Bitcoin unter 80.000 Dollar: Damit ist die Frage, ob der Tiefpunkt des aktuellen Marktzyklus bereits erreicht ist, noch längst nicht beantwortet. Am 30. Oktober lag der Kurs laut Benjamin Cowen bei rund 77.100 Dollar. Zuvor hatte Bitcoin zwei Wochenabschlüsse unterhalb von etwa 83.000 Dollar verzeichnet.
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Die Einschätzungen gehen trotzdem auseinander: Einige Analysten sehen Anzeichen dafür, dass der Verkaufsdruck nachlässt. Andere halten die Erholung für gescheitert oder sehen wichtige Unterstützungen in Gefahr. Entscheidend ist, zwei Fragen nicht zu vermischen: Ist der Tiefpunkt schon erreicht – und hat ein nachhaltiger Bullenmarkt begonnen?
Ein möglicher Tiefpunkt ist nicht automatisch der Start einer Rally
Die Makroanalystin Lyn Alden bezeichnete es als ihr Basisszenario, dass der Zyklustiefpunkt bereits hinter Bitcoin liegen könnte. Sie stellte diese Einschätzung jedoch ausdrücklich als Wahrscheinlichkeitsurteil dar, nicht als Gewissheit. Zu ihrer Begründung gehört, dass gehebelte Positionen abgebaut wurden und kurzfristig orientierte Händler den Markt weitgehend verlassen hätten. Neue Nachfrage könnte dennoch auf sich warten lassen. Ein erschöpfter Verkaufsdruck bedeutet also nicht zwangsläufig, dass der Kurs sofort wieder steigt.
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Auch die Marke von 80.000 Dollar ist dabei nicht automatisch der entscheidende Punkt. „Der Tiefpunkt liegt hinter uns“ muss nicht heißen, dass er bei oder nahe 80.000 Dollar erreicht wurde: Ein Bericht beziffert das Bitcoin-Jahrestief 2026 auf 57.717 Dollar am 30. Juni.
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Was hinter den unterschiedlichen Einschätzungen steckt
- Lyn Alden setzt auf ein mögliches Ende der Verkaufswelle. Ihr Szenario lässt Raum für eine unruhige Seitwärtsphase und eine langsam zurückkehrende Nachfrage. Es ist eine These über den möglichen Zyklustiefpunkt, aber kein Beleg für den Beginn eines neuen Bullenmarkts.
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- Trader Killa sieht eine mögliche Handelsspanne um 80.000 Dollar. Zugleich hält er einen weiteren Rücksetzer für möglich, bei dem Liquidität innerhalb dieser Spanne abgeschöpft würde. Nach wiederholten Fehlausbrüchen könnten Anleger Erholungen weiterhin misstrauen.
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- Michael Sullivan erkennt Parallelen zur Stimmung von 2015. Die geringe Überzeugung vieler Anleger trotz der Erholung erinnert ihn an eine frühe „Disbelief Rally“ – eine Rally, an die viele zunächst nicht glauben. Der Vergleich beschreibt die Stimmung, garantiert aber keinen ähnlichen Kursverlauf.
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- Mike von The DeFi Report bleibt bedingt optimistisch. Er sieht Bitcoin in einem frühen Bullenmarkt und die 50-Wochen-EMA bei rund 76.300 Dollar als wichtige Unterstützung. Ein Test dieser Marke entspräche laut seiner Einschätzung einer Korrektur von etwa 12 Prozent gegenüber dem Hoch vom 4. Oktober bei 86.500 Dollar. Seine These hängt damit davon ab, ob die Unterstützung hält.
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- Markus Thielen blickt auf das Jahresende. Sein Kursziel von 90.000 Dollar beruht auf der Einschätzung, dass steigende Staatsschulden, anhaltende Inflation und ein globaler Ausverkauf bei Anleihen Bitcoin als Alternative zu klassischen festverzinslichen Anlagen attraktiver machen könnten. Diese längerfristige These schließt kurzfristige Verluste nicht aus.
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- Benjamin Cowen liest das Kursbild pessimistisch. In seinem Modell gelten zwei Wochenabschlüsse unter etwa 83.000 Dollar als Bestätigung eines Fehlausbruchs. Am 30. Oktober berichtete er zudem, Bitcoin sei aus seiner Fünf-Wochen-Spanne gefallen. Diese Sicht gewichtet stärker, dass die Erholung wichtige Marken nicht halten konnte.
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Fed-Zinspause, aber kein klares Signal der Entwarnung
Die US-Notenbank Fed beließ ihren Zielkorridor am 28. Oktober bei 3,75 bis 4 Prozent. Zwei Entscheidungsträger sprachen sich allerdings für eine Erhöhung um 25 Basispunkte aus. Für Anleger, die auf eine künftig lockerere Geldpolitik hoffen, war die Entscheidung deshalb nicht unbedingt beruhigend. Unmittelbar nach der Bekanntgabe reagierten Bitcoin-Kurs und Optionsmarkt zunächst nur wenig.
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Auch die Nachfrage über börsengehandelte Bitcoin-Fonds (Spot-ETFs) lieferte kein eindeutiges Signal. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am 22. Oktober Nettoabflüsse von 635,6 Millionen Dollar – nach drei Handelstagen mit Zuflüssen. Die geschätzten Einstandskurse der ETFs und erfasster Unternehmen lagen zwischen 80.000 und 81.500 Dollar. Mit dem Kursrückgang geriet diese Spanne erneut in den Blick.
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Der Druck beschränkte sich zudem nicht auf Bitcoin: Bloomberg berichtete am 22. Oktober, dass die Kryptowährung im Zuge einer breiteren Schwäche an den Weltmärkten unter 82.000 Dollar gefallen war. Auch Ether, Solana und XRP gaben nach. Das kann als Zeichen einer geringeren Risikobereitschaft gelesen werden. Es beweist für sich genommen aber nicht, dass der Zyklustiefpunkt noch bevorsteht.
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Welche Marken jetzt für die Debatte zählen
Die Einschätzungen hängen an unterschiedlichen Prüfsteinen. Für Aldens These ist entscheidend, ob der starke Verkaufsdruck tatsächlich nachgelassen hat und neue Käufer zurückkehren. Für Mikes frühe-Bullenmarkt-Szenario ist die Unterstützung bei etwa 76.300 Dollar zentral. Cowens pessimistische Lesart stützt sich dagegen auf die Wochenabschlüsse unter 83.000 Dollar und den anschließenden Bruch der Fünf-Wochen-Spanne.
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Stand 30. Oktober beweist keine dieser Einschätzungen, wo Bitcoins Zyklustiefpunkt liegen wird. Die vorsichtigste Schlussfolgerung lautet: Die uneinheitliche Fed-Entscheidung, das schwächere Kursbild und schwankende ETF-Flüsse machen es schwierig, 80.000 Dollar als bestätigten Boden auszurufen. Davon getrennt bleibt die Möglichkeit, dass ein Tiefpunkt schon früher erreicht wurde – und die Frage, ob daraus bereits ein nachhaltiger Bullenmarkt entsteht.
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