Die kurze Antwort lautet: Hongkongs allgemeine Cyberbedrohung ist laut offiziellen Daten gestiegen. KI-gestützter Betrug — besonders Deepfakes — ist zudem kein Zukunftsszenario mehr, sondern bereits in konkreten Fällen sichtbar geworden. Was die öffentlich prüfbaren Quellen aber nicht hergeben, ist eine saubere offizielle Prozentzahl nur für KI-Betrugsfälle.[5][
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Wichtig ist deshalb die Trennung: Einerseits gibt es offizielle Zahlen zu Cybersecurity-Vorfällen insgesamt. Andererseits gibt es Warnungen und Einzelfälle zu KI- und Deepfake-Betrug. Beides gehört zusammen, ist aber nicht dasselbe.
Was lässt sich belegen?
| Aussage | Belastbare Einordnung |
|---|---|
| Gibt es mehr Cyberangriffe oder Sicherheitsvorfälle in Hongkong? | Ja, wenn man die HKCERT-Statistik zu Sicherheitsvorfällen heranzieht: Die Zahl erreichte einen Rekordwert und stieg im Jahresvergleich um 27 Prozent.[ |
| Werden KI-Angriffe offiziell als Risiko genannt? | Ja. HKCERT nennt für 2026 AI-related attacks als zentrales Risiko; im Ausblick 2025 wurde auch AI content hijacking als wichtiger neuer Risikobereich genannt.[ |
| Gibt es reale Deepfake-Betrugsfälle in Hongkong? | Ja. 2024 wurde über einen Fall berichtet, bei dem ein Finanzmitarbeiter in einer gefälschten Videokonferenz zu Überweisungen von mehr als 25 Millionen US-Dollar verleitet wurde; die AI Incident Database beschreibt denselben Typ Fall mit rund 200 Millionen Hongkong-Dollar Schaden.[ |
| Kann man sagen: Offiziell ist KI-Betrug um X Prozent explodiert? | Das wäre zu stark. Die Quellen stützen die Aussage, dass Risiko und konkrete Schäden zunehmen. Sie liefern aber keine vollständige, offizielle Zeitreihe nur für KI-Betrugsfälle.[ |
Die offizielle Zahl: 27 Prozent mehr Sicherheitsvorfälle
HKCERT, das Hong Kong Computer Emergency Response Team Coordination Centre — grob vergleichbar mit einem Computer-Notfallteam für Cybersicherheitsvorfälle — berichtet im Hong Kong Cybersecurity Outlook 2026 von einem Rekord bei Sicherheitsvorfällen in Hongkong. Die Zahl sei im Jahresvergleich um 27 Prozent gestiegen. In derselben Veröffentlichung werden AI-related attacks und Lieferkettenrisiken als zentrale Sorgen genannt; außerdem hätten fast 30 Prozent der Unternehmen kein eigenes Cybersicherheitspersonal.[5]
Diese 27 Prozent sind die härteste offizielle Zahl in den vorliegenden Quellen. Sie müssen aber korrekt gelesen werden: Gemeint sind Cybersecurity-Vorfälle insgesamt, nicht ausschließlich KI-Betrug. Man kann also sagen: Die erfassten Sicherheitsvorfälle in Hongkong sind gestiegen. Man sollte aber nicht daraus machen: KI-Betrug ist offiziell um 27 Prozent gestiegen.[5]
Auch der Blick auf den vorherigen HKCERT-Ausblick passt zu diesem Bild. Für 2025 meldete HKCERT, dass Phishing-Angriffe ein Fünfjahreshoch erreicht hätten; zudem wurden Schwachstellen in der Lieferkette und AI content hijacking als wichtige neue Risiken hervorgehoben.[3] Der Cybersecurity Report 2024 der Hong Kong Police Force ordnet die globale und lokale Cybersicherheitslage ein, gibt Empfehlungen und blickt auf mögliche Bedrohungen für Hongkong im kommenden Jahr — ein weiteres Signal, dass die Behörden das Thema als anhaltende Sicherheitsaufgabe behandeln.[
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Deepfake-Betrug: Der Videocall ist nicht mehr automatisch ein Identitätsnachweis
Der bekannteste Fall zeigt, warum KI-Betrug so ernst genommen wird. CNBC berichtete, dass ein Finanzmitarbeiter in Hongkong 2024 in einer gefälschten Videokonferenz getäuscht wurde. Betrüger sollen Deepfake-Technik genutzt haben, um Kolleginnen und Kollegen vorzutäuschen, und den Mitarbeiter so zu Überweisungen von mehr als 25 Millionen US-Dollar gebracht haben.[4]
Die AI Incident Database beschreibt einen vergleichbaren Hongkonger Fall: Täter simulierten in einer Videokonferenz den CFO und weitere Teilnehmende, woraufhin ein Mitarbeiter rund 200 Millionen Hongkong-Dollar — etwa 25 Millionen US-Dollar — überwiesen habe.[6]
Der Kern des Falls ist nicht nur die Schadenssumme. Entscheidend ist die Methode: Was im Arbeitsalltag lange als recht verlässlich galt — jemanden in einem Videocall zu sehen und zu hören — kann mit generativer KI zur Täuschung werden. Für Zahlungsfreigaben reicht ein einzelner Videocall deshalb nicht mehr als Sicherheitsanker.[4][
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Was ist mit Schlagzeilen über 1.000 Prozent mehr Deepfakes?
Es gibt Berichte, die sich auf Daten des Anbieters Sumsub stützen und für Hongkong im ersten Quartal 2024 einen Anstieg von Deepfake incidents um 1.000 Prozent nennen.[7]
Solche Zahlen sind ein Warnsignal. Sie sind aber nicht dasselbe wie eine offizielle, vollständige Statistik von HKCERT oder der Hongkonger Polizei. Seriös formuliert: Diese Daten passen zur Einschätzung, dass Deepfake-Risiken deutlich ernster werden. Sie belegen aber nicht, dass Hongkongs Behörden einen landesweiten Anstieg von KI-Betrugsfällen um 1.000 Prozent offiziell bestätigt hätten.[5][
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Was sollten Unternehmen und Privatpersonen jetzt tun?
1. Große Überweisungen nie nur per Videocall, E-Mail oder Chat freigeben. Der Hongkonger Deepfake-Fall drehte sich gerade um eine gefälschte Videokonferenz und vorgetäuschte Kolleginnen und Kollegen.[4][
6] Sinnvoller ist eine unabhängige Bestätigung über bekannte interne Kanäle — etwa eine hinterlegte Telefonnummer, ein internes Freigabesystem oder eine zweite autorisierte Person.
2. Bei Druckwörtern automatisch bremsen. Formulierungen wie dringend, vertraulich, Chef-Anweisung oder sofort überweisen sollten zusätzliche Prüfungen auslösen. Deepfakes wirken besonders gefährlich, wenn sie mit Zeitdruck und Autorität kombiniert werden.[4][
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3. Phishing bleibt die Basisbedrohung. HKCERT meldete für den Ausblick 2025 ein Fünfjahreshoch bei Phishing-Angriffen.[3] Schulungen, saubere URL-Prüfung, Vorsicht bei Login-Seiten und ein klarer Umgang mit Anhängen sind daher weiterhin zentrale Schutzmaßnahmen.
4. Zuständigkeiten festlegen. Wenn fast 30 Prozent der Unternehmen laut HKCERT kein eigenes Cybersicherheitspersonal haben, ist mindestens eine klare interne Verantwortlichkeit nötig: Wer prüft Vorfälle? Wer entscheidet über Sperren? Wer darf Zahlungsprozesse ändern? Wer informiert Mitarbeitende?[5]
5. Drittanbieter und Lieferketten prüfen. HKCERT nennt Lieferkettenrisiken im Ausblick 2026 als Top-Sorge; schon im Ausblick 2025 wurden Schwachstellen in der Lieferkette als wichtiger Risikobereich genannt.[5][
3] Unternehmen sollten daher Zugänge von Dienstleistern, Cloud-Konten, geteilte Logins und Rechte in externen Systemen regelmäßig kontrollieren.
Fazit: Ja, die Lage verschärft sich — aber die Zahlen müssen sauber bleiben
Wenn die Frage lautet, ob Hongkongs erfasste Cybersecurity-Vorfälle zunehmen, ist die Antwort klar: HKCERT meldet einen Rekord und 27 Prozent mehr Sicherheitsvorfälle im Jahresvergleich.[5]
Wenn die Frage lautet, um wie viel KI-Betrug in Hongkong offiziell gestiegen ist, fällt die Antwort vorsichtiger aus. Die öffentlichen Quellen belegen, dass AI-related attacks, AI content hijacking und Deepfake-Betrug reale Risiken sind. Sie reichen aber nicht aus, um eine exakte offizielle Wachstumsrate nur für KI-Betrugsfälle anzugeben.[5][
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Die präziseste Zusammenfassung lautet daher: Hongkong sieht offiziell mehr Cybersecurity-Vorfälle, und KI-gestützter Betrug wird spürbar relevanter. Wie stark speziell KI-Betrugsfälle gestiegen sind, lässt sich aus den öffentlich verfügbaren offiziellen Daten derzeit nicht belastbar beziffern.




