optionen UBS offenbar prüft
Die Szenarien sind an eine Bedingung geknüpft: Reuters zufolge erwägt UBS einen Wechsel des Hauptsitzes oder eine Fusion, falls die endgültigen Regeln aus Sicht der Bank übermäßig streng ausfallen. Zu den möglichen Optionen zählen demnach auch eine Liste kleinerer US-Banken, die UBS kaufen könnte, sowie die Möglichkeit, dass UBS selbst übernommen wird. Aktive Gespräche gebe es nicht, heißt es in der Berichterstattung.
5
19
Das ist ein wichtiger Unterschied: Szenarien zu prüfen bedeutet nicht, dass UBS den Wegzug beschlossen, ein Zielland ausgewählt oder Verhandlungen aufgenommen hat. Die britische Regierung soll bei UBS für London als möglichen Standort des Hauptsitzes und der Börsennotierung geworben haben – falls die Bank die Schweiz verlassen sollte. Auch das belegt jedoch keine Umzugsentscheidung.
3
9
Zugleich wurde berichtet, dass UBS in der Schweiz bleiben möchte. Der Großaktionär Artisan Partners hat die Bank dagegen aufgefordert, einen Wegzug zu erwägen. Damit wächst der Druck auf das Institut auch von Investorenseite.
11
1
30
Was der Vorschlag bei den Kapitalregeln verändern würde
Der Ständerat stimmte dafür, dass UBS ihre ausländischen Einheiten mit 90 Prozent hartem Kernkapital (Common Equity Tier 1, CET1) unterlegen muss. Reuters zufolge fiel das Votum strenger aus, als viele politische Beobachter erwartet hatten. UBS schätzte, dass die Änderung rund 18 Milliarden US-Dollar zusätzliches Kapital erfordern könnte.
18
44
Andere Berichte nennen eine niedrigere Schätzung von etwa 16 Milliarden US-Dollar. Die Beträge sind daher als Schätzungen zu verstehen; eine einheitliche, abschließend feststehende Summe ergibt sich aus den Berichten nicht.
18
45
Politiker aus der Mitte-rechts wollen einen Kompromiss von 75 Prozent statt der vom Ständerat beschlossenen 90 Prozent prüfen. Das zeigt, dass nach einer Zwischenlösung gesucht wird – legt aber noch nicht fest, worauf sich der Nationalrat am Ende einigen wird.
49
Warum ein Wegzug möglich, aber nicht sicher ist
UBS-Chef Sergio Ermotti hat die Abgeordneten vor aus seiner Sicht übermäßig strengen Kapitalvorgaben gewarnt. Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher ließ erkennen, dass die Bank einen Umzug des Hauptsitzes erwägen müsste, falls die Regeln ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber internationalen Konkurrenten beeinträchtigen würden.
20
21
Schweizer Regierungsvertreter halten einen Wegzug nicht für zwangsläufig. Finanzministerin Karin Keller-Sutter sagte, ein Verlassen der Schweiz wäre teurer und rechtlich komplizierter als ein Verbleib. Reuters berichtete, sie halte einen Umzug für unwahrscheinlich.
2
47
Das politische Dilemma: Strengere Regeln sollen Lehren aus dem Zusammenbruch der Credit Suisse im Jahr 2023 ziehen. Zugleich könnten sie UBS dazu bringen, die Schweiz als Standort infrage zu stellen. Eine weichere Regelung wiederum könnte ein Referendum auslösen und die Unsicherheit verlängern.
1
Wie es weitergeht
Einem Reuters-Bericht zufolge sollte ein Ausschuss des Nationalrats am 26. Oktober mit der Beratung der Bankenregeln beginnen. Auch eine Debatte im Nationalrat im Dezember wurde im Zusammenhang mit dem vorgeschlagenen Kompromiss von 75 Prozent erwartet. Wie das Gesetz letztlich aussehen und wann es verabschiedet wird, ist aber noch offen.
1
46
Derzeit lässt sich daher vor allem eines festhalten: UBS prüft laut Berichten mehrere mögliche Reaktionen, während das Schweizer Gesetzgebungsverfahren weiterläuft. Ein Umzug, eine Fusion, ein Kauf einer US-Bank oder eine Übernahme sind mögliche Szenarien – keine bestätigten Pläne oder laufenden Transaktionen.
5
19