Die Entwicklung der Investitionsprognosen von Morgan Stanley spricht Bände. Noch vor einem Jahr rechnete die Bank mit gemeinsamen CapEx-Ausgaben der Hyperscaler von rund 450 Milliarden Dollar für die Jahre 2026 und 2027 . Diese Schätzungen haben sich nun mehr als verdoppelt:
Der Wert für 2027 ist mehr als viermal so hoch wie die Ausgaben der Gruppe im Jahr 2024 . Nach einem Anstieg von 70 % im Vergleich zum Vorjahr im Jahr 2025 werden die Ausgaben der Hyperscaler weiter beschleunigt. Insgesamt wird mit zusätzlichen Investitionen von 2 Billionen Dollar bis 2028 gerechnet
. Die Aktienanalysten von Morgan Stanley um Brian Nowak haben ihre Modelle nach den Quartalszahlen zum ersten Quartal massiv angepasst
.
Die gewaltigen Investitionen schaffen ein drohendes Abschreibungsproblem. Morgan Stanley nennt zwei sich überschneidende Schätzungen:
Die Prognosen auf Unternehmensebene sind besonders auffällig. So könnten sich die Abschreibungen von Alphabet bis Ende 2028 vervierfachen . Oracles Abschreibungen – 2025 noch bei rund 4 Milliarden Dollar – könnten bis 2029 auf 56 Milliarden Dollar anschwellen, was etwa 28 % der vom Konsens erwarteten Umsätze entspräche
.
Diese Belastungen sind entscheidend, weil sie direkt in die Gewinn- und Verlustrechnung einfließen, die Margen drücken und die ausgewiesenen Gewinne schmälern. Die Financial Times sprach in diesem Zusammenhang von einem „Jetzt-kaufen-später-buchen“-Problem der großen Tech-Konzerne .
Unter den fünf Hyperscalern ist Oracle am stärksten exponiert. Das Verhältnis von Abschreibungen zu Umsatz dürfte von etwa 7 % auf 28 % in den kommenden Jahren steigen . Da Oracles Umsatzbasis kleiner ist als die der Konkurrenz, schlägt der gleiche Dollar-Betrag an Infrastrukturabschreibungen in der Bilanz viel stärker zu Buche. Die Analysten von Morgan Stanley sehen Oracle als das Unternehmen, bei dem das Missverhältnis zwischen massiven KI-Infrastrukturinvestitionen und den Einnahmen am deutlichsten in den Geschäftszahlen sichtbar wird
.
Die ausgewiesenen Investitionssummen könnten das tatsächliche finanzielle Risiko sogar noch unterzeichnen. Morgan Stanley weist darauf hin, dass Finanzierungsleasing die effektiven Investitionsquoten noch weiter nach oben treibt . Noch bedeutender ist, dass Technologiekonzerne in weniger als zwei Jahren über 120 Milliarden Dollar an Rechenzentrumsausgaben über Zweckgesellschaften (Special Purpose Vehicles, SPVs) aus ihren Bilanzen ausgelagert haben. Dies schafft versteckte Schulden und Prozessrisiken
.
Auch die Ratingagentur Moody’s schlägt Alarm: Die fünf größten US-Hyperscaler haben demnach zukünftige Leasingverpflichtungen für Rechenzentren in Höhe von 662 Milliarden Dollar angehäuft, die noch nicht begonnen haben und daher nach aktuellen Bilanzierungsregeln komplett außerhalb der Bilanz stehen . Diese Auslagerung hat bereits das Misstrauen von US-Senatoren geweckt, die speziell Strukturen kritisierten, bei denen externe Investoren Rechenzentren finanzieren und bauen, um sie dann an die Tech-Konzerne zurückzuvermieten – ein prominentes Beispiel ist Metas 27-Milliarden-Dollar-Projekt Hyperion in Louisiana
.
Aus dem laufenden Cashflow können die Hyperscaler diesen Ausbau nicht stemmen. Morgan Stanley schätzt, dass bis 2028 weltweit rund 2,9 Billionen Dollar an Investitionen in Rechenzentren nötig sind, wovon eine Finanzierungslücke von 1,5 Billionen Dollar durch externes Kapital gedeckt werden muss . Die geschätzte Aufteilung:
Die Emission von Schuldtiteln boomt bereits. Allein 2025 haben die Hyperscaler mehr als 100 Milliarden Dollar an Investment-Grade-Anleihen für den Bau von Rechenzentren ausgegeben . Morgan Stanley erwartet, dass das Netto-Anleiheangebot dieser Gruppe 2026 um etwa 30 % bis 50 % steigen und ein Volumen von 130 bis 150 Milliarden Dollar erreichen könnte
. Reuters berichtete, dass das jährliche Volumen an KI- und Rechenzentrumsanleihen von 166 Milliarden Dollar (2023) auf 625 Milliarden Dollar (2025) gestiegen ist
. J.P. Morgan schätzt die gesamte Neuverschuldung der Big-Tech-Konzerne auf 455 Milliarden Dollar über 27 Emittenten, inklusive 357 Milliarden Dollar an direkter Kreditaufnahme der fünf Hyperscaler
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Morgan Stanley zieht einige ernüchternde historische Vergleiche:
Lisa Shalett, Chefanlagestrategin bei Morgan Stanley Wealth Management, warnte bereits vor „Rissen“ im KI-Investitionsboom und bezeichnete die Nachhaltigkeit der GenAI-Investitionen als wichtigste Frage für Anleger im kommenden Jahr. Sie erklärte: „In Bezug auf Markterwartungen glauben wir, dass wir uns eher im siebten als im ersten Spielling befinden“ – in Anlehnung an die neun Innings eines Baseballspiels .
Der breitere Forschungskontext unterstreicht das Ausmaß: Morgan Stanley schätzt, dass bis 2028 fast 3 Billionen Dollar an KI-bezogenen Infrastrukturinvestitionen durch die Weltwirtschaft fließen werden, wobei mehr als 80 % dieser Ausgaben noch bevorstehen . Die Bank charakterisiert den Ausbau eher als industrielle Erschließung denn als spekulative Tech-Ausgaben. Doch die finanzielle Architektur, die Abschreibungslast und die Abhängigkeit von Schulden bringen Risiken mit sich, die auf unbequeme Weise an frühere Boom-und-Bust-Zyklen erinnern.
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