Nvidias Geschäft wächst stark, doch die Aktie wird gemessen an den erwarteten Gewinnen niedriger bewertet. Laut Bloomberg kostete sie am 22. September weniger als das 17-Fache des für die folgenden zwölf Monate erwarteten Gewinns – ungefähr halb so viel wie 2025 und nahe ihrem günstigsten Bewertungsniveau seit mehr als einem Jahrzehnt. Dahinter steht die Frage, ob Nvidia seine außergewöhnlichen Ergebnisse dauerhaft wiederholen kann.
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Wie kann das KGV fallen, wenn das Geschäft boomt?
Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum prognostizierten Gewinn je Aktie. Steigen die Gewinnschätzungen schneller als der Kurs, sinkt das KGV – selbst wenn die Aktie teurer wird. Ein niedriges KGV im historischen Vergleich bedeutet deshalb weder automatisch, dass die Aktie billig ist, noch dass die prognostizierten Gewinne sicher eintreten.
An Wachstumszahlen fehlt es nicht: Für Nvidias laufendes Geschäftsjahr wurden bei Umsatz und Nettogewinn jeweils Zuwächse von rund 90 Prozent oder mehr erwartet. Der Quartalsumsatz mit Rechenzentren lag 117 Prozent über dem Vorjahreswert. Die erste Zahlengruppe sind Prognosen, die zweite beschreibt bereits erzielte Umsätze. Beides beantwortet noch nicht, wie lange das Tempo anhält.
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Woher kommen die Zweifel?
Ein Risiko sind die Gewinnmargen. Nvidia meldete für sein zweites Geschäftsquartal eine Bruttomarge von 75 Prozent. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen rund 74 Prozent in Aussicht; ein späterer Bericht nannte für das vierte Quartal eine Prognose von unter 72 Prozent. Höhere Speicherkosten gelten ebenfalls als Belastung. Sinkt die Bruttomarge, bleibt von jedem Dollar Umsatz weniger Bruttogewinn übrig – auch bei weiter steigenden Verkäufen.
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Hinzu kommt die Konkurrenz durch große Technologiekunden, die eigene Chips entwickeln. Verlagern sie einen Teil ihrer KI-Anwendungen auf diese Chips, könnte das Nvidias Absatz oder Preissetzungsspielraum beeinträchtigen, selbst wenn die gesamten KI-Investitionen weiter wachsen. Wie viel Geschäft dadurch tatsächlich wegfiele, ist offen.
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TCW-Portfoliomanager Eli Horton deutet das niedrigere KGV als Ausdruck von Skepsis, ob Nvidias derzeitige Ertragskraft Bestand hat. Anleger können also die heutige Nachfrage anerkennen und künftige Gewinne dennoch vorsichtiger bewerten.
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Was spricht für die optimistische Sicht?
Nvidia-Chef Jensen Huang bezeichnete das Unternehmen bei einer Goldman-Sachs-Konferenz am 10. September als „growth value stock“ – sinngemäß eine Wachstumsaktie mit günstiger Bewertung. Er bekräftigte seine Prognose, Nvidias Umsatz könne im nächsten Geschäftsjahr um 70 Prozent wachsen. Zudem erwartet er, dass die weltweiten jährlichen Ausgaben für KI-Infrastruktur bis 2030 auf 3 bis 4 Billionen US-Dollar steigen könnten. Das sind Vorhersagen, keine bereits erzielten Umsätze; nur ein Teil der weltweiten Ausgaben könnte bei Nvidia ankommen.
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Auch Analysten blieben überwiegend optimistisch: Eine Erhebung vom 17. September nannte ein durchschnittliches Kursziel von 324,34 US-Dollar und eine durchschnittliche Kaufempfehlung; ein Bericht vom 24. September bezifferte das Kursziel auf 327,70 US-Dollar. Gemessen am Schlusskurs vom 24. September von 224,58 US-Dollar entspräche beides rechnerisch mehr als 40 Prozent Kurspotenzial. Ein Kursziel ist jedoch eine Einschätzung, keine zugesicherte Rendite.
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Wichtig bei der Zahl „unter 17“: Ein Bericht vom 24. September errechnete ein erwartetes KGV von etwa 25 statt des von Bloomberg am 22. September gemeldeten Werts unter 17. Die vorliegenden Berichte klären nicht, welche Gewinnschätzungen und Berechnungsmethoden den Unterschied erklären. „Unter 17“ sollte daher nicht als unstrittiger Wert für den 24. September gelesen werden. Die entscheidende Frage bleibt bei beiden Berechnungen dieselbe: Rechtfertigen Nvidias künftige Gewinne den heutigen Aktienkurs?
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