Alle drei Unternehmen haben nach Angaben aus der Branche Mitte 2026 Zertifizierungsverfahren abgeschlossen und CXMT-DRAM für eine begrenzte Zahl von Notebook-Modellen freigegeben . Die Beschaffung bleibt bewusst eng begrenzt: niedrige Stückzahlen, einfache Geräteklassen und keine Nutzung für den US-Markt.
HP und Dell hatten bereits zuvor damit begonnen, CXMT-Speicher vorsorglich zu qualifizieren. Acer und Asus forderten ihre chinesischen Auftragsfertiger auf, nach Möglichkeit lokal produzierten Arbeitsspeicher zu beschaffen . Acer erklärte außerdem, man prüfe mehrere kleinere und neue Zulieferer, um die Abhängigkeit von den etablierten Großanbietern zu reduzieren .
Asus hatte bereits Ende 2025 mitgeteilt, die eigenen Speicherbestände und Fertigprodukte reichten ungefähr zwei Monate. Sollte sich die Lage 2026 nicht entspannen, könnten Preiserhöhungen notwendig werden .
Die aktuelle Krise ist nicht einfach eine Wiederholung des pandemiebedingten Chipmangels. Im Zentrum steht eine strukturelle Umverteilung der Produktionskapazitäten. Samsung, SK hynix und Micron beherrschen zusammen mehr als 95 Prozent der weltweiten DRAM-Produktion .
Die drei Hersteller verlagern ihre Fertigung systematisch auf lukrativere Speicherprodukte für KI-Rechenzentren:
HBM benötigt pro Gigabyte ungefähr die dreifache Wafer-Kapazität von Standard-DDR5 . Vereinfacht gesagt: Jeder Produktionsschritt für HBM nimmt Kapazität aus einem Markt, in dem auch Notebooks, Desktop-PCs und andere Alltagsgeräte versorgt werden müssten.
Die Folge sind stark gestiegene Preise. Für DDR4 und DDR5 werden Zuwächse von rund 80 bis 90 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorquartal genannt; Standard-Speicher wird wieder kontingentiert . Gleichzeitig priorisieren die großen Speicherhersteller Kunden aus dem KI-Geschäft, darunter Nvidia, Google und Amazon . Samsung warnte, dass der Mangel 2026 zu breiten Preissteigerungen in der Elektronikbranche führen werde .
CXMT ist für westliche PC-Hersteller keine politisch neutrale Ausweichquelle. Das Unternehmen steht auf der sogenannten Section-1260H-Liste des US-Verteidigungsministeriums, auf der chinesische Unternehmen mit mutmaßlichen Verbindungen zum Militär geführt werden . Die Einstufung schränkt Verträge mit dem US-Verteidigungsministerium ein, verbietet US-Unternehmen aber nicht automatisch jeden kommerziellen Einkauf bei CXMT.
Das größere Risiko wäre eine Aufnahme in die Entity List des US-Handelsministeriums. Diese Liste unterliegt deutlich strengeren Regeln. Ein solcher Schritt könnte Exportgenehmigungen für US-Unternehmen oder Firmen, die US-Technologie verwenden, erheblich erschweren. Apple soll deshalb Berichten zufolge vor möglichen Käufen eine Zusicherung anstreben, dass CXMT nicht auf diese Liste gesetzt wird .
Bereits heute verhindern US-Exportkontrollen, dass CXMT auf bestimmte moderne Anlagen zur Chipfertigung zugreift, darunter fortschrittliche Lithografiesysteme von Zulieferern wie ASML . Das begrenzt sowohl die technologische Entwicklung als auch den Ausbau der Produktionskapazitäten. Analysten erwarten deshalb, dass CXMT seine Fertigung unter den bestehenden Beschränkungen nur eingeschränkt erweitern kann .
Auch unabhängig von der Politik ist CXMT noch kein gleichwertiger Ersatz für Samsung, SK hynix und Micron. Die Massenproduktion eigener DDR5-Chips wurde bis Ende 2025 verzögert, nachdem frühe Muster bei Temperaturen um 60 Grad Celsius Stabilitätsprobleme gezeigt hatten. Diese Temperaturen können in kompakten Geräten durchaus auftreten .
CXMTs G4-Fertigung arbeitet mit einer Strukturbreite von etwa 16 Nanometern und liegt damit laut den zugrunde liegenden Analysen ungefähr zwei Technologiegenerationen hinter Samsung und SK hynix . Zudem produziert CXMT kein HBM – also genau jenen Speichertyp, der für KI-Anwendungen besonders knapp und gefragt ist. Der Zugang zu den dafür benötigten fortschrittlichen Anlagen wird durch US-Exportbeschränkungen erschwert .
Auch bei der Menge kann CXMT mit den etablierten Herstellern nicht mithalten. Die eigene Produktionsleistung bleibt nur ein kleiner Bruchteil der Kapazitäten der drei Marktführer . Das erklärt, warum die chinesischen Chips bislang vor allem in günstigen, nicht für den US-Markt bestimmten Geräten auftauchen.
Für HP, Asus und Acer kann CXMT kurzfristig etwas Druck aus dem Einkauf nehmen. Standard-DRAM ist knapp und teuer, während chinesische Anbieter zumindest bei konventionellen Speicherchips eine zusätzliche Bezugsquelle darstellen.
Als langfristiger Ersatz für Samsung, SK hynix und Micron taugt CXMT derzeit jedoch nicht. Die geopolitische Unsicherheit, die eingeschränkte Fertigungstechnik, fehlende HBM-Produktion, begrenzte Kapazitäten und frühere Qualitätsprobleme setzen dem Unternehmen klare Grenzen.
Die PC-Hersteller greifen deshalb nicht auf CXMT zurück, weil damit bereits eine neue Normalität entstanden wäre. Sie tun es, weil ihnen angesichts des KI-getriebenen Speichermangels kurzfristig nur wenige Alternativen bleiben. Ob daraus mehr wird als eine Übergangslösung, hängt letztlich weniger von den Einkaufsabteilungen der PC-Hersteller ab als von den nächsten Entscheidungen in Washington.