Bevor Sie Dreiecke, V-Formen oder Zahlen deuten, sollten Sie nach dem verwendeten Zeichnungsstandard suchen — typischerweise in den allgemeinen Zeichnungshinweisen, im Schriftfeld oder in der Projektspezifikation. Das ist entscheidend, weil sich die Darstellungslogik je nach Norm unterscheiden kann .
Als Faustregel gilt: Ein einzelnes Symbol nie isoliert lesen. Entscheidend ist immer die Kombination aus Bezugslinie, Pfeil, Symbolposition, Maßen, optionaler Gabel und Zusatzzeichen .
In technischen Zeichnungen werden zwei Ebenen leicht verwechselt:
Warum das wichtig ist: Das gleiche Grundsymbol kann je nach Lage oberhalb oder unterhalb der Bezugslinie, je nach Zahl daneben oder je nach Eintrag in der Gabel eine andere Ausführungsanweisung bedeuten .
| Bestandteil | Was Sie daraus lesen |
|---|---|
| Bezugslinie | Die Linie, auf der Schweißsymbole, Maße und Hinweise angeordnet werden . |
| Pfeil | Er verbindet die Angabe mit der betroffenen Verbindung oder dem Bauteil und definiert die sogenannte Pfeilseite . |
| Grundsymbol | Es zeigt die geforderte Naht- oder Schweißart, etwa Kehlnaht, Fugen-/Stumpfnaht, Lochnaht, Schlitznaht, Punkt-, Naht- oder Bolzenschweißung . |
| Maße | Sie können je nach Symbol und Position Größe, Länge, Teilung, Fugenwinkel, Wurzelspalt, Fülltiefe oder andere Angaben bezeichnen . |
| Gabel / tail | Optionaler Teil am Ende der Bezugslinie. Dort können etwa Spezifikation, Schweißprozess, Klassifizierung oder weitere Referenzen stehen; fehlt eine solche Referenz, kann die Gabel entfallen . |
| Zusatzzeichen | Dazu gehören zum Beispiel Angaben für Schweißen vor Ort, umlaufende Schweißung, Oberflächenform, Nachbearbeitung oder zerstörungsfreie Prüfung — abhängig vom verwendeten Standard . |
Im AWS-A2.4-Schema ist die Position des Grundsymbols zur Bezugslinie ein zentrales Lesekriterium :
Diese Regel ist sehr nützlich, aber keine Einladung zum Blindflug. TWI weist darauf hin, dass Normen für Schweißsymbole nicht alle Details identisch darstellen; insbesondere ISO 2553 und BS EN 22553 haben eigene Darstellungsmerkmale, die beim Lesen berücksichtigt werden müssen .
Nicht jede Zahl neben einem Schweißsymbol ist automatisch die Nahtgröße. Ihre Bedeutung hängt vom Symboltyp und von der Position der Zahl ab. Je nach Fall kann sie zum Beispiel Folgendes angeben: Länge der Naht, Teilung beziehungsweise Mittenabstand, Fugenwinkel, Wurzelspalt, Fülltiefe oder Anzahl von Punkt-, Naht-, Bolzen-, Loch-, Schlitz- oder Buckelschweißungen .
Bei Stumpfnähten nennt TWI ein besonders wichtiges Detail: Ein S mit einer Zahl links neben dem Symbol verweist auf die Eindringtiefe. Fehlen bei einer Stumpfnaht in einer Zeichnung mit Schweißsymbolen besondere Maßanforderungen, wird normalerweise eine Stumpfnaht mit voller Durchschweißung angenommen .
Das Kehlnahtsymbol ist ein rechtwinkliges Dreieck auf der Bezugslinie. Nach Angaben des National Board steht der senkrechte Schenkel dieses Symbols immer links . Danach entscheiden Symbolposition und Maße, ob die Kehlnaht auf der Pfeilseite, der Gegenseite oder beidseitig auszuführen ist und welche Größe, Länge oder Teilung gilt .
Fugennahtsymbole — etwa für V-, I- oder andere Nahtvorbereitungen — erscheinen häufig bei Stumpfverbindungen. Eine solche Verbindung kann eine vorbereitete Kante benötigen oder ohne besondere Vorbereitung ausgeführt werden . Wird nur von einer Seite geschweißt, spricht man von einer einfachen Fugennaht; wird von beiden Seiten geschweißt, von einer doppelten Fugennaht . Bei manchen Fugennahtsymbolen kann ein Knick im Pfeil kennzeichnen, welche Seite der Verbindung vorbereitet werden muss .
Loch- und Schlitznahtsymbole zeigen an, dass eine Öffnung oder ein Schlitz gefüllt werden soll, um Bauteile miteinander zu verbinden. Die zugehörigen Maße können unter anderem Anzahl, Senkwinkel, Fülltiefe oder Mittenabstand beschreiben — je nach konkreter Angabe .
Symboltabellen beschränken sich nicht auf Kehl- und Stumpfnähte. Zu den Grundsymbolen gehören auch Punkt-, Naht-, Bolzen- und Buckelschweißungen, wenn diese Verfahren oder Verbindungsformen in der Zeichnung gefordert sind .
In detaillierteren Zeichnungen können auch Symbole für Rückseitenschweißungen, Stütz- beziehungsweise Gegenlagenschweißungen oder Kantennähte auftauchen. Außerdem kann die Gabel verbindliche Zusatzinformationen enthalten, etwa eine Klassennummer, eine Spezifikation oder einen geforderten Prozess . Sie ist deshalb keine Randnotiz, sondern Teil der Ausführungsanweisung.
Manche Zeichnungen enthalten zusätzlich Anforderungen an die zerstörungsfreie Prüfung (ZfP). AWS A2.4 behandelt nicht nur Symbole für Schweißen und Hartlöten, sondern auch Symbole für zerstörungsfreie Prüfungen. Wenn solche Zeichen erscheinen, gehören sie zu den Ausführungs- und Abnahmeanforderungen der Verbindung .
Kehlnahtsymbol unter der Bezugslinie: Im AWS-Schema liegt die Kehlnaht auf der Pfeilseite. Anschließend werden die Maße um das Symbol herum gelesen, zum Beispiel Größe, Länge oder Teilung, sofern sie angegeben sind .
V-Nahtsymbol über der Bezugslinie: Wenn die Zeichnung nach AWS aufgebaut ist, bedeutet die Lage über der Bezugslinie, dass die Schweißung auf der Gegenseite der Verbindung gefordert ist .
S mit Zahl bei einer Stumpfnaht: Laut TWI verweist ein S mit einer Zahl links neben dem Stumpfnahtsymbol auf die Eindringtiefe .
Eintrag in der Gabel: Steht dort eine Spezifikation, ein Prozess oder eine Klassifizierung, muss diese Information vor der Ausführung gelesen werden; technische Referenzen zeigen solche Angaben als verbindlichen Teil des Schweißsymbols .
Schweißsymbole lassen sich am sichersten in einer festen Reihenfolge lesen: zuerst die Norm, dann Pfeil und Bezugslinie, anschließend Symbolposition, Nahtart, Maße, Gabel und Zusatzzeichen. Die bekannte Oben-unten-Regel ist im AWS-Schema sehr hilfreich, ersetzt aber nicht den Blick in die zugrunde liegende Norm oder Projektspezifikation. Bei Unklarheiten ist nicht das Bauchgefühl maßgeblich, sondern der im Zeichnungssatz festgelegte Standard .