Dieser Wert ist Teil eines alarmierenden Trends. Die dekadische Erwärmungsrate hat nun etwa 0,27 °C pro Jahrzehnt erreicht, ein Tempo, das als „beispiellos in der instrumentellen Aufzeichnung“ beschrieben wird . Andere Bewertungen stellen fest, dass dies etwa doppelt so schnell ist wie die Rate von etwa 0,18 °C pro Jahrzehnt, die zwischen 1970 und 2010 beobachtet wurde
. Zum Vergleich: Das ist, als würde die Durchschnittstemperatur in Deutschland jedes Jahrzehnt um etwa den Wert steigen, der klimatisch einem Sprung von Hamburg nach München gleichkäme.
Der vielleicht dringlichste Befund ist die rasche Erschöpfung des verbleibenden globalen Kohlenstoffbudgets – jener Menge an CO₂, die noch ausgestoßen werden darf, um eine Chance zu wahren, die Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen. Der IGCC-Bericht beziffert das Budget mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit auf nur noch 130 Milliarden Tonnen CO₂ ab Anfang 2026 . Bei einem derzeitigen jährlichen CO₂-Ausstoß von etwa 42 Milliarden Tonnen wäre dieses Budget in etwa drei Jahren aufgebraucht
. Diese Zahl veranschaulicht die extreme Dringlichkeit: Das verbleibende Emissionskontingent der gesamten Menschheit entspricht gerade noch dem Dreifachen des jährlichen globalen Ausstoßes.
Noch kritischer wird die Lage, wenn man eine höhere Sicherheit anstrebt. Das Budget für eine 67-prozentige Wahrscheinlichkeit, unter 1,5 °C zu bleiben, beträgt ab Januar 2026 nur noch magere 80 Milliarden Tonnen CO₂ .
Bei der derzeitigen Entwicklung wird die 1,5°C-Schwelle laut Prognose des Berichts um das Jahr 2030 herum dauerhaft überschritten werden .
Die Ursache der Erwärmung ist in der Atmosphäre sichtbar. Der IGCC-Bericht bestätigt, dass die Konzentrationen der wichtigsten Treibhausgase im Jahr 2024 den höchsten Stand seit mindestens 800.000 Jahren erreicht haben .
Diese Rekordkonzentrationen sind direkt mit neuen Allzeithochs bei den globalen Emissionen verbunden. Die IGCC-Bewertung kommt zu dem Schluss, dass die gesamten globalen Treibhausgasemissionen im Jahr 2024 einen Rekordwert von 56,8 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalent (GtCO₂e) erreicht haben, hauptsächlich angetrieben durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe .
Ein entscheidender integrativer Maßstab für das Tempo des Klimawandels ist die Erd-Energieungleichgewicht (Earth’s Energy Imbalance, EEI) – die Differenz zwischen der Energie, die unser Planet von der Sonne aufnimmt, und der Energie, die er zurück ins All abstrahlt. Ein positives EEI bedeutet, dass die Erde Wärme aufnimmt.
Der IGCC-Bericht und zugehörige Daten der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) bestätigen, dass das EEI nicht nur ein Rekordhoch erreicht hat, sondern sich auch beschleunigt . Die Anstiegsrate stieg für den Zeitraum 2001–2025 sprunghaft auf 0,30 ± 0,1 Watt pro Quadratmeter (W/m²) pro Jahrzehnt, ein Tempo, das mehr als doppelt so hoch ist wie der langfristige Trend
. Dieses wachsende Energieungleichgewicht ist der grundlegende Motor, der die beschleunigte Erwärmung, Rekorde bei der Ozeanwärme und die Gletscherschmelze antreibt
.
Die überschüssige Wärme, die von den Treibhausgasen zurückgehalten wird, wird größtenteils von den Ozeanen absorbiert, mit kaskadenartigen Folgen. Die WMO stellt fest, dass mehr als 90 % dieser überschüssigen Energie im Meer gespeichert wurden . Diese thermische Ausdehnung des Wassers, kombiniert mit Schmelzwasser von Gletschern und Eisschilden, treibt eine Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs voran.
Der IGCC-Bericht hebt hervor, dass der beobachtete Meeresspiegelanstieg nun schneller ist, als es frühere Projektionen des IPCC (Weltklimarat) in seinem Sechsten Sachstandsbericht (AR6) anzeigten . Aktuelle Daten zeigen, dass die jährliche Rate des Meeresspiegelanstiegs für den Zeitraum 2012-2025 auf 4,75 mm pro Jahr gestiegen ist, verglichen mit 2,65 mm pro Jahr von 1993-2011
. Diese Verdopplung der Rate innerhalb weniger Jahrzehnte ist ein dramatisches Zeichen für die Krise. Zwar ist der spezifische kumulative Meeresspiegelanstieg des IGCC seit 1901 in den aktuellen öffentlichen Zusammenfassungen nicht verfügbar, doch ist die zentrale Botschaft zu diesem Indikator eine der klaren und rapiden Verschlechterung, angetrieben durch das wachsende Energieungleichgewicht
.
Comments
0 comments