Anfang August 2026 befand sich die Heatmap in ihrer „kältesten Phase seit FTX“ . Die Dauer dieser Kapitulationsphase ist damit länger als in jedem vergleichbaren Zeitraum seit dem FTX-Crash. Rafael Schultze-Kraft, Mitgründer von Glassnode und Entwickler des Instruments, betonte jedoch eine wichtige Einschränkung: Die aggregierten Werte sind noch nicht in das einheitliche, tiefblaue Muster gekippt, das frühere Bärenmarkt-Böden bestätigte .
Für Anleger bedeutet das: Die Marktbedingungen ähneln zwar der späten Stressphase früherer Zyklen, doch die Heatmap liefert noch kein eindeutiges „Boden ist erreicht“-Signal. Ein schwaches Umfeld kann sich daher zunächst weiter hinziehen oder noch einmal verschärfen.
Ein zweites wichtiges Signal ist der Anteil des Bitcoin-Bestands, dessen aktueller Marktwert unter dem Preis des letzten On-Chain-Transfers liegt. Diese Coins gelten als „at unrealized loss“ – ihre Besitzer haben rechnerisch noch keinen Verlust realisiert, würden beim Verkauf zum aktuellen Kurs aber weniger erhalten.
Die Entwicklung im Jahr 2026 verlief dabei markant:
K33 Research zufolge überschritt der Anteil der Coins im Verlust bereits Anfang Juni die Marke von 50 Prozent. Die anschließende Phase bis Mitte Juli dauerte 42 Tage – das zweitlängste Bitcoin-Tief-Fenster in der bisherigen Historie dieses Signals .
Historisch tauchen solche Werte häufig in der späten Phase eines Bärenmarktes auf. Sie können auf Kapitulation und einen Besitzerwechsel hindeuten, bestätigen allein aber noch keinen endgültigen Tiefpunkt.
Für zusätzliche Unruhe sorgte Ende Juli und Anfang August eine Schwachstelle in der Firmware bestimmter Coldcard-Hardware-Wallets. Der Fehler schwächte die Erzeugung der Seed-Phrasen – also der Wiederherstellungswörter, mit denen Wallets abgesichert werden. Die Meldungen lösten bei betroffenen Nutzern einen Vertrauensschock aus.
Die Reaktion war unmittelbar in den Blockchain-Daten sichtbar:
Galaxy Research verfolgte mindestens drei bestätigte Angriffswellen. Dabei wurden schätzungsweise 1.367 BTC im Wert von rund 88,6 Millionen US-Dollar von 4.585 Adressen gestohlen. Eine mutmaßliche vierte Welle soll weitere 380 BTC betroffen haben .
Auch die längerfristige Bewegungsaktivität nahm zu: K33 Research zufolge wurden in den sieben Tagen bis zum 5. August fast 890.000 BTC On-Chain bewegt – der höchste Wochenwert des Jahres 2026 . Der Schwerpunkt lag auf kleineren Transfers, da Nutzer ihre Bestände aus möglicherweise gefährdeten Wallets abzogen.
Die hohen Verlustwerte und die panikartigen Transfers bedeuten nicht, dass das Bitcoin-Netzwerk selbst instabil ist. Glassnode verwies darauf, dass die Börsenbestände niedrig bleiben, sich rund um 60.000 bis 70.000 US-Dollar weiterhin Akkumulation zeigt und das Netzwerk während des Coldcard-Ereignisses sogar sein höchstes Transaktionsvolumen des Jahres verarbeitete .
Die On-Chain-Metriken weisen demnach eher auf einen Bärenmarkt in seiner späten Phase als auf einen technischen Zusammenbruch des Netzwerks hin . Die Coldcard-Welle war zudem ein spezieller Sicherheitsvorfall: Ein sprunghafter Anstieg der Aktivität kann in diesem Fall vor allem bedeuten, dass Nutzer ihre Coins aus Sorge um die Verwahrung verschieben – und nicht, dass neue Marktteilnehmer in großer Zahl einsteigen.
Die Daten sprechen für einen Markt, der sich möglicherweise der Bodenbildung nähert, aber noch nicht eindeutig am Tiefpunkt angekommen ist. In einer Ende Juli veröffentlichten Einschätzung wurde die Wahrscheinlichkeit einer Stabilisierung auf rund 60 Prozent beziffert. Mit 40 Prozent wurde das Risiko eines weiteren Rückgangs in den Bereich von 50.000 bis 58.000 US-Dollar angesetzt .
Der entscheidende Vorbehalt bleibt die Heatmap: Erst wenn sie das einheitliche tiefblaue Muster früherer Zyklustiefs erreicht, wäre das historisch stärkere Bestätigungssignal vorhanden. Bis dahin lautet die nüchterne Einordnung: Bitcoin befindet sich wahrscheinlich in der Endphase des Bärenmarkts – der Bärenmarkt ist damit aber noch nicht sicher beendet.