ISW Analysten zufolge hat Putin ein verzerrtes Bild des Krieges – und glaubt, den gesamten Donbas bis Herbst 2026 einnehmen zu können, weil ihm seine Generäle seit Monaten übertriebene Frontkarten vorlegen. Die Fakten widersprechen krass: Russland eroberte Anfang 2026 fünfzehnmal weniger Gebiet als im Vorjahreszeitr...

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Eine neue Analyse des Institute for the Study of War (ISW) zeichnet das Bild einer russischen Militärführung, die Präsident Wladimir Putin systematisch ein gefährlich verzerrtes Bild vom Kriegsgeschehen vermittelt. Das Resultat, so die Schlussfolgerung der Experten: Ein Machthaber, der weiterhin an einen schnellen Sieg glaubt , während überprüfbare Daten zeigen, dass seine Offensive zum Stillstand kommt und – zum ersten Mal seit über anderthalb Jahren – wieder Boden verliert.
Das zentrale Indiz ist eine durchgesickerte Karte des russischen Verteidigungsministeriums, datiert auf den 9. April 2026, die am 28. Mai im Netz auftauchte. Sie zeigt russische Truppen in einem weit größeren Gebiet bei Kupjansk, als es geolokalisierte Belege bestätigen können. Das ISW stellte klar: Man habe "keine Hinweise gefunden, die die Behauptungen auf dieser geleakten Karte stützen" . Dies ist kein Einzelfall, sondern die jüngste Episode einer monatelangen Praxis, dem Präsidenten eine fiktive Version des Schlachtfelds zu präsentieren.
Als Architekt dieser falschen Darstellung gilt Generalstabschef Waleri Gerassimow. Laut ISW legte er dem Präsidenten "fünf Monate in Folge höchst unzutreffende Lagebewertungen" vor . In seinen Briefings behauptete er wiederholt ein Vorrücken westlich von Kupjansk – einer Stadt, die faktisch nie eingenommen wurde
. Mitte Mai eskalierte Gerassimow die Fiktion, als er absurd angab, seine Truppen hätten Borowa vollständig und Lyman zu 85 Prozent eingenommen – Behauptungen, für die das ISW "keinerlei Belege" fand
.
Diese systematische Verzerrung scheint Putins strategische Bewertung direkt zu beeinflussen. Quellen aus seinem Umfeld berichten, er sei weiterhin "zuversichtlich, dass seine Armee die gesamten Gebiete Donezk und Luhansk bis zum Herbst 2026 einnehmen kann" und plane, dies als Faustpfand in künftigen Verhandlungen zu nutzen . Die ISW-Analysten führen diese Fehleinschätzung direkt auf die geschönten Karten und Briefings des eigenen Kommandos zurück
.
Das durch das ISW dokumentierte Lagebild vor Ort könnte nicht weiter von den Kreml-Behauptungen entfernt sein.
Der Kampf um Kupjansk illustriert perfekt die Kluft zwischen Kreml-Fiktion und Front-Realität. Die russische Führung übertreibt seit dem Spätsommer 2025 die eigenen Erfolge bei der Einnahme der Stadt, was sowohl vom ISW als auch von prorussischen Militärbloggern regelmäßig dementiert wurde .
Im Mai 2026 berichtete ein russischer Militärblogger, eine kleine, seit Monaten im Stadtzentrum eingekesselte Gruppe von rund 20 russischen Soldaten sei weitgehend aufgerieben worden; ukrainische Kräfte hätten die letzten Stellungen noch am 23. Mai beschossen . Das ISW kommt zu dem Schluss, dass russische Truppen "keine konsolidierten Stellungen in Kupjansk halten" und nur wenige isolierte Infiltranten verblieben seien – ein direkter Widerspruch zur Kreml-Erzählung
.
Der vielleicht aufschlussreichste Beleg für die Entkopplung von Schein und Sein ist eine Anweisung der eigenen Führung. Am 28. Mai, demselben Tag, an dem die geleakte Karte publik wurde, befahl der russische Verteidigungsminister Andrej Beloussow, "die Vorstöße in Kupjansk, Borowa und Lyman zu beschleunigen" .
Das ISW sieht darin keine Routineanweisung, sondern einen panischen Befehl, der "darauf abzielt, die tatsächlichen Gefechtsfeldbedingungen den bereits dem Kreml vorgelegten übertriebenen Karten anzupassen" . Höhere Kommandeure, die eine Fantasiewelt rascher Siege erschaffen haben, um ihren Präsidenten zufriedenzustellen, werden nun gezwungen, diese um jeden Preis zu liefern. Der Befehl ist ein implizites Eingeständnis, dass der reale Krieg – mit seinen wegbrechenden Vorstößen und territorialen Nettoverlusten – nichts mit dem zu tun hat, was Wladimir Putin zu sehen bekommt.
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ISW Analysten zufolge hat Putin ein verzerrtes Bild des Krieges – und glaubt, den gesamten Donbas bis Herbst 2026 einnehmen zu können, weil ihm seine Generäle seit Monaten übertriebene Frontkarten vorlegen.
ISW Analysten zufolge hat Putin ein verzerrtes Bild des Krieges – und glaubt, den gesamten Donbas bis Herbst 2026 einnehmen zu können, weil ihm seine Generäle seit Monaten übertriebene Frontkarten vorlegen. Die Fakten widersprechen krass: Russland eroberte Anfang 2026 fünfzehnmal weniger Gebiet als im Vorjahreszeitraum und verzeichnete im April erstmals seit August 2024 einen Netto Gebietsverlust von 116 Quadratkilometern.
Die Diskrepanz ist so gravierend, dass der Verteidigungsminister seine Truppen nun anweisen musste, die realen Vorstöße zu beschleunigen – faktisch ein Befehl, die geschönten Karten mit dem Leben von Soldaten zu begla...