Die Strategie ähnelt dem Weg, den westliche Cloud‑Giganten wie Amazon oder Microsoft gegangen sind: zuerst Infrastruktur im großen Maßstab aufbauen – und darauf später ein ganzes Ökosystem aus KI‑Services und Anwendungen entstehen lassen.
Für Alibaba ist die Cloud‑Sparte inzwischen ein zentraler Wachstumstreiber. KI‑bezogene Cloud‑Services tragen stark zum Wachstum der Sparte bei und sollen langfristig ein wichtiger Umsatzmotor werden.
Kurzfristig belastet dieser Kurs allerdings die Gewinne. Die hohen Investitionen in KI und Rechenzentren haben die Profitabilität deutlich gedrückt und zu schwächeren Ergebniszahlen beigetragen.
Tencent verfolgt einen deutlich vorsichtigeren Ansatz.
Statt zuerst massive Infrastruktur aufzubauen, integriert das Unternehmen KI schrittweise in seine bestehenden Plattformen – darunter Werbung, Videospiele, Social‑ und Content‑Dienste sowie Cloud‑Services für Unternehmen.
Im ersten Quartal 2026 erzielte Tencent einen Umsatz von 196,46 Milliarden Yuan, ein Plus von 9 % gegenüber dem Vorjahr. Die Investitionsausgaben lagen bei 31,94 Milliarden Yuan, was einem Anstieg von 16 % entspricht – teilweise aufgrund steigender Nachfrage nach KI‑Services.
Das Management erwartet, dass die Investitionen im Laufe des Jahres weiter steigen werden, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte, wenn mehr KI‑Workloads in die Cloud verlagert werden.
Der entscheidende Unterschied: Während Alibaba zuerst die Infrastruktur dominieren möchte, verknüpft Tencent KI‑Investitionen stärker mit konkreten Produkten und Monetarisierungsmöglichkeiten innerhalb seines bestehenden digitalen Ökosystems.
Auf den ersten Blick wirkt die Investitionswelle paradox. Beide Unternehmen meldeten zuletzt Umsätze, die hinter den Erwartungen zurückblieben. Bei Alibaba gingen die Gewinne sogar deutlich zurück, während die KI‑Ausgaben stark anstiegen.
Doch aus Sicht der Unternehmen ist Rechenkapazität kein optionaler Kostenfaktor, sondern eine strategische Voraussetzung.
Die Nachfrage nach KI‑Leistung – vom Training großer Modelle bis zu Inferenz‑Anwendungen in Cloud‑Services – wächst derzeit schneller als die verfügbare GPU‑Kapazität und Rechenzentrumsinfrastruktur.
Wer zu spät investiert, riskiert dauerhaft ins Hintertreffen zu geraten. Deshalb behandeln die Konzerne den Ausbau von KI‑Infrastruktur wie ein Rennen: fehlende Rechenleistung heute könnte morgen Marktanteile kosten.
Ein zusätzlicher Treiber der Investitionen ist der wachsende Einsatz chinesischer Halbleiterlösungen.
Da der Zugang zu Nvidias modernsten KI‑Chips für chinesische Firmen weiterhin unsicher ist, setzen Unternehmen zunehmend auf Alternativen. Dazu gehören Chips von Huawei sowie Prozessoren aus Alibabas eigener Chip‑Sparte T‑Head.
Diese Chips erreichen zwar in einigen Bereichen – etwa beim Training sehr großer Modelle – noch nicht das Niveau der leistungsstärksten internationalen Hardware. Dennoch können sie die verfügbare Rechenleistung deutlich erhöhen, insbesondere für:
Damit ermöglichen sie den Ausbau großer Rechencluster und neuer Rechenzentren, selbst ohne uneingeschränkten Zugang zu Nvidia‑GPUs.
Der Vergleich zeigt zwei unterschiedliche Modelle für die KI‑Ökonomie:
Beide Ansätze reagieren auf dieselbe Realität: Der wichtigste Engpass der KI‑Industrie ist Rechenleistung.
Mit wachsender Produktion chinesischer Chips und neuen Rechenzentren könnte sich der Ausbau der KI‑Infrastruktur im Land weiter beschleunigen – auch ohne uneingeschränkten Zugang zu ausländischer Hardware.
Ob sich die milliardenschweren Investitionen langfristig auszahlen, wird davon abhängen, wie schnell Unternehmen ihre KI‑Kapazitäten in profitable Cloud‑Services und breit eingesetzte Anwendungen verwandeln können.
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