Schauen Sie im Schriftfeld, in den allgemeinen Hinweisen oder in der Projektspezifikation nach, welche Regel gilt: zum Beispiel AWS A2.4, ISO 2553, BS EN 22553 oder eine projektspezifische Vorgabe. Das ist mehr als Formalität, denn die Darstellung der Nahtseite und einige Details der Symbolik können sich je nach System unterscheiden .
ISO 2553 nennt als bevorzugte Darstellungsweise, das Schweißsymbol auf derselben Seite der Verbindung anzuordnen, auf der auch geschweißt werden soll, also auf der Pfeilseite. Außerdem erlaubt die Norm, Details in Zeichnungsnotizen oder andere konstruktionsbezogene Dokumente auszulagern .
In Unterlagen zu BS EN 22553 wird dagegen mit durchgezogener und gestrichelter Bezugslinie gearbeitet: Symbole auf der durchgezogenen Linie beziehen sich auf die nahe Seite, Symbole auf der gestrichelten Linie auf die ferne Seite der Verbindung. Sind die Schweißnähte auf beiden Seiten symmetrisch, kann die gestrichelte Linie entfallen .
Deshalb sind Werkstatt-Übersichten und Symboltabellen hilfreich, aber kein Ersatz für die Norm. Einige Tabellen weisen ausdrücklich darauf hin, dass sie nur Arbeitshilfen sind und die vollständige offizielle Darstellung der AWS-Schweißsymbole in AWS A2.4 steht .
Eine häufige Fehlerquelle ist die Verwechslung zweier Begriffe:
Lehrunterlagen unterscheiden entsprechend zwischen weld symbol als Zeichen für die Nahtart und welding symbol als Gesamtheit der Informationen, die über Bezugslinie, Pfeil und Gabel angegeben werden . Das heißt: Ein Dreieck verrät zwar, dass es um eine Kehlnaht geht. Wo sie liegt, wie groß sie ist, wie lang sie ausgeführt wird oder ob eine Verfahrensangabe gilt, erfahren Sie erst aus dem vollständigen Symbol.
| Bestandteil | Was Sie daraus lesen |
|---|---|
| Bezugslinie | Die horizontale Linie trägt die eigentlichen Schweißangaben; Lehrmaterial beschreibt sie als Anker der Symbolik . |
| Pfeil | Er verbindet die Bezugslinie mit der betroffenen Verbindung oder Seite. Seine Verwendung ist erforderlich, um die Lage der Schweißung zu bestimmen . |
| Nahtsymbol | Es legt die Nahtart oder die Fugenform fest, zum Beispiel Kehlnaht, Fugennaht, Lochschweißung, Langlochschweißung, Punktschweißung, Nahtschweißung, Auftragsschweißung oder Kantenschweißung . |
| Maße | Sie können Größe, Fasentiefe, Fugenwinkel, Wurzelspalt, Länge eines Nahtabschnitts und Teilung zwischen Nahtabschnitten angeben . |
| Gabel beziehungsweise „tail“ | Dieser optionale Bereich kann eine Spezifikation, ein Verfahren oder eine andere Referenz enthalten. Wird keine Referenz benötigt, kann er entfallen . |
| Zusatzzeichen | Sie ergänzen Bedingungen wie umlaufende Schweißung, Baustellen- beziehungsweise Montagenaht oder eine ebene, konvexe oder konkave Nahtoberfläche . |
In der verbreiteten AWS-Lesart entscheidet die Lage des Nahtsymbols zur Bezugslinie über die Seite der Ausführung:
Diese Regel sollte aber nicht blind auf jede Zeichnung übertragen werden. Bei BS EN 22553 wird die nahe und ferne Seite über durchgezogene und gestrichelte Bezugslinie unterschieden; bei symmetrischen beidseitigen Nähten kann die gestrichelte Linie fehlen . Genau deshalb steht die Normprüfung am Anfang jeder Lesereihenfolge.
Die Kehlnaht wird typischerweise durch ein Dreieck dargestellt. Sie kommt bei Verbindungen an Winkeln oder Kreuzungen vor. Nachdem Sie geklärt haben, ob das Dreieck über oder unter der Bezugslinie steht, lesen Sie die nahe am Symbol stehenden Zahlen: Sie können Größe oder Länge der Kehlnaht festlegen .
Fugensymbole beschreiben die Vorbereitung einer oder beider Kanten und die anschließende Füllung der Fuge mit Schweißgut. Symboltabellen zeigen dafür Formen wie I- beziehungsweise Square-Groove, V, Fase, U, J sowie Flare-V und Flare-Bevel .
Bei solchen Symbolen reicht der Name der Fuge nicht aus. Eine Fugennahtangabe kann unter anderem Größe, Vorbereitungstiefe, Wurzelspalt, Fugenwinkel, Kontur, Herstellungsart der Kontur, Länge, Teilung, umlaufende Ausführung, Baustellenschweißung und weitere Angaben in der Gabel enthalten .
Lochschweißungen und Langlochschweißungen gehören ebenfalls zu den grundlegenden Schweißsymbolen . Achten Sie hier besonders auf Teilung beziehungsweise Pitch: Lehrmaterial nennt, dass die Teilung bei Lochschweißungen rechts vom Rechteck erscheint; bei Langlochschweißungen können Teilungsangaben ebenfalls neben dem Symbol stehen .
Symboltabellen enthalten außerdem Zeichen für Punktschweißungen, Nahtschweißungen, Auftragsschweißungen, Kantenschweißungen sowie Back- oder Backing-Angaben . Gerade bei solchen Zeichen ist der Blick auf Pfeil, Maße und Gabel wichtig, weil ein Teil der Ausführung über eine Spezifikation oder eine Verfahrensreferenz festgelegt sein kann .
Die Zahlen machen aus einer allgemeinen Idee eine konkrete Fertigungsangabe. Das AWS-Schema für die Elemente eines Schweißsymbols sieht Felder für Größe, Fasentiefe, Fugenwinkel, Wurzelspalt, Länge eines Nahtsegments und Teilung zwischen Segmenten vor .
Eine praktische Lesereihenfolge ist:
Dreieck unter der Bezugslinie in einer Zeichnung nach AWS
Folgen Sie zuerst dem Pfeil zur Verbindung. Da das Symbol unter der Bezugslinie steht, liegt die Naht auf der Pfeilseite. Das Dreieck steht für eine Kehlnaht; anschließend lesen Sie alle Zahlen für Größe oder Länge neben dem Symbol .
V-Symbol mit Winkel und Wurzelspalt
Das weist auf eine V-förmig vorbereitete Fugennaht hin. Entscheidend sind nicht nur das V, sondern auch Fugenwinkel, Wurzelspalt und Vorbereitungstiefe, weil sie zur Anforderung an die Verbindung gehören .
Kleiner Kreis am Übergang von Pfeil und Bezugslinie
Das ist das Zeichen für eine umlaufende Schweißung. Die Naht ist also nicht nur an einer sichtbaren Stelle im Ansichtsbild auszuführen, sondern umlaufend um die Verbindung, soweit die Zeichnung dies definiert .
Kleine Fahne an der Bezugslinie
Diese Fahne kennzeichnet eine Baustellen- oder Montageschweißung. Sie unterscheidet eine später vor Ort auszuführende Naht von einer Werkstattnaht .
Lesen Sie ein Schweißsymbol wie einen technischen Satz: Die Norm liefert die Grammatik, der Pfeil zeigt auf die Verbindung, die Bezugslinie ordnet die Informationen, das Nahtsymbol nennt die Nahtart, und Maße sowie Zusatzzeichen machen daraus eine konkrete Ausführungsanweisung. So werden kleine Zeichen auf der Zeichnung zu klaren Angaben darüber, wo, wie und mit welchen Anforderungen geschweißt werden soll .