Bei Samsungs 2-nm-Foundry geht es derzeit weniger um ein einfaches Ja oder Nein. Entscheidend ist der Abstand zwischen technischem Fahrplan und belastbaren Großaufträgen. Samsung Electronics hält für die zweite Generation seines 2-nm-Prozesses am Ziel einer Massenfertigung in der zweiten Jahreshälfte 2026 fest und arbeitet mit wichtigen Kunden an PPA-Bewertungen sowie Testchips [7][
9]. PPA steht für Performance, Power und Area, also Leistung, Energiebedarf und Chipfläche [
9].
Bei KI- und HPC-Kunden ist die Lage vorsichtiger zu lesen. Samsung spricht von aktiven Gesprächen mit mehreren großen Kunden und erwartet mit einigen davon in absehbarer Zeit greifbare Ergebnisse [2][
3]. Das ist ein Fortschritt in der Pipeline, aber noch kein öffentlich bestätigter Großauftrag mit Kundennamen, Wafermengen oder klarem Umsatzzeitpunkt [
2][
3].
Der aktuelle Stand auf einen Blick
| Thema | Was öffentlich belegt ist | Wie es einzuordnen ist |
|---|---|---|
| Produktionszeitplan | Samsung entwickelt den 2-nm-Prozess der zweiten Generation mit dem Ziel, in der zweiten Jahreshälfte 2026 in die Massenfertigung zu gehen [ | Der Zeitplan steht. Ob Ausbeute und Qualität in der Serienfertigung stabil genug sind, muss sich separat zeigen. |
| Technische Validierung | Mit wichtigen Kunden laufen PPA-Bewertungen und Testchip-Kooperationen [ | Das ist näher an realer Produktentwicklung als reine Forschung. Es ersetzt aber keinen langfristigen Liefervertrag. |
| KI/HPC-Kunden | Samsung führt mit mehreren großen KI- und HPC-Kunden Gespräche über 2-nm-Kooperationen und erwartet bei einigen Kunden bald sichtbare Ergebnisse [ | Die Chancen sind gestiegen. Öffentlich gesicherte Angaben zu Kunden, Volumen und Umsatz fehlen aber. |
| Auftragsausblick | Einige Berichte nennen ein erwartetes Plus von mehr als 130 Prozent bei 2-nm-Auftragsprojekten, andere berichten von mehr als 30 Prozent [ | Die Richtung ist positiv, die konkrete Prozentzahl sollte wegen der widersprüchlichen Berichte vorsichtig gelesen werden. |
Wie weit ist die Vorbereitung auf die Massenfertigung?
Samsung erklärte im Januar 2026 in der Telefonkonferenz zu den Zahlen des vierten Quartals 2025, der 2-nm-Prozess der zweiten Generation werde mit Ziel Massenfertigung in der zweiten Jahreshälfte 2026 entwickelt. Dabei arbeite das Unternehmen auf Ausbeute- und Leistungsziele hin und führe mit wichtigen Kunden PPA-Bewertungen sowie Testchip-Kooperationen durch [7].
Im Mittelpunkt steht nach den Berichten vor allem SF2P, also Samsungs 2-nm-Prozess der zweiten Generation. ZDNet Korea berichtete, Samsung plane in der zweiten Jahreshälfte 2026 die Fertigung eines neuen Mobile-Produkts auf Basis von SF2P [4]. Das passt zu Samsungs früherer Roadmap vom Foundry Forum 2023: 2-nm-Prozesse sollten ab 2025 zunächst für Mobile-Anwendungen, 2026 für HPC und 2027 für Automobilhalbleiter ausgeweitet werden [
16].
Die sauberste Einordnung lautet deshalb: Samsung befindet sich bei 2 nm in der Phase vor der breiten Serienfertigung, in der Technologie, Kundendesign und Testchips zusammengeführt werden. Das ist ein wichtiger Schritt. Es bedeutet aber noch nicht automatisch, dass die Massenfertigung dauerhaft hohe Ausbeuten erreicht oder dass Kunden bereits große, langfristige Kapazitäten fest gebucht haben.
Sind die großen KI- und HPC-Kunden schon an Bord?
Die Wahrscheinlichkeit hat sich offenbar verbessert, aber öffentlich ist sie noch nicht in harte Verträge übersetzt. Samsung sagte in der Telefonkonferenz zum ersten Quartal 2026, die Foundry-Sparte führe aktive 2-nm-Kooperationsgespräche mit mehreren großen Kunden aus den Bereichen künstliche Intelligenz und High-Performance Computing, kurz HPC. Mit einigen Kunden werde in naher Zukunft ein sichtbares Ergebnis erwartet [2]. EDaily berichtete denselben Tenor [
3].
Für den Markt ist der Unterschied wichtig. Gespräche mit Großkunden können ein Vorläufer für spätere Aufträge sein. Ein bestätigter Auftrag wäre aber konkreter: Er würde typischerweise Angaben zu Kunde, Produkt, Kapazität, Zeitplan oder Umsatzbeitrag enthalten. Genau diese Details sind in den genannten Berichten nicht öffentlich belegt [2][
3].
Darum ist die treffendste Diagnose: Die 2-nm-Kundenpipeline wirkt besser als zuvor, doch der kommerzielle Durchbruch bei großen KI- und HPC-Chips ist noch nicht öffentlich nachgewiesen.
Warum die Auftragszahlen mit Vorsicht zu lesen sind
Die Richtung beim Auftragseingang ist positiv, doch die Prozentangaben sind nicht einheitlich. Etoday und Seoul Economic TV berichteten, Samsung erwarte bei 2-nm-Auftragsprojekten rund um KI- und HPC-Anwendungen ein Wachstum von mehr als 130 Prozent gegenüber dem Vorjahr [7][
13]. Global Economic und ZDNet Korea nannten dagegen ein Plus von mehr als 30 Prozent [
12][
14].
Aus den vorliegenden Berichten lässt sich nicht sicher ableiten, welche Zahl die endgültige oder vergleichbarere Kennzahl ist. Für Leserinnen und Leser ist deshalb weniger die einzelne Prozentzahl entscheidend als die nächste Stufe: Werden aus Auftragsprojekten echte Produktanläufe, stabile Waferstarts und später Umsatzbeiträge?
Samsungs stärkstes Argument: alles aus einer Hand
Samsung versucht, den 2-nm-Prozess nicht isoliert zu verkaufen. In der Telefonkonferenz zum ersten Quartal 2026 verwies das Unternehmen laut ChosunBiz darauf, dass wegen anhaltender Engpässe bei Speicherchips mehr Kunden Speicher und Foundry-Kapazitäten gemeinsam absichern wollen. Dadurch steige die Nachfrage nach Turnkey-Angeboten, also Lösungen aus einer Hand, und bei KI/HPC-Kunden werde 2-nm-Zusammenarbeit sichtbarer [1].
Dazu passt HBM4. HBM steht für High Bandwidth Memory, also besonders breitbandigen Speicher, der für KI-Beschleuniger und Rechenzentrumsanwendungen wichtig ist. Samsung erklärte, der auf 4 nm basierende HBM4-Base-Die werde wegen guter Leistung als differenzierend wahrgenommen und treibe die Nachfrage nach 4-nm-Kapazitäten; zugleich prüfe das Unternehmen zusätzliche Kapazitäten [2]. Das ist kein direkter Beleg für einen 2-nm-Auftrag. Es stärkt aber Samsungs Verkaufsargument, Foundry, Speicher und Advanced Packaging als Gesamtpaket anbieten zu können [
7].
Auch Silizium-Photonik gehört zu dieser Strategie. Samsung sieht wachsende Nachfrage nach hoher Bandbreite und geringer Leistungsaufnahme in Rechenzentren und entwickelt neben Bauelementen auch Kombinationen aus fortgeschrittenen Prozessen und 3D-Packaging [1]. Zudem führt das Unternehmen mit mehreren großen globalen Kunden Gespräche über die Kommerzialisierung von Silizium-Photonik; mit einem großen Hersteller optischer Kommunikationsmodule soll ab der zweiten Jahreshälfte 2026 eine Projektfertigung beginnen [
2].
Kundenbasis: nicht nur KI, sondern auch Auto und Robotik
KI und HPC sind der wichtigste Hebel für die 2-nm-Wahrnehmung. Samsung sucht aber auch in anderen Segmenten Anschluss. Das Unternehmen spricht mit Automotive- und Robotik-Kunden aus Amerika und dem chinesischen Raum über den Einsatz von 2-nm- und 4-nm-Prozessen [1]. Auch Ajunews und EDaily berichteten über solche Gespräche mit Auto- und Robotik-Kunden in diesen Regionen [
2][
3].
Das verbreitert die mögliche Kundenbasis. Der eigentliche Wendepunkt für Samsungs 2-nm-Foundry bleibt aber der Nachweis, dass große Kunden ihre anspruchsvollen Produkte tatsächlich auf Samsungs führenden Prozessen fertigen lassen, inklusive verlässlicher Ausbeute, Produktionshochlauf und Umsatzbeitrag.
Die nächsten Prüfsteine
1. Konkrete Vertragsdetails
Derzeit dominieren Formulierungen wie aktive Gespräche und erwartete greifbare Ergebnisse [2][
3]. Für eine belastbare Neubewertung wären Kundennamen, Produktkategorien, Kapazitäten und Produktionsfenster entscheidend.
2. Serienreife von Ausbeute und Leistung
Samsung arbeitet nach eigenen Angaben auf die Ausbeute- und Leistungsziele des 2-nm-Prozesses der zweiten Generation hin und führt parallel PPA- sowie Testchip-Arbeiten mit Kunden durch [7][
9]. Der nächste Schritt ist der Nachweis, dass diese Ergebnisse in wiederholbare, wirtschaftliche Serienfertigung übergehen.
3. Umwandlung von Projekten in Umsatz
Der Ausblick für 2-nm-Auftragsprojekte ist positiv, aber die berichteten Wachstumsraten gehen auseinander [7][
13][
12][
14]. Entscheidend wird sein, ob daraus feste Produktionsprogramme und messbare Umsätze entstehen.
4. Stabiler Hochlauf der führenden Fertigungslinien
ZDNet Korea berichtete, die Auslastung von Samsungs Linien für führende Prozesse habe ein Höchstniveau erreicht [4]. Newsis berichtete zudem, Samsung bereite in der neuen Fabrik in Taylor im US-Bundesstaat Texas die Fertigung von 2-nm-basierten Chips vor [
11]. Für den Zeitplan in der zweiten Jahreshälfte 2026 ist der stabile Ramp-up solcher Kapazitäten zentral.
Fazit: Fortschritt ja, Beweis noch nicht
Samsung sendet bei 2 nm klarere Fortschrittssignale als noch zuvor. Der Zeitplan für die zweite Jahreshälfte 2026 steht, PPA-Prüfungen und Testchips laufen, und bei KI- sowie HPC-Kunden werden die Gespräche konkreter [7][
2].
Trotzdem bleibt die richtige Lesart nüchtern: Die Entwicklung und Validierung kommen voran, die Chancen auf neue Kunden verbessern sich, aber die kommerzielle Sicherheit ist begrenzt. Erst wenn große KI- oder HPC-Kunden mit konkreten Produkten, stabilen Volumina und sichtbaren Umsätzen folgen, wird aus dem 2-nm-Fahrplan ein belegter Foundry-Turnaround.




