Remy ist spannend, weil es für eine größere Verschiebung steht: KI-Assistenten sollen nicht nur Fragen beantworten, sondern Aufgaben im Alltag übernehmen. Business Insider berichtet, Google arbeite an einem Gemini-Agenten mit dem internen Codenamen Remy. In einem internen Dokument werde Remy als „24/7 personal agent“ beschrieben; Mitarbeitende testeten das System in einer nur intern verfügbaren Version der Gemini-App, mit möglicher Anbindung an mehrere Google-Dienste.[10]
Wichtig ist aber die Einordnung: Google hat Remy bislang nicht als Produkt vorgestellt. Ein Google-Sprecher lehnte dem Bericht zufolge eine Stellungnahme ab.[37] Wer also liest, Remy sei bereits gestartet oder habe OpenClaw schon „geschlagen“, sollte vorsichtig sein. Belegt ist derzeit: Google testet intern einen persönlichen KI-Agenten für Gemini, der in dieselbe Richtung zielt wie der neue Agenten-Vorstoß von OpenAI.
Kurz gesagt: Was ist Remy derzeit?
Remy lässt sich am besten als interner Codename für einen persönlichen KI-Agenten innerhalb von Googles Gemini-Umfeld verstehen. Der Unterschied zu einem klassischen Chatbot liegt darin, dass Remy nicht nur antworten, sondern mit Erlaubnis im Namen der Nutzerin oder des Nutzers handeln soll.[10]
Die gesicherten Punkte aus den Berichten sind überschaubar, aber aussagekräftig:
- Interner Codename: Remy läuft laut Business Insider in einer nur für Google-Mitarbeitende bestimmten Version der Gemini-App.[
10]
- Dauerhaft verfügbarer Assistent: Interne Unterlagen beschreiben Remy als „24/7 personal agent“.[
10]
- Handeln statt nur erklären: Remy soll Aktionen im Namen der Nutzerinnen und Nutzer ausführen können.[
10]
- Google-Integration: Der Agent kann dem Bericht zufolge mit einer Reihe von Google-Diensten verbunden werden.[
10]
- Keine offizielle Veröffentlichung: Es gibt bislang keine öffentliche Produktankündigung, keine Preisinformationen, keinen Starttermin und keine vollständige Funktionsliste; Google lehnte eine Stellungnahme ab.[
37]
Damit ist Remy derzeit eher ein Signal aus Googles Entwicklungsrichtung als ein fertiges Angebot für Endnutzer.
Warum OpenClaw in diesem Zusammenhang wichtig ist
OpenClaw ist ein Open-Source-Projekt für einen persönlichen KI-Assistenten beziehungsweise KI-Agenten, das von Peter Steinberger entwickelt wurde. TechCrunch beschrieb das Versprechen von OpenClaw als „AI that actually does things“ – also KI, die tatsächlich Dinge erledigt, etwa Kalender verwalten, Flüge buchen oder sogar einem sozialen Netzwerk aus KI-Assistenten beitreten.[20]
Die Verbindung zu OpenAI entsteht vor allem über die Person Steinberger. OpenAI hat ihn verpflichtet; Sam Altman erklärte, Steinberger solle an der nächsten Generation persönlicher Agenten arbeiten, und Steinberger selbst schrieb, er gehe zu OpenAI, um Agenten zu allen zu bringen.[17][
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Das bedeutet aber nicht, dass OpenClaw einfach zu einem OpenAI-Produkt geworden ist. Steinberger schrieb, OpenClaw werde in eine Stiftung überführt und offen sowie unabhängig bleiben.[31] Präziser ist daher: OpenAI holt sich zentrale Erfahrung und Produktintuition aus dem OpenClaw-Umfeld, während OpenClaw selbst weiter als unabhängiges Open-Source-Projekt beschrieben wird.[
17][
31]
Remy gegen OpenAI/OpenClaw: Worum es wirklich geht
Der Wettbewerb dreht sich nicht darum, wer noch ein weiteres Chatfenster baut. Es geht um die Frage, wer zur verlässlichen Handlungsebene zwischen Mensch, Apps und persönlichen Daten wird.
| Frage | Remy / Google | OpenClaw / OpenAI |
|---|---|---|
| Aktueller Stand | Intern getesteter Gemini-Agent in einer Mitarbeitenden-Version der App; nicht öffentlich gestartet.[ | OpenClaw ist ein Open-Source-Agentenprojekt; Gründer Peter Steinberger arbeitet inzwischen bei OpenAI.[ |
| Produktidee | Ein „24/7 personal agent“, der im Namen der Nutzerin oder des Nutzers handeln kann.[ | Ein Assistent, der wirklich Aufgaben erledigt – etwa Kalenderpflege oder Flugbuchungen.[ |
| Möglicher Vorteil | Google verfügt über Gemini als Zugangspunkt und viele bestehende Dienste, in die ein Agent integriert werden könnte; Remy soll laut Bericht mehrere Google-Dienste einbinden können.[ | OpenAI gewinnt Steinbergers Erfahrung mit einem viel beachteten persönlichen Agenten; persönliche Agenten werden öffentlich als wichtige nächste Produktgeneration beschrieben.[ |
| Größte Unklarheit | Funktionsumfang, Berechtigungsmodell, Veröffentlichung und Preis sind unbekannt.[ | OpenClaw soll offen und unabhängig bleiben und ist deshalb nicht automatisch identisch mit einem künftigen OpenAI-Produkt.[ |
Kurz gesagt: Remy wirkt wie Googles interne Antwort auf den Trend zu persönlichen Agenten à la OpenClaw. Eine offizielle Positionierung als „OpenClaw-Konkurrent“ ist damit aber nicht belegt.[10][
37]
Googles Vorteil: Dienste, Datenkontext und Workflows
Wenn ein persönlicher KI-Agent wirklich nützlich sein soll, reicht ein starkes Sprachmodell nicht aus. Der Agent muss verstehen, in welchem Kontext eine Aufgabe steht, und sicher mit den Diensten arbeiten können, die Menschen täglich nutzen.
Hier liegt Googles offensichtliche Stärke. Google hat Gemini 2.0 bereits als Modell für die „agentic era“ vorgestellt und dabei agentische Erfahrungen wie Project Astra, Project Mariner und Jules genannt.[45] Zudem berichtete Fortune über Googles „Personal Intelligence“-Funktion, die Gemini mit Teilen des Google-Ökosystems wie Gmail, Google Fotos, der Suche und dem YouTube-Verlauf verbinden soll, um stärker personalisierte Antworten zu ermöglichen.[
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Auch im Unternehmensbereich baut Google an einer Agentenplattform. Google Cloud beschreibt die Gemini Enterprise Agent Platform als Umgebung, um Agenten zu bauen, zu skalieren, zu steuern und zu optimieren.[33] Gemini Enterprise wiederum wird als Plattform vorgestellt, mit der Mitarbeitende Unternehmensdaten und Werkzeuge nutzen und KI-Agenten erstellen können.[
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Das beweist nicht, wie Remy am Ende aussehen wird. Es zeigt aber die Richtung: Gemini soll nicht nur ein Chatbot sein, sondern zunehmend in Suche, persönliche Datenkontexte, Cloud-Angebote und Unternehmensworkflows eingebettet werden.[33][
42][
44][
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OpenAIs Vorteil: Die Agenten-Idee ist greifbar geworden
OpenClaw wurde nicht nur bekannt, weil es Open Source ist. Das Projekt machte die Idee eines KI-Agenten besonders anschaulich: nicht nur einen Kalender erklären lassen, sondern Termine verwalten; nicht nur nach Flügen fragen, sondern Buchungsabläufe anstoßen.[20]
Genau diese Produktvorstellung ist für OpenAI wertvoll. Altman erklärte, Steinberger werde die nächste Generation persönlicher Agenten vorantreiben, und Steinberger selbst begründete seinen Wechsel damit, Agenten für alle zugänglich machen zu wollen.[17][
31]
Gleichzeitig ist offen, wie OpenAI daraus ein konkretes Produkt macht. Business Today berichtete, OpenAI habe Steinbergers genaue Rolle, den Starttermin und die Frage, ob daraus neue Produkte oder Integrationen in bestehende Dienste wie ChatGPT entstehen, nicht offengelegt.[19] Die Richtung ist also klarer als die Umsetzung.
Die eigentliche Hürde: Sicherheit, Rechte und Verlässlichkeit
Je mehr ein KI-Agent darf, desto größer wird das Risiko. Ein Assistent, der nur Text formuliert, ist etwas anderes als ein System, das Termine verschiebt, Daten auswertet, Buchungen vorbereitet oder in angebundene Dienste eingreift.
Diese Sorge ist nicht theoretisch. InfoWorld berichtete, dass OpenClaw zwar rasch populär wurde, Sicherheitsforschende aber vor schweren Schwachstellen des Open-Source-Tools warnten.[5] Google betonte bei Gemini 2.0 ebenfalls, Sicherheit und Schutz seien zentrale Punkte bei der Entwicklung agentischer Erfahrungen.[
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Darum wird der Sieger dieses Marktes nicht allein über Modellleistung entschieden. Entscheidend wird, ob ein Agent zuverlässig über längere Aufgabenketten arbeitet, sensible Schritte vor der Ausführung bestätigen lässt, Fehler nachvollziehbar macht und klare Grenzen für Datenzugriff und Berechtigungen einhält.[5][
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Fazit: Remy ist ein Signal, nicht das Endspiel
Remy sollte derzeit nicht als fertiges Google-Produkt verstanden werden, sondern als starkes Signal: Google arbeitet daran, Gemini in Richtung eines persönlichen, dauerhaft verfügbaren und handlungsfähigen KI-Agenten zu bewegen.[10]
Das passt direkt zum Kurs von OpenAI, das mit Peter Steinberger den Entwickler hinter OpenClaw ins Haus geholt hat und persönliche Agenten als nächste große Produktgeneration vorantreibt.[17][
31]
Noch ist aber vieles offen. Remy ist nicht öffentlich veröffentlicht, Google hat keine vollständigen Details bestätigt, und OpenClaw bleibt nach Aussage seines Entwicklers offen und unabhängig.[31][
37] Der eigentliche Vergleich beginnt erst, wenn solche Agenten im Alltag zeigen müssen, dass sie Aufgaben nicht nur beeindruckend demonstrieren, sondern sicher, kontrollierbar und verlässlich erledigen können.[
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