Das Herzstück des erneuerten „God's Eye“-Systems ist der frisch vorgestellte und bereits in Serie gefertigte Xuanji A3-Chip. BYD spricht vom ersten in China in Massenproduktion gehenden 4-Nanometer-Chip für autonomes Fahren, der die hohen Rechenanforderungen für Lösungen der Autonomiestufen L3 und L4 stemmen soll . Damit zielt BYD auf verlässliche „handfreie“ Fahrszenarien ab – auch wenn für den uneingeschränkten Alltagsbetrieb noch kein vollständiger Verzicht auf die Aufmerksamkeit des Fahrers („eyes-off“) versprochen wird
.
Dass diese Hardware-Entwicklung mit Hochdruck vorangetrieben wird, zeigt der personelle Aufwand: In der Chip-Sparte des Konzerns arbeiten laut Wang über 7.000 Menschen in Forschung und Entwicklung . BYD verfügt zudem über ein etabliertes Halbleitergeschäft. Mit dem selbstentwickelten Xuanji A3 will der Konzern die Basistechnologie für autonomes Fahren so kostengünstig machen, dass sie zur Serienausstattung werden kann – ganz im Sinne einer Demokratisierung.
Die Haftungsfrage ist der wunde Punkt des autonomen Fahrens. Wer zahlt, wenn der Computer am Steuer einen Fehler macht? BYD gibt darauf jetzt eine glasklare Antwort: BYD zahlt.
Das Unternehmen wird nach eigenen Angaben sämtliche Entschädigungen und Reparaturkosten übernehmen, sollte die in der Stadt nutzbare Autopilot-Funktion („Navigate on Autopilot“) in einen Unfall verwickelt sein. Ein Clou dabei: Die Versicherungsprämie des Halters soll im Folgejahr von diesem Schadensfall unberührt bleiben . Ein Firmensprecher erklärte, dass die frühzeitige Übernahme der Haftung für L3- und L4-Funktionen ein klares Signal des Vertrauens in die eigene Technologie sei
. Damit schafft BYD ein zuvor oft ungelöstes Problem vom Tisch und steigt quasi selbst ins Versicherungsgeschäft ein – mit dem eigenen Geldbeutel als Rückendeckung.
Chairman Wang scheute in seiner Präsentation keinen direkten Vergleich, im Gegenteil: Er zielte mehrfach auf Teslas Vollautonomes-Fahren-Paket (FSD). Sein Kalkül ist, die finanzielle Einstiegshürde radikal zu senken. Während Teslas FSD in den USA 99 US-Dollar monatlich im Abo kostet, ist BYDs System mit der 12.000-Yuan-Option einmalig abgegolten .
Tesla behandelt autonome Software als margenstarke, wiederkehrende Einnahmequelle. BYD verpackt sie dagegen als günstige, einmalige Hardware-Option inklusive Haftungsgarantie. Aus einem Luxus-Add-on für Early Adopters soll so ein Standard-Feature für den Massenmarkt werden.
Wang untermalte sein Ziel der „null Verkehrstoten“ mit düsteren Zahlen: Jährlich sterben weltweit etwa 1,19 Millionen Menschen bei Verkehrsunfällen . Mit preiswerten „Next-Generation“-Fahrzeugen für die breite Masse will BYD diesen Wert drastisch reduzieren. Die drei zentralen Bausteine, die in Shenzhen vorgestellt wurden – der günstige LiDAR-Preis, der in Serie produzierte Xuanji-A3-Chip und das historische Haftungsversprechen – sind dabei die Werkzeuge für diese Mission
.
Ob BYD dieses extrem ambitionierte Sicherheitsziel auf öffentlichen Straßen erreichen kann, werden erst die kommenden Jahre zeigen. Fest steht jedoch: Für die gesamte Automobilbranche hat der chinesische Riese mit diesem Schritt den Einsatz im Rennen um das autonome Fahren dramatisch erhöht.
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