Die menschliche Form ist dabei nicht nur Show. Kopf, Oberkörper und bewegliche Arme machen die Roboter für Autofahrer und Fußgänger auffälliger als einen gewöhnlichen Sensor am Straßenrand. Trotzdem ist ihr Einsatz räumlich begrenzt: Sie bewegen sich auf festgelegten Routen oder arbeiten an zugewiesenen Kreuzungen, statt sich frei in der gesamten Stadt zu bewegen.
Nach den verfügbaren Berichten arbeiten die Roboter regulär etwa von 7 bis 18 Uhr. Sie folgen vorgegebenen Routen oder bleiben an definierten Standorten. Polizeiteams überwachen sie über eine zentrale Plattform.
Das Programm ähnelt damit eher einer beaufsichtigten robotischen Verkehrshilfe als einer unabhängigen Streife. Die T2-Einheiten können wahrnehmen, signalisieren, sprechen und Vorgänge aufzeichnen. Wenn ein Vorfall geprüft oder weiterverfolgt werden muss, bleibt jedoch ein menschliches System in der Entscheidungskette.
SUPCON gibt an, die Flotte habe mehr als 170.000 Warnungen ausgesprochen und die monatlichen einschlägigen Verstöße um mehr als 40 Prozent reduziert. Diese Zahlen wurden nicht unabhängig überprüft. Reuters zufolge reagierte die Verkehrspolizei von Hangzhou nicht auf eine entsprechende Anfrage.
Frühere lokale Berichte zeichnen zudem ein anderes Zahlenbild: Die People’s Daily meldete mehr als 25.000 Warnungen und 647,7 Betriebsstunden seit Beginn des Einsatzes. Andere Medien nannten für die ersten drei Tage der Maifeiertage 11.897 Warnungen.
Die Unterschiede könnten durch verschiedene Zeiträume, Kategorien oder Zählweisen entstehen. Die vorliegenden Berichte führen die Zahlen jedoch nicht zusammen. Ebenso fehlt ein kontrollierter Vergleich, der zeigen würde, welchen Anteil die Roboter an der gemeldeten Verbesserung hatten – und welchen Anteil etwa saisonale Verkehrsschwankungen, herkömmliche Polizeiarbeit oder unterschiedliche Besucherzahlen ausmachten.
Die Angaben sollten deshalb als operative Aussagen des Unternehmens oder lokaler Medien verstanden werden, nicht als Beweis dafür, dass die Roboter den Rückgang um 40 Prozent verursacht haben.
Trotz des griffigen „RoboCop“-Etiketts besitzen die T2-Einheiten keine Befugnis, Menschen festzunehmen oder Bußgelder zu verhängen. Ihre Aufgaben beschränken sich auf Hinweise, Verkehrslenkung, Wahrnehmung, Aufzeichnung und die Weiterleitung von Vorfällen an menschliche Beamte.
Diese Grenze ist ein zentraler Bestandteil des Versuchs. Ein Roboter kann einen möglichen Verstoß markieren. Ein Mensch muss aber entscheiden, was tatsächlich passiert ist, wie die Beweislage zu bewerten ist und ob eine formelle Maßnahme angemessen ist.
Die Trennung schafft außerdem eine klarere institutionelle Verantwortung, falls die Maschine eine Situation falsch einschätzt oder sich unsicher verhält. Praktisch sollen die Roboter vor allem wiederholende Aufgaben am Straßenrand übernehmen – nicht das menschliche Urteil ersetzen, das bei einer Sanktion, einem Konflikt oder einem Eingriff erforderlich ist.
Die verfügbaren Berichte beschreiben Sensorik und erkannte Verhaltensmuster, nennen aber keine unabhängig bestätigten Genauigkeitswerte für Helmerkennung, Haltelinien, Ampelverstöße oder die Zuordnung zu einer bestimmten Person. Auch eine detaillierte, veröffentlichte Spezifikation für den Betrieb bei verschiedenen Wetterlagen liegt nicht vor.
Kameras und Radar können sich bei der Erfassung ergänzen. Reale Kreuzungen sind allerdings anspruchsvolle Umgebungen: Regen, Blendlicht, Nebel, Menschenmengen, verdeckte Sicht, reflektierende Oberflächen und verblasste Fahrbahnmarkierungen können die Erkennung erschweren. Aussagen, die Roboter könnten auch bei schlechtem Wetter weiterarbeiten, sind daher nicht automatisch als Garantie für gleichbleibende Genauigkeit unter allen Bedingungen zu verstehen.
Für Städte, die über eine Anschaffung nachdenken, sind diese fehlenden Kennzahlen genauso wichtig wie die auffälligen technischen Fähigkeiten. Sinnvolle Tests müssten unter anderem Fehlalarme, übersehene Verstöße, Betriebszeit, erforderliche menschliche Eingriffe, blockierte Sensoren und die Qualität der an Beamte übergebenen Beweisdaten erfassen.
Die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine macht Polizeiarbeit nicht überflüssig. Beamte müssen die Flotte überwachen, Videoaufnahmen prüfen, Streitfälle bearbeiten, auf Notfälle reagieren und entscheiden, ob aus einer Warnung eine formelle Maßnahme wird.
Sie bleiben auch der naheliegende Ansprechpartner, wenn es zu einer gefährlichen Interaktion oder einer fehlerhaften Sanktion kommt. Dadurch können die Roboter bei standardisierten Aufgaben mit hohem Aufkommen helfen, während Menschen die Kontrolle über unklare, konfliktträchtige oder rechtlich folgenreiche Situationen behalten.
SUPCON erklärt als Ziel, wiederholende Aufgaben der Verkehrsregelung auf Maschinen zu übertragen, damit Polizisten sich stärker auf Tätigkeiten konzentrieren können, die Urteilskraft und direktes Eingreifen erfordern.
Damit ist Hangzhou mehr als eine Technikvorführung. Eine öffentliche Kreuzung konfrontiert die Roboter mit unberechenbaren Fußgängern, Fahrzeugen und Wetterbedingungen – ebenso wie mit Wartungsbedarf und öffentlicher Beobachtung. Zugleich wird getestet, ob eine humanoide Plattform dauerhaft kommunale Dienstleistungen erbringen kann: Verkehrslenkung, Besucherhilfe, einfache Hinweise zur Regelbefolgung und die Meldung von Vorfällen.
Ob daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell wird, hängt von den Gesamtkosten ab. Dazu gehören Anschaffung, Aufsicht, Wartung, Konnektivität, Softwareaktualisierungen und die Einbindung in bestehende Verkehrs- und Polizeisysteme.
Der klar dokumentierte Einsatz in Hangzhou umfasst 15 T2-Roboter. Er wurde als Chinas erste formal organisierte Roboter-Einheit für das Verkehrsmanagement beschrieben.
In einem späteren Bericht heißt es, SUPCON habe Reuters mitgeteilt, dass fast 50 Roboter in etwa acht Städten im Einsatz seien. Das deutet auf eine mögliche Ausweitung über Hangzhou hinaus. Die vorliegenden Quellen belegen jedoch nicht für jede dieser Städte Umfang, Dauer oder offiziellen Status des Einsatzes. Es ist daher zu früh, von einer breiten landesweiten Verbreitung der T2-Roboter in China zu sprechen.
Ebenso gibt es in den bereitgestellten Quellen keine belastbaren Belege für groß angelegte, unterzeichnete kommunale Bestellungen oder Auslandseinsätze des T2. Eine Expansion würde nachweisen müssen, dass die Roboter zuverlässig arbeiten und sich mit Ampeln, Leitstellen, Videoplattformen und polizeilichen IT-Systemen verbinden lassen.
Einsätze im In- und Ausland würden jeweils unterschiedliche Kombinationen aus Regeln für Robotersicherheit im öffentlichen Raum, Kommunikationszulassungen, Cybersicherheit, Beweismittelverwaltung und Datenschutz betreffen. Systeme, die identifizierbare oder biometrische Informationen verarbeiten, dürften zusätzlich geprüft werden.
Auch Hangzhous eigener Rechtsrahmen entwickelt sich noch. Eine Regelung zur Regulierung verkörperter KI-Roboter in der Stadt trat am 1. Mai 2026 in Kraft und umfasst unter anderem industrielle Steuerung, Anwendung und Sicherheitsmanagement. Das zeigt, dass sich die rechtlichen Leitplanken parallel zur Technologie herausbilden und noch nicht vollständig feststehen.
Für Exportmärkte könnten die schwierigsten Fragen weniger darin liegen, ob ein Roboter den Arm heben kann. Entscheidend wäre vielmehr, wer rechtlich für seine Entscheidungen haftet, wie Aufnahmen von Vorfällen verwendet werden dürfen, wie das System für den Einsatz im öffentlichen Straßenraum zertifiziert wird und ob es mit der lokalen Infrastruktur zusammenspielen kann.
Hangzhous T2-Flotte ist kein Beleg dafür, dass Roboter die Verkehrspolizei ersetzen. Sie steht vielmehr für ein begrenztes, aber wirtschaftlich realistisches Experiment: Können humanoide Roboter sichtbare, wiederholende und überwachte Aufgaben in einer echten öffentlichen Umgebung übernehmen?
Der Erfolg wird sich nicht allein an der Zahl der Warnungen messen. Städte brauchen belastbare Daten zu Genauigkeit, Sicherheit, Betriebszeit, Gesamtkosten und Datenschutz. Sind diese Werte überzeugend, könnte der T2 zum Modell für eine eng begrenzte Zusammenarbeit von Mensch und Maschine werden. Falls nicht, bleibt möglicherweise vor allem die Erkenntnis, wie schwierig es ist, aus einer spektakulären Robotik-Demonstration eine verlässliche öffentliche Infrastruktur zu machen.