Ein weiterer wichtiger Treiber ist die mögliche Aufnahme in den Hang Seng Tech Index – den wichtigsten Technologieindex Hongkongs, vergleichbar mit einem regionalen Pendant zum Nasdaq‑Techsegment.
Analysten gehen davon aus, dass sowohl MiniMax als auch Zhipu AI in den Index aufgenommen werden könnten, zusammen mit einer Gewichtung von etwa 5 % bis 7 % .
Das hätte unmittelbare Folgen für Kapitalflüsse: Fonds, die den Index nachbilden, müssten die Aktien automatisch kaufen. Schätzungen zufolge könnte dies zwischen 1,25 und 1,75 Milliarden US‑Dollar an passiven Zuflüssen auslösen .
Weil Marktteilnehmer solche Effekte kennen, kaufen viele Investoren schon vor der offiziellen Indexanpassung. Diese sogenannte „Pre‑Inclusion‑Strategie“ kann Kurse stark beschleunigen.
Allerdings gibt es auch ein bekanntes Gegenrisiko: Sobald die Aufnahme tatsächlich erfolgt, kann das Ereignis zu einem klassischen „Sell‑the‑News“‑Moment werden, wenn frühe Käufer Gewinne realisieren.
Der wohl wichtigste kurzfristige Risikofaktor sind auslaufende Lockup‑Fristen nach dem Börsengang.
Während dieser Zeit dürfen Insider, Mitarbeiter und Frühinvestoren ihre Aktien nicht verkaufen. Sobald diese Beschränkungen enden, kann plötzlich ein deutlich größeres Angebot an Aktien auf den Markt kommen.
Bei Unternehmen, deren Aktien bereits um mehrere hundert Prozent gestiegen sind, steigt der Anreiz für frühe Investoren erheblich, Gewinne mitzunehmen. Marktberichte weisen darauf hin, dass entsprechende Lockup‑Abläufe später im Jahr zu einem spürbaren Angebotsanstieg führen könnten .
Wenn viele frühe Anteilseigner gleichzeitig verkaufen, könnte das den Kurs erheblich unter Druck setzen – besonders bei Aktien, deren Rally teilweise durch Knappheit getrieben wurde.
Auffällig ist außerdem, dass Kapital verstärkt in reine KI‑Unternehmen fließt, während große Plattformkonzerne wie Alibaba oder Tencent weniger stark von der KI‑Euphorie profitieren.
Der Hauptgrund ist die Art der Investmentstory.
Unternehmen wie MiniMax oder Zhipu gelten als direkte Wetten auf den KI‑Boom in China. Ihr Wachstum hängt hauptsächlich von der Entwicklung großer Sprachmodelle, neuen Anwendungen und steigender Nutzung von KI‑Services ab.
Bei Konzernen wie Alibaba oder Tencent ist das anders. Sie investieren zwar massiv in KI, doch diese Technologie ist nur ein Teil eines viel größeren Geschäfts – mit E‑Commerce, Gaming, Cloud‑Services, Werbung und Fintech.
Für Anleger bedeutet das: Der KI‑Effekt ist dort verwässert. Pure‑Play‑Startups bieten dagegen eine klarere, thematische Positionierung.
Hinzu kommt die Hoffnung auf sogenannte „Killer‑Apps“ – also Anwendungen, die KI massenhaft verbreiten und plötzlich starkes Umsatzwachstum auslösen könnten .
Trotz der Euphorie sind die wirtschaftlichen Grundlagen vieler KI‑Startups noch unsicher.
Das Training großer KI‑Modelle erfordert enorme Investitionen in Rechenleistung, Daten und Infrastruktur. Berichten zufolge haben MiniMax und Zhipu in den vergangenen Jahren zusammen rund 11 Milliarden Yuan (etwa 1,6 Milliarden US‑Dollar) ausgegeben, ein großer Teil davon für Rechenkapazitäten .
Beide Unternehmen wachsen zwar, rechnen jedoch weiterhin mit Verlusten, während sie ihre Technologie skalieren.
Viele Investoren akzeptieren diese Situation derzeit, weil sie auf langfristige Marktführerschaft setzen. Doch diese Geduld könnte schwinden, wenn sich nicht zeigt, dass KI‑Innovationen auch nachhaltige Einnahmen generieren.
Der Höhenflug chinesischer KI‑Startups in Hongkong ist das Ergebnis aus KI‑Hype und Börsenmechanik. Ein kleiner Free Float, Erwartungen an Indexaufnahme und starke Nachfrage nach KI‑Pure‑Plays haben die Kurse nach oben getrieben.
Genau diese Faktoren machen den Markt jedoch auch anfällig. Wenn Lockups auslaufen, Liquidität steigt oder die Monetarisierung der KI langsamer vorankommt als erwartet, könnte sich zeigen, ob die aktuellen Bewertungen durch langfristiges Wachstum gerechtfertigt sind – oder vor allem durch Knappheit und Momentum entstanden sind.
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