Der Zusammenhang lässt sich in fünf Schritten erklären:
Bei KI-Investitionen denken viele zuerst an GPUs, also die Rechenchips, die Modelle trainieren und ausführen. Für SK hynix ist aber der Speicher daneben entscheidend. HBM steht für High Bandwidth Memory, auf Deutsch etwa Speicher mit sehr hoher Bandbreite. Solcher Speicher wird in KI-Beschleunigern benötigt, damit die Recheneinheiten schnell genug mit Daten versorgt werden können.
Genau hier entsteht der Börsenhebel. Wenn Hyperscaler – also große Cloud- und Rechenzentrumsbetreiber – mehr KI-Server planen, steigt nicht nur die Nachfrage nach Nvidia-Chips. Auch der Bedarf an HBM wächst. TNW beschrieb SK hynix als südkoreanischen Speicherspezialisten, der HBM für KI-Beschleuniger liefert .
Für einen Speicherhersteller zählen dabei zwei Dinge besonders: Absatzmengen und Preise. Morningstar/Dow Jones zufolge führte SK hynix seine starke Quartalsentwicklung unter anderem auf rege Lieferungen hochwertiger HBM3E-Produkte und höhere Preise für DRAM-Chips zurück, die in Datenservern für KI-Training eingesetzt werden . Aus Sicht der Börse war die KI-Story daher nicht nur ein Schlagwort, sondern eine mögliche Verbesserung von Umsatz, durchschnittlichen Verkaufspreisen und Margen.
Nicht jeder Halbleiterwert reagiert gleich stark auf KI-Ausgaben. Bei SK hynix kommt die besondere Rolle in der Nvidia-Lieferkette hinzu. Morningstar/Dow Jones nannte SK hynix den Hauptlieferanten von HBM-Produkten für Nvidia, während AFP schrieb, SK hynix dominiere den Markt für HBM-Halbleiter und sei ein wichtiger Zulieferer für Nvidia .
Auch die Verbindung zur US-Nachfrage ist in den Zahlen sichtbar. TrendForce berichtete, der Umsatz von SK hynix im US-Markt sei 2024 um das 2,6-Fache gestiegen, befeuert durch die Nachfrage großer US-Technologieunternehmen nach KI-Speicherchips . Demnach machte der US-Markt einschließlich der amerikanischen Tochtergesellschaft mehr als die Hälfte des Jahresumsatzes von SK hynix aus .
Darum wirken Nachrichten über KI-Budgets von US-Techkonzernen nicht nur auf Nvidia. Sie werden auch als Durchreicheffekt auf Unternehmen gelesen, die kritische Bauteile für Nvidia-Systeme liefern – und SK hynix steht in dieser Logik weit vorn.
Die Rally beruhte nicht nur auf Hoffnung. AFP meldete für das zweite Quartal 2025 einen operativen Gewinn von 9,21 Billionen Won, fast 70 % mehr als im Vorjahr; der Umsatz lag bei 22,23 Billionen Won, beides Rekordwerte .
Später berichtete die Straits Times, SK hynix habe im Septemberquartal einen Rekord-Betriebsgewinn von 11,4 Billionen Won erzielt und Kunden hätten sich bereits die gesamte Speicherchip-Produktpalette für 2026 gesichert . Morningstar/Dow Jones führte die Rekordergebnisse im dritten Quartal ebenfalls auf starke HBM3E-Lieferungen und höhere DRAM-Preise für KI-Server und mobile Geräte zurück .
Für Anleger war das wichtig, weil es die KI-Nachfrage in konkrete Bestellungen und Preise übersetzte. Die Geschichte lautete nicht mehr nur: KI könnte irgendwann mehr Speicher brauchen. Sie lautete: KI-Rechenzentren kaufen bereits Speicher, und SK hynix verdient daran.
Der starke Kursanstieg zeigt aber auch, dass der Markt viel Zukunft vorwegnimmt. In der Bewertung stecken im Wesentlichen drei Erwartungen:
Der Zusammenhang ist stark, aber nicht risikofrei. Erstens könnte mehr HBM-Angebot den Preisdruck erhöhen, wenn neue Kapazitäten schneller auf den Markt kommen als erwartet. Genau diese Frage – wann das Angebot die Nachfrage einholt – hob TNW als zentrale Unsicherheit hervor .
Zweitens hängt die Story am Tempo der KI-Ausgaben. Wenn große Techkonzerne ihre Rechenzentrumsinvestitionen verlangsamen, würde das die Nachfrageerwartungen für KI-Speicher belasten . Drittens ist die Nähe zu Nvidia zwar ein Vorteil, macht SK hynix aber auch empfindlich gegenüber Änderungen im Nvidia-Zyklus oder in dessen Lieferkette .
Viertens ist die Bewertung selbst ein Thema. Dass die Aktie nach dem Sprung über 600.000 Won und einem Plus von 262 % in 306 Tagen als Investment-Warning-Titel eingestuft wurde, zeigt: Auch eine gute fundamentale Geschichte kann kurzfristig hohe Schwankungen mit sich bringen .
Fazit: US-Big-Tech treibt die SK-hynix-Aktie nicht direkt, sondern über den Bedarf an KI-Infrastruktur. Mehr KI-Rechenzentren bedeuten mehr Nvidia-Beschleuniger; mehr Nvidia-Beschleuniger bedeuten mehr HBM; und mehr HBM-Nachfrage verbessert die Gewinnperspektiven von SK hynix. Solange Investitionen und Speicherknappheit anhalten, bleibt diese Kette ein starker Kurstreiber – kippen Investitionstempo oder HBM-Angebot, kann sie aber auch in die andere Richtung wirken .